Fulda (FD) Die Glocken der Klosterkirche auf dem Frauenberg (Turmaufnahme)

Die über Fulda trohnende Klosterkirche Sankt Marien auf dem Frauenberg beherrbergt in ihren beiden Dachreitern ein insgesamt vierstimmiges Glockengeläute. Nach Errichtung der heutigen Klosterkirche berichtet die Chronik im Jahre 1764 über das erste Geläute für den Frauenberg, welches vom seinerzeitigen Würzburger Glockengießer Johann Adam Roth gegossen wurde. Über den heutigen Verbleib ist nichts bekannt. Die Glockengießerei Otto in Bremen beauftragte man jedoch 1893 mit dem Guss von drei neuen Glocken (as' b' c'') - sie mussten bereits im Ersten Weltkrieg beschlagnahmt und eingeschmolzen werden. Wohltäter ermöglichten dann im Jahre 1921 einen Ersatzguss bei der Apoldaer Glockengießerei Ulrich. Die drei großen Glocken trugen nahezu die selben Inschriften wie die heutigen Glocken und hatten mit einem Gesamtgewicht von 1263 kg Durchmesser von 940, 860 und 740mm. Desweiteren befand sich schon damals im kleinen Dachreiter über dem Chor eine Glocke (ges'' mit 63 kg), deren Herkunft sich allerdings nicht mehr nachverfolgen lässt. Im Zuge der Klosterauflösung im Zweiten Weltkrieg mussten alle Glocken auf dem Frauenberg 1941 eingeschmolzen werden. Nach Kriegsende konnte das Kloster durch die Mönche wiederbelebt werden. Schon 1949 wurde durch den damaligen Guardian erneut bei der Glockengießerei Otto angefragt, ob ein neues Geläute wieder in Bremen gegossen werden könne. Am 17. Mai 1949 fand der Glockenguss statt - das Ergebnis war und ist, wie hier zu hören und zu sehen, mehr als zufriedenstellend. Zu den Läutepraktiken: Die kleine Elisabethglocke auf dem hinteren Dachreiter wird wie eine Art "Beerdigungsglocke" verwendet, sie erklingt im Normalfall zu Beerdigungen und zum Nachläuten nach dem Angelus. Zu Festtagen wird sie allerdings, wie schon damals vorgesehen, als Zimbel in das Hauptgeläute der drei großen Glocken integriert. Gl. 1 | Antoniusglocke | as' | 963 mm | Glockengießerei Otto, Bremen-Hemelingen (1949) Gl. 2 | Franziskusglocke | b' | 854 mm | Glockengießerei Otto, Bremen-Hemelingen (1949) Gl. 3 | Marienglocke | c'' | 754 mm | Glockengießerei Otto, Bremen-Hemelingen (1949) Gl. I | Elisabethglocke | as'' | 470 mm | Glockengießerei Otto, Bremen-Hemelingen (1949) Die erste Kirche auf dem Frauenberg wurde bereits in der Mitte des achten Jahrhunderts errichtet und von den ersten Fuldaer Bischöfen als Rückzugsort genutzt. Der Holzbau drohte jedoch nach knapp fünfzig Jahren zu verfallen und wurde daher durch eine Steinkirche ersetzt, welche in den nächsten zwei Jahrhunderten die Pfarrkirche der Stadt war. Das neue Kirchengebäude wurde der Muttergottes geweiht- davon leiten sich auch die Namen "Marienberg" und in heutiger Zeit "Frauenberg" ab. Um 1050 wurde die Stadtpfarrkirche zur Gemeindekirche Fuldas und auf dem Frauenberg ein Benediktinerkloster eingerichtet. Trotz mehrerer Verwüstungen blieb das Kloster über die nächsten Jahrhunderte zunächst bestehen. Erst der Baueraufstand zu Ostern 1525 ließ das geistliche Leben auf dem Frauenberg erlischen - die Klostergebäude wurden komplett niedergebrannt, die Mönche flohen. Jahrzehnte später begann man um 1600 mit dem Wiederaufbau - vermutlich wurde keine neue Kirche, sondern die alte Basilika wiedererrichtet. Auch das Kloster wurde ab 1623 neu bezogen - fünf Franziskanermönche konnten das Kloster nach einigen Schwierigkeiten bis auf weiteres nutzen - ein großer Brand im Jahre 1757 vernichtete nahezu alle Gebäude auf dem Frauenberg. So begann der Bau der heutige Klosterkirche von 1758 bis 1763 im Stile des späten Barockes nach den Vorstellungen der Franziskanermönche. Nach der Übernahme des Hochstiftes Fulda durch den Fürsten von Hessen-Nassau wurden zunächst die Benediktiner- und Kaupzinerklöster aufgehoben, dass Fuldaer Franziskanerkloster konnte jedoch glücklicherweise bestehen bleiben. Das 1875 verabschiedete Ordensgesetz verwies alle Orden, die keine Krankenpflege betreiben aus Preußen - so auch die Franziskaner vom Frauenberg. Erst nachdem die Stadt Fulda das beschlagnahmten Gebäude wieder zurückgekauft hatte, konnte das klösterliche Leben auf dem Frauenberg fortgesetzt werden - zumindest bis zum Ausbruch des Zweiten Weltkrieges. Im Jahre 1940 wurde das gesamte Kloster, mit Ausnahme der Kirche und Sakristei von den Nationalsozialisten beschlagahmt und verschieden genutzt. Glücklicherweise verschonten die Bombenangriffe auf Fulda den Frauenberg, sodass die Franziskaner 1945 in ihr Kloster zurückkehren konnten. Nachdem das Kloster sich zunächst stark vergrößerte, mussten in den letzten Jahrzehnten einige Einbußungen gemacht werden - ein Teil des Klosters wurde zum Gästehaus umgewandelt, ein anderer wird vom "antonius – Netzwerk Mensch" genutzt. Weitere Information zum Frauenberg: http://www.kloster-frauenberg.de/ Herzlich bedanken möchte ich mich bei Guardian Bruder Gerhard Busche OFM für die freundliche Genehmigung und Unterstützung der Geläuteerfassung und Aufnahme! Aufgezeichnet am Samstag, den 01. Februar 2020 zu einem gesonderten Glockenläuten.

Fulda (FD) ehemalige kath. Kirche St. Elisabeth Sonntageinläuten+ letztes Läuten der Glocken
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Fulda (FD) Die Glocken der evang.-luth. Christuskirche (Turmaufnahme)
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