Dominikaner Kirche zum Heiligen Kreuz in Bad Wimpfen

Im 13. Jahrhundert entstand auf einem Hügel südwestlich der Pfalz Wimpfen bzw. der Wimpfener Bergstadt ein Kloster des Dominikanerordens. Der Orden hatte das Bauland aus einer Stiftung des Engelhard von Weinsberg erhalten. Die Klosterchronik des Joachim Brodt von 1721 nennt 1264 als Jahr der Grundsteinlegung, während ein älteres Kopialbuch 1273 als Jahr des Baubeginns nennt. Brodt zufolge wurde die Kirche an der Stelle des früheren Hochgerichts errichtet und der Hochaltar 1269 dem heiligen Kreuz geweiht. Die Weihe soll durch den Regensburger Bischof Albertus Magnus erfolgt sein, der wohl auch Einfluss auf die bauliche Gestaltung der Klosteranlage nahm. Kirche und Klosteranlagen wurden sukzessive zu einer einen Kreuzgang umschließenden Anlage erweitert. Seinen heutigen Grundriss hatte das Kirchengebäude mit der Fertigstellung des Chores im frühen 14. Jahrhundert erreicht. Das Kloster erfuhr zahlreiche Stiftungen und Schenkungen aus der Bürgerschaft und aus dem Adel.[1] Es entwickelte sich zu einem der bedeutendsten Dominikanerklöster überhaupt, war von der Mitte des 15. bis zum späten 16. Jahrhundert Versammlungsort des Provinzial-Ordenskapitels, hatte die Kaiser Karl V. und Ferdinand I. zu Gast, gab wichtige wissenschaftliche und künstlerische Impulse und verfügte über eine bedeutende Bibliothek. Zu den bekannten Wimpfener Dominikaner-Konventualen des 16. Jahrhunderts zählen Michael Vehe, Johannes Fabri und Konrad Wimpina. Vehe und Fabri waren entschiedene Gegner der Reformation, die in Wimpfen durch Erhard Schnepf schon früh vorangetrieben wurde. Obwohl bald eine Mehrheit der Bürgerschaft dem reformierten Glauben angehörte, verblieb die Wimpfener Stadtkirche bei der katholischen Gemeinde, während die Dominikanerkirche von 1571 an als Simultankirche für die altgläubigen Dominikaner und die lutherische Gemeinde diente, bevor die Lutheraner 1588 die Stadtkirche erhielten. Im Dreißigjährigen Krieg war das Kloster ein Waffenplatz der von Johann T’Serclaes von Tilly geführten Truppen im Umfeld der Schlacht bei Wimpfen 1622. Im Jahr 1632 besetzten schwedische Truppen das Kloster, vertrieben die Mönche und plünderten den Kirchenschatz. Nach der Schlacht bei Nördlingen 1634 wurde das Kloster an die Dominikaner rückerstattet, die ab 1655 auch wieder die pfarramtliche Versorgung der Wimpfener Katholiken erledigten. Das Kirchenschiff wurde von 1713 bis 1715 umgebaut und dabei erhöht. Bis in die zweite Hälfte des 18. Jahrhunderts wurde die Kirche dann mit der größtenteils bis heute erhaltenen barocken Ausstattung versehen. Im Zuge der Umbauten fand man 1717 im alten Hochaltar eine Bleikapsel aus dem 13. Jahrhundert mit einer Kreuzreliquie, zu der sich eine Wallfahrt entwickelte. Diese Kreuzwallfahrt fand erstmals im Jahr 1719 zum Fest Kreuzauffindung (3. Mai) statt, wozu der Wormser Weihbischof Johann Baptist Gegg zur Kirchweihe und Wallfahrtseröffnung erschien.[2] Das kleine Metallkreuz, in dem ein Splitter des Kreuzes Jesu Christi eingefasst wurde, ist mit vier Edelsteinen geschmückt. Während der Barockisierung und auch noch danach nahm man wenig Rücksicht auf den überkommenen älteren Kirchenschmuck. Alte Wandmalereien wurden überstrichen oder überputzt, der alte Chorschluss durch den neuen Hochaltar vollkommen verstellt, alte Grabdenkmale durch neue Einbauten teilweise verdeckt. 1802 hat man sogar die frühgotische Chorverglasung aus einer Straßburger Werkstatt mit Bildfolgen aus dem Altenund Neuen Testament und dem Leben des heiligen Dominikus sowie Konkordanzschilderungen gegen einfache Glasfenster ersetzt. Franz I. Graf zu Erbach-Erbach erwarb die mittelalterlichen Scheiben im Gegenzug für die Finanzierung der neuen Verglasung.[6] Die historischen Glasmalereien kamen in den Rittersaal der Gräflichen Kunstsammlung in Erbach; einzelne Fragmente – darunter Motive mit Blattwerk – wurden in die neugotische Inselkapelle im Englischen Garten Eulbach integriert.[6] Beim Übergang von Wimpfen an Baden 1803 wurde das Kloster landesherrliches Eigentum, bestand zunächst aber noch fort. Nachdem Wimpfen dann kurz darauf an Hessen gekommen war, wurde das Kloster 1818 aufgehoben. Die Klosterkirche ging in das Eigentum der katholischen Ortsgemeinde über, die Konventsgebäude hat 1838 die Stadt Wimpfen erworben und darin Schulen eingerichtet.