Evangelische Stadtkirche, Bad Wimpfen #bad wimpfen #glocken

Westlich oberhalb der älteren Wimpfener Talsiedlung entstand auf dem Eulenberg im hohen Mittelalter die Pfalz Wimpfen, eine staufische Königspfalz. Der Baugrund und das umliegende Gebiet gehörten ursprünglich dem Bistum Worms. Die Kirche wurde unmittelbar westlich der Pfalz errichtet; das heute mit dem Wimpfener Rathaus überbaute Areal zwischen der Kirche und dem Blauen Turm war einst der Halsgraben der Pfalz und wurde später verfüllt. Auf die frühe Geschichte der Kirche vor ihrer ersten urkundlichen Erwähnung 1234 kann nur aufgrund architektonischer Befunde geschlossen werden. Bodenfunden zufolge stand an der Stelle der Kirche einst ein einschiffiges Kirchengebäude, das sich in etwa vom Chor bis zum Kanzelpfeiler der heutigen Kirche erstreckte und ungefähr die Breite des jetzigem Mittelschiffs hatte. Die Kirche war wohl bereits dreischiffig ausgebaut und nach Westen verlängert, als sie um 1210 in der Zeit des Baus der benachbarten Pfalz ihre zwei Osttürme erhielt. Im Südturm wurde ein römischer Viergötterstein vermauert; der Nordturm könnte aufgrund eines hochgelagerten Außenzugangs einst ein Wehrturm gewesen sein. Gleichzeitig mit dem Bau der Pfalz und der Kirche entstand als Verwaltungssitz des Bistums Worms der benachbarte Wormser Hof, in dem auch der jeweilige Pfarrer seinen Sitz hatte. Die Kirche war ursprünglich der Jungfrau Maria geweiht. Obwohl hier in der Reformationszeit bereits 1523 die erste evangelische Predigt gehalten wurde, blieb sie zunächst noch eine katholische Kirche, bevor sie 1588 der inzwischen die überwiegende Bevölkerungsmehrheit in Wimpfen bildenden evangelischen Gemeinde als Stadtkirche anstelle der kleineren, in der Talsiedlung gelegenen Cornelienkirche zugesprochen wurde. Die Katholiken klagten vergeblich vor dem Reichskammergericht gegen diese Entscheidung.[3] Um die Kirche befand sich ursprünglich der Friedhof der Stadt, bis dieser um 1600 vor die Stadtmauern verlegt wurde. Bei der Kirche verblieb das später ebenfalls aufgegebene Erbbegräbnis einiger Wimpfener Patrizierfamilien.[4] Nach dem Ende der reichsstädtischen Blüte zu Beginn des 17. Jahrhunderts und vor allem nach dem Dreißigjährigen Krieg wurde Wimpfen zu einer Ackerbürgerstadt. Größere Baumaßnahmen am Gebäude fanden daraufhin nicht mehr statt. Die Kirchengemeinde war vielmehr aus wirtschaftlichen Gründen gezwungen, Teile ihres Besitzes zu verkaufen. 1648 wurde die mittlere Glocke der Kirche und der 44 Messgewänder umfassende Kirchenornat verkauft. Ein Verkauf der großen Glocke im Jahr 1649 konnte nur äußerst kurzfristig durch anderweitig aufgebrachte Geldmittel abgewendet werden, so dass der bereits erschienene Käufer einen Reuetaler als Entschädigungszahlung erhielt.[3] Um 1870 setzte durch die inzwischen erschlossene Saline und den Eisenbahnanschluss des Ortes ein wirtschaftlicher Aufschwung in Wimpfen ein. Zahlreiche Wandmalereien in der Kirche wurden renoviert. Von 1969 bis 1972 fand eine umfassende Innen- und Außenrenovierung statt. Die eng beieinander stehenden, schlanken Osttürme, die ursprünglich für einen viel kleineren Bau errichtet wurden, geben der Kirche ihr architektonisch markantes Äußeres. Die unteren beiden Geschosse der Türme aus dem frühen 13. Jahrhundert sind aus Kalkstein. Sie sind die ältesten Teile der Kirche. Der Nordturm wurde gemäß einer Bauinschrift 1521 um ein Geschoss erhöht, der Südturm gemäß einer Inschrift am obersten Gesims im Jahr 1523. Die Grundfläche der Türme beträgt jeweils 4,25 × 4,25 Meter, ihre Höhe mit Dachaufbauten 44,50 Meter.[6] Das Glockengeläut der Stadtkirche besteht aus drei Kirchenglocken, die zu unterschiedlichen Zeiten von der Glockengießerei Bachert in Kochendorf gegossen wurden. Die große Glocke hängt im Nordturm, die beiden anderen Glocken im Südturm.[7] Glocke 1, die Reichsstadtglocke, gegossen 1953, hat bei einem Durchmesser von 1450 mm ein Gewicht von 1940 kg und klingt mit dem Schlagton c′. Die Inschrift lautet: REICHSSTADTGLOCKE HEISS, GOTTES WALTEN PREIS ICH, SCHIRME GNAEDIG GOTTES HAND, VNSER DEVTSCHES VATERLAND Glocke 2, die Apostelglocke, gegossen 1955, hat bei einem Durchmesser von 1210 mm ein Gewicht von 1138 kg und klingt mit dem Schlagton f′. Die Inschrift lautet: APOSTELGLOCKE SOLL MEIN NAME SEIN, ICH RVFE CHRISTVS IST DAS HEIL ALLEIN." und "GEGOSSEN VON GEBRVEDER BACHERT IN KOCHENDORF 1955 Glocke 3, die Lutherglocke, gegossen 1905, hat bei einem Durchmesser von 940 mm ein Gewicht von 900 kg und klingt mit dem Schlagton c′. Die Inschrift lautet: LUTHERGLOCKE HEISS ICH KÜND IN JEDER NOT EIN FESTE BURG IST UNSER GOTT." und "GEGOSSEN VON GEBRÜDER BACHERT IN KOCHENDORF 1905