Muri AG, ehem. Klosterkirche St. Martin, Vollgeläute
Muri AG ehem. Klosterkirche St. Martin Konfession: römisch-katholisch Es erklingen die 7 Glocken der beiden Fassadentürme: G° cis‘ e‘ g‘ h‘ cis‘‘ e‘‘ Aufnahme vom Montag, 31.10.2016, 16h00, Einläuten des Hochfestes Allerheiligen. Die Klosterkirche Muri besitzt ein äussert vielseitiges und spannendes Geläute mit unharmonischer Tonfolge, welches Glocken aus den unterschiedlichsten Jahren und Herkunftsorten vereint. Die Barockglocken stammen allesamt von Lothringischen Giessern. Mit der Angelusglocke ist auch noch ein bedeutendes Werk der Zürcher Glockengiesserdynastie Füssli vertreten. Die Leontiusglocke wurde 1907 von Hermann Rüetschi aufgrund einer älteren Glocke gegossen, die Verzierungen und die leichte Rippe wurden also übernommen. Zwei weitere Glocken wurden im 20. Jh. von der Giesserei Rüetschi neu gegossen. Bis heute werden bis auf die grosse Leontiusglocke alle von Hand geläutet. Dies ist der Grund, dass diese Glocken nur zu Hochfesten erklingen. Die Leontiusglocke wird sonst oft solistisch verwendet. Muri besitzt damit das grösste handgeläutete Ensemble der Schweiz. Die Leontiusglocke hängt im Turm links der Fassade, die weiteren in jenem mit einer Uhr versehenen rechts der Fassade. Weitere Glocken befinden sich in den drei Dachreitern. Beim Einläuten erklingt die cis‘‘-Glocke erst zusammen mit der cis‘-Glocke, dafür verstummt ab diesem Zeitpunkt die e‘‘-Glocke. So kommt ein eigentliches Vollgeläute nicht zustande, es war wohl eine Person zu wenig vor Ort. Aufgrund der Nähe zu einer Baustelle sowie der Strasse liessen sich einige Störgeräusche nicht vermeiden. Das Kloster Muri wurde im Jahre 1027 von Ita von Lothringen, der Gattin von Graf Radbot von Habsburg als Sühne für hier begangene Gewalttaten an ortsansässigen Freien gestiftet. Nach einer sehr wechselvollen Geschichte wurde das Kloster 1841 zusammen mit allen anderen aargauischen Klöstern aufgehoben. Der Konvent siedelte dann nach Bozen im Südtirol um, wo sich heute das Kloster Muri-Gries nennt. Die heutige Klosterkirche stammt im Kern aus dem Mittelalter. Sie wurde 1064 eingeweiht und präsentierte sich damals in romanischem Stil. Die Zeiten der Gotik und der Renaissance schlugen sich nur in der Ausstattung nieder und liessen das Bauwerk weitgehend unberührt. 1694-1697 wurde das romanische Langhaus durch ein mächtiges Kuppeloktogon ersetzt und die gesamte Kirche barockisiert. Die Ausstattung folgte im Verlaufe des 17. Und 18. Jhs. Im 20. Jh. fanden umfangreiche Restaurierungen an der Klosterkirche statt. Wer mit dem Auto oder mit dem Zug nach Muri fährt, kann die spitzen Türme der Klosterkirche kaum übersehen. Das Kloster erhebt sich etwas am Rand vom Dorf an schöner Lage. Durch einen hofartigen Platz schreitet man auf die erhaben wirkende Doppelturmfassade zu. Durch ein reiches Portal betritt man das Innere, wo sich Formen und Farben geschickt überspielen. Das hohe Kuppeloktogon erweckt Eindruck. Es wird von fünf Emporen umgeben. Der Stuck ist weiss, darauf fallen die in kräftigen Farben gehaltenen Wand- und Deckengemälde auf. Bei der Ausstattung wurde an Formen und Farben nicht gespart, sodass das Innere einen beinahe überbordenden Eindruck macht. Doch ist sie geschickt in den Raum eingefügt. Die Altäre besitzen alle prachtvolle Gemälde und Figuren. Auf dem Seitenaltar im linken Querarm des Kuppeloktogons wird der Katakombenheilige Leontius verehrt, der der grössten Glocke ihren Namen gab. Interessant sind auch die drei Barockorgeln, die weitgehend im originalen Zustand erhalten sind. Daten der Glocken: Nr. 1 Leontiusglocke gegossen 1907 Giesser: Hermann Rüetschi, Aarau Gewicht: 4‘300 kg Schlagton: G° Nr. 2 Angelusglocke gegossen 1551 Giesser: Peter V. Füssli, Zürich Gewicht: 2‘200 kg Schlagton: cis‘ Nr. 3 Vesperglocke gegossen 1679 Giesser: Gebr. Rosier und Stephan Arnold, Lothringen Gewicht: 1‘100 kg Schlagton: e‘ Nr. 4 Sturm- oder Feuerglocke gegossen 1955 Giesser: H. Rüetschi AG, Aarau Gewicht: 550 kg Schlagton: g‘ Nr. 5 Bruder-Klausen-Glocke gegossen 1977 Giesser: H. Rüetschi AG, Aarau Gewicht: 360 kg Schlagton: h‘ Nr. 6 Festglocke gegossen 1750 Giesser: Gebr. Rosier, Lothringen Gewicht: 200 kg Schlagton: cis‘‘ Nr. 7 ohne Name gegossen 1679 Giesser: Gebr. Rosier und Stephan Arnold, Lothringen Gewicht: 130 kg Schlagton: e‘‘ Bilder, Tonaufnahme und Text: Robin Marti

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