Wien (A-1090) Die Glocken der Pfarr- und Votivkirche zum Göttlichen Heiland
Ablauf: 00:00 Einleitung 01:36 Glocke V, Marienglocke 03:10 Glocke IV, Elisabethglocke 04:58 Glocke III, Maximiliansglocke 06:45 Glocke II, Dr. Hawala- Gedächtnisglocke 08:17 Glocke I, Heldenglocke 10:16 Vollgeläut ----------------------------------------------------------------- Imposant trohnt die Votivkirche zum Göttlichen Heiland am nordwestlichen Ende des Rings. Der prachtvolle Sakralbau im Stile der französichen Neogotik wird auch "Ringstraßendom" genannt und wird häufig mit dem nicht weit entfernten Stephansdom verwechselt. Er wurde als eine Art Dankeschön in Auftrag von Erzherzog Ferdinand Maximilian, dem Cousin Kaiser Franz Josefs I., erbaut, nachdem dieser ein Attentat unversehrt überlebt hatte. Die neue Kirche sollte als eine Art Ruhmeskirche der Monarche dienen und vom Gewinner eines Architekturwettbewerbs, Heinrich Ferstel, erbaut werden. Über 20 Jahre bestand die Baustelle, besonders Rücksicht nahm man auf die Fertigstellung der Glockentürme, damit diese, nicht wie bei anderen Kirchen, nicht ganz fertig bleiben sollten. Am 24. April 1879, zur Silberhochzeit des Kaiserpaares, weihte man den fertigen "Dom" ein. Schon wenige Jahre davor bat man Ignaz Hilzer in Wiener Neustadt um den Guss eines Monumentalgeläutes. Die Glocken, allesamt 1873 gegossen, erklangen in den Tönen ges°, b°, des', ges', b' und des''. Dazu kamen eine Sanctusglocke für den Dachreiter und zwei Schlagschellen. Auf der Weltausstellung im Gussjahr wurden die Werke allesamt als fortschrittliche Meisterwerke des Glockengusses empfunden. Bis auf den Absturz der größten Glocke auf ein Bahngleis hat sich der Glockenchor gehalten, im ersten Weltkrieg mussten jedoch erstmals mehrere Glocken abgeliefert werden, darunter auch die größte Glocke, seitdem befinden sich ihr massives, leicht gekröpftes Stahljoch und der Fallklöppel mit übergroßem Flachballen lose im Turm. Nach dem Krieg beschaffte man sich einen für diese Zeit stattlichen Geläutesatz, dieser entsprach zwar nicht mehr dem vormaligen Glockenbestand, war aber dennoch groß genug. Dieses Geläute wurde zusammen mit dem Rest an historischen Glocken wähend des zweiten Weltkrieges abgeliefert, sodass nur die zweitkleinste historische Glocke verblieb. Knapp zehn Jahre später sorgte der damalige Propst und Pfarrer Dr. Josef Hawala für ein neues Geläute, 1954 goss Pfundner in Wien drei neue Glocken, 1957 folgte die große Heldenglocke, diese beeindruckt durch ihre erstklassige Klangqualität (hohe Tonfülle, Nachhallzeit fast 200 Sekunden) Sie bildet seither mit den restlichen Glocken ein äußerst klangvolles Klangbild. Beim Tod des Pfarrers Hawala sprang die zweitgrößte Glocke, sie musste 1962 umgegossen werden. Heute wäre es sehr wünschenswert, wieder eine große Grundglocke zu gießen, um die Wucht der Votivkirche noch mehr auszudrücken. ------------------------------------------------------- Hier sollen die Glocken noch einmal etwas genauer beschrieben werden: Motiv: Salve Regina mit doppeltem Grundton, auf b° Glocke I Name: Heldenglocke Gewicht: 3036 Kg Durchmesser: 172 cm Inschrift am Hals: + UNTER MSRG. DR. JOSEF HAWALA ANLÄSSLICH SEINER ZEHNJÄHRIGEN WIRKSAMKEIT ALS PROPST DER VOTIVKIRCHE + // + DEM ANDENKEN AN DER KRIEGSHELDEN GEWEIHT + SALVATOR MUNDI PROPITUS SIT NOBIS Schlagton: b°+4 Gießer: Josef Pfunder II., Wien Gussjahr: 1957 Glocke II Name: Dr. Hawala- Gedächtnisglocke Gewicht: 1508 Kg Durchmesser: 135 cm Inschrift am Hals: ZUM 40- JÄHRIGEN PRIESTERJUBILÄUM DES PROBSTES MSGR. DR. JOSEF HAWALA 1954 + + // DIE GLOCKE IST BEIM ABLEBEN DES PROPSTES // DR. HAWALA IM JAHRE 1961 GESPRUNGEN // UND WURDE NEU GEGOSSEN. Inschrift unter Bildnis des Hl. Josefs: HL. JOSEF, BITTE FÜR UNS. Schlagton: d'+4 Gießer: Josef Pfundner II., Wien Gussjahr: 1962 Glocke III Name: Maximiliansglocke Gewicht: 920, 4 Kg Durchmesser: 112 cm Inschrift am Hals: + ZUM 75. JUBILÄUM DER VOTIVKIRCHE 1954 + HL. MAXIMILIAN // BITTE FÜR UNS! Schlagton: f'+4 Gießer: Josef Pfundner II., Wien Gussjahr: 1954 Glocke IV Name: Elisabethglocke Gewicht: 583,4 Kg Durchmesser: 100 cm Inschrift am Hals: + ZUM 75. JUBILÄUM DER VOTIVKIRCHE 1954 + HL. ELISABETH // BITTE FÜR UNS! Schlagton: g'+4 Gießer: Josef Pfundner II., Wien Gussjahr: 1954 Glocke V Name: Marienglocke Gewicht: 389 Kg Durchmesser: 89,5 cm Inschrift am Hals: (Frakturschrift) + Ora pro nobis ni vigni efficiamnur promissionibus Christi Inschrift am Mantel: In // honorem // immaculatae concepris // beatae Mariae // Virginis Schlagton: b'+4 Gießer: Ignaz Hilzer Gussjahr: 1873 ------------------------------------------------------------- Ich möchte mich aufrichtig bei der Pfarre der Votivkirche für die Genehmigung und bei @kirchenglockentv für die Begleitung bedanken! ------------------------------------------------------------ Quellen: Jörg Wernisch, Glockenkunde von Österreich, Journal Verlag, Lienz 2006

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