Nordseeinsel Juist - Das Geläut der Kirche zu den hl. Schutzengeln

Die Nordseeinsel Juist wurde als solche erstmals 1398 urkundlich erwähnt, zuvor war der Bereich wohl Teil der großen Insel Bant, auf der der hl. Ludgerus im 8. Jh. missionierte. Bant verschwand, wohl durch Zerstückelung durch viele Sturmfluten im Wesentlichen bis 1398. In diesem Bereich liegen heute Borkum, Juist, Buise (Busetief) und Osterende = Norderney. Inselkirchen auf Juist sind ab etwa 1400 nachweisbar, durch Sturmfluten und die Ostwanderung der Insel kam es immer wieder zu Neubauten. Die heutige, ev. Inselkirche steht etwa 2 bis 6 km weiter östlich als die Vorgängerinnen in den Bereichen Bill und Loog. Ende des 19. Jh. stieg auf Juist der Kur- und Badebetrieb rasant an. Viele der Gäste waren Katholiken aus Rheinland und Westfalen. Um wenigstens eine Sonntagsmesse zu haben, gründete sich ein kath. „Strandclub“, der Gelder zum Bau einer Kirche sammelte – der Notbehelf in einem Gaststättensaal des heutigen Hotels Freese war ungenügend. 1909 war das Geld beschafft, die Gemeinde Juist schenkte das Gründstück und gab jährlich 500 Mark für einen festen Priester auf Juist. Die Inselkirche entstand 1909/10 durch Maurermeister Abheiden aus Papenburg. Eine gedachte Erweiterung mit Glockenturm unterblieb. Erst 1961 wurde die Kirche nach Plänen von Josef Feldwisch-Drentrup, Osnabrück, um ein Halbrund nach Westen erweitert. 1994 erfolgte der Anbau einer neuen Sakristei mit Treppenturm zur Empore, 2001 schließlich der Bau des Gemeindesaales mit Wohnung darüber. Seit spätestens 1974 wurde der Kirchenraum mehrfach umgestaltet, der heutige Raumeindruck entstand 2010 und 2015/16. Prägend ist die Umgestaltung der alten Sakristei zur Sakramentskapelle. Die Kunstwerke unterschiedlicher Provenienz fügen sich in einem sehr harmonischen, ruhig stimmenden Gesamtraum gut zusammen. Die Kirchengemeinde in Juist war seit 1972 Kuratie der Pfarrei Norden, heute gehört sie zur Pfarreiengemeinschaft Küste, die u. a. die Inseln Juist, Norderney, Baltrum, Langeoog und Spiekeroog umfasst. Die Glockengeschichte der Schutzengelkirche beginnt 1910/1911. Zu der Zeit kam eine kleine Glocke von 1764 als Stiftung aus dem Bestand der Glockengießerei Otto in Bremen-Hemelingen nach Juist. Gegossen wurde sie von Johann Fuchs aus Köln. Neben einer Antiquainschrift zeigt sie am Übergang von Haube zur Schulter auch eine eingravierte Inschrift. Das auf den Infotafeln im Kirchenfoyer zu sehende Foto kann kaum den Einzug der Glocke um 1911 zeigen, denn das Chorfenster dort zeigt eine Verglasung, die sich auch im Obergaden der Rotunde von 1961 wiederfindet. Einige der verfügbaren Fotos zeigen eine leere Glockenstube. Vielleicht wurde die Glocke für Sanierungsarbeiten vom Turm geholt? 2007 wurde eine weitere Glocke aus der Gießerei Petit & Gebr. Edelbrock in Gescher für Juist gegossen, zu diesem Anlass wohl auch ein Holzglockenstuhl im Türmchen errichtet. In diesem Zustand präsentiert sich das kleine Geläut heute in schwungvoller Läuteweise, die kleine Barockglocke gibt dem Duett Farbe und Wiedererkennungswert. Auf der autofreien Insel Juist stört im ersten Teil der Aufnahme ausgerechnet ein motorbetriebener Radlader bei Straßenbauarbeiten. Geläutedaten (nach Wikipedia): Hl. Schutzengel e‘‘ +7, 575 mm, 118 kg Mess-/Angelusglocke g‘‘ +9, 510 mm, ~85 kg. Aufnahme: 23.04.25 Hist. Fotos: abfotografiert von den Infotafeln zur Kirchengeschichte im Foyer. Alle anderen Fotos eigener Provenienz. Herzlicher Dank gilt Sr. Dr. Michaela Wachendorfer für die freundliche und spontane Kooperation! Verwendete Quellen/Literatur: Netzauftritt der Kirchengemeinde Juist, konsultiert am 30.04.2025: https://katholisch-juist.de/ueber-uns... SR. DR. MICHAELA WACHENDORFER: „Gott einen Ort sichern“ – Katholische Kirche zu den hlg Schutzengeln Juist (Kirchenführer). Norden, o. J. Wikipedia-Beitrag zur Kirche, konsultiert am 30.04.2025: https://de.wikipedia.org/wiki/Zu_den_...) Bischöf. Generalvikariat Osnabrück (Hrsg.): Handbuch des Bistums Osnabrück. Dombücherstube Osnabrück, 1991.