Zürich (CH - ZH) Glocken des Grossmünsters
Das heutige Grossmünster in Zürich ist bis auf die teilweise gotischen Türme vollständig der Romanik zuzuordnen. Ein Vorgängerbau wird auf das 11. Jahrhundert vermutet, sehr wahrscheinlich gab es auch davor schon Kirchenbauten an der heutigen Stelle. Um 1100 begann man mit dem Bau der Kirche, wobei man um die alte Kirche herumbaute, damit man noch Gottesdienste feiern konnte. Als erstes wurden Chor und Krypta mutmasslich 1107 fertig gestellt. Anschliessend begann man mit den Umfassungsmauern, welche etwa 20-35 Jahre in Anspruch nahmen. Ursprünglich muss die Kirche wohl ohne die heute stadtprägende Doppelturmfassade geplant gewesen sein, die ursprünglichen Fundamente lassen zumindest nicht darauf schliessen. Nach Abschluss des vorigen Bauabschnitts wurde diese unter nachträglicher Verstärkung der Fundamente in die Planung aufgenommen. Jedoch wurde der Südturm eher als Stumpf ausgeführt, wohingegen man den Nordturm auf eine Höhe von 24m trieb und mit einem Pyramidendach und einer 2-reihigen 3-teiligen Schallarkade bei der Glockenstube abschloss. Im Inneren der Kirche wurde in derselben Zeit mit den Emporen auf Nord-, Süd- und Westseite begonnen. Der gesamte Mittelschiffbau mit den Emporen dauerte wohl bis etwa 1200. Von 1488 bis 1491 wurden die beiden Türme grosszügig aufgestockt, der Nordturm erhielt einen neuen Spitzhelm, der Südturm erhielt die heutige gotische Glockenstube und einen ebenso hohen Spitzhelm. 1572 brannte der Turmhelm des Nordturms ab, wobei man das vollständige Ausbrennen durch auslegen von Mist über der Glockenebene verhindern konnte. Der Helm wurde in der gleichen Form wie zuvor wieder aufgebaut. Abermals durch einen Blitzeinschlag brannte 1763 der Nordturm, wobei auch hier das Auslegen von Mist und das Kühlen der Glocken mit Ochsenhäuten schlimmeres verhinderte. Es wurden im Anschluss mehrere Varianten des Wiederaufbaus und des Ausbaus der beiden Türme diskutiert. In derselben Zeit legte auch kein Geringerer als Gaetano Pisoni (zur selben Zeit mit dem Bau von St. Ursen in Solothurn beschäftigt) einen Entwurf für neue Turmhelme vor, welche gemäss Überlieferungen dem Turmabschluss der St. Ursenkirche in Solothurn sehr ähnlich waren. Der Entwurf wurde jedoch nicht weiter diskutiert. Am Ende erhielten beide Türme ein neues halbes Stockwerk mit flachen Abschlüssen und Fialen an den Ecken. Die Abschlüsse waren jedoch etwas gar spärlich und so bekamen die beiden Türme von 1781 bis 1787 ihre heutigen charakteristischen Abschlüsse. Dabei wurde das romanische Glockengeschoss des Nord- und das Halbgeschoss des Südturms abgetragen. Der Nordturm erhielt eine Kopie der gotischen Glockenstube des Südturms und beide erhielten ein optisch angeglichenes niedrigeres Geschoss darüber. Als Abschluss wurden zwei gotische, achteckige Helme mit Zwiebelabschluss aufgesetzt, diese notabene aus Holz entgegen der äusserlichen steinsichtigen Optik. Die Verkleidung setzt die steinerne Optik der Türme sehr gut fort. Der Nordturm war seit jeher immer der Glockenturm des Münsters, Glocken im Südturm sind nicht überliefert. Das ursprüngliche Geläute umfasste 6 Glocken bis 1763. Die grösste Glocke war 1451 von Peter I. Füssli gegossen, ebenso 1428 die 2. grösste Glocke. Die dritte Glocke von 1742 war ein Umguss einer Glocke von 1331. Diese schmolz beim 2. Turmbrand. 2 weitere Glocken unbekannten Jahres gingen ebenso beim Turmbrand verloren. 2 davon wurden 1769 neu gegossen. 1889 sprang schliesslich die grosse Glocke, welches man zum Anlass nahm, ein komplett neues Geläute zu giessen. Der Giesser Jakob II. Keller behielt jedoch die schweren Rippen des alten Geläutes bei. So ist das heutige 4-stimmige Geläute zwar im Vergleich zu den umgebenden Kirchen nicht besonders tontief in C-Dur, weist aber durch die überschweren Rippen einen unverwechselbaren Charakter auf. Daten zum Geläute: Disposition: c' e' g' c'' Gussjahr: 1889 von Jakob II. Keller Glocke 1 Grosse Glocke Ton: c' Gewicht: 4'050kg Ø: 1751mm Glocke 2 Gewicht: 1'680kg Ø: 1315mm Glocke 3 Gewicht: 965kg Ø: 1100mm Glocke 4 Gewicht: 420kg Ø: 830mm Ein herzlicher Dank geht an den Turmführer Michael für die Ermöglichung der Aufnahme und die amüsanten Erläuterungen. Besuche auch meinen Instagramkanal für Impressionen zu meinen Touren: / glockentv.schweiz

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