Glocken der Basilika St. Paulin in Trier

Vor den Toren der historischen Altstadt von Trier erhebt sich die prachtvolle spätbarocke Basilika St. Paulin - ein Gesamtkunstwerk, welches im gesamten Rheinland seinesgleichen sucht. Nicht minder bedeutend als das Gotteshaus und auch seinem Rang als Basilica minor durchaus entsprechend ist das klassizistische Geläute im Fassadenturm von St. Paulin, welches sich aus vier Glocken zusammensetzt. Mit der Zerstörung der gotischen Stiftskirche beim Einmarsch der Franzosen 1674 fand auch das alte Geläute, bestehend aus sechs Glocken, sein Ende. Für das jetzige, ab 1734 erbaute, Gotteshaus lieferte Wilhelm Stocki aus Niederleuken bei Saarburg 1765/66 ein fünfstimmiges Geläute. Diesem war jedoch keine allzu lange Existenz vergönnt: während eines Gewitters am 27. Februar 1817 wurden nicht nur der Turm, sondern auch die Glocken schwer beschädigt. Innerhalb von vier Jahren errichtete man den Turm in heutiger Form - mit seiner Fertigstellung im Jahr 1821 war es wieder an der Zeit, ein neues Geläute anzuschaffen. Die Gebrüder Joseph und Charles Perrin aus Maisoncelles wurden mit dem Guss beauftragt, laut deren Archiv mit geplanter Tonfolge a⁰ h⁰ cis¹ d¹ - die drei größeren Glocken sind jedoch stark vertieft, das gesamte Geläute ist ungeachtet dessen beinahe einen Ganzton (h⁰ cis¹ d¹ e¹) zu hoch geraten. Es lässt sich nicht mehr ergründen, ob die kleinste Glocke bereits mit den anderen Instrumenten entstand und neugegossen werden musste oder schlichtweg erst 1822 angeschafft wurde. Neben den Glocken hat sich auch der hölzerne Glockenstuhl aus dieser Zeit in weiten Teilen bis heute erhalten können. Nur einmal in der 200jährigen Geschichte des Geläutes mussten drei Glocken den Turm verlassen - sie wurden im Zweiten Weltkrieg zur Ablieferung freigegeben, konnten aber glücklicherweise 1947 wieder vollständig nach Trier zurückkehren. Kurze Zeit später mussten die historischen Armaturen neueren Exemplaren aus Stahl weichen, ebenso hielten neue Klöppel Einzug. Es war Aufgabe der Sanierungen der Läuteanlage in den Jahren 1999, 2008 und 2010, den schadhaften Glockenstuhl zu verstärken und auf Holzjoche und neue Läutemaschinen umzurüsten. Wenn auch die glockengeschichtliche Vergangenheit von St. Paulin in früheren Jahrhunderte weniger glücklich verlief, ist es als absolute Besonderheit anzusehen, das sich ein klassizistisches Geläute aus Frankreich über zwei Jahrhunderte unverändert erhalten konnte - gerade, da Glocken aus dem 19. Jahrhundert oftmals der Aufrüstung in beiden Weltkriegen zum Opfer fielen. Bemerkenswert ist daneben die musikalische Qualität, gerade der größeren Glocken, die die Wirkung der Harmonielinie des Geläutes, des dorischen Tetrachordes, unterstreicht. So schreibt Schritt zurecht von "einem der ganz wenigen Geläute aus der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts in Deutschland, das uns komplett erhalten geblieben ist" - ein Ensemble ersten Ranges, nicht nur historisch gesehen. Gl. 1 | Paulinus & Trierer Märtyrer | h°-11 | 2306 kg | 1570 mm | J. & C. Perrin, FR-Maisonceles (1821) Gl. 2 | Nikolaus & Donatus | cis'-9 | 1675 kg | 1420 mm | J. & C. Perrin, FR-Maisoncelles (1821) Gl. 3 | Michael & Walburga | d'-5 | 1163 kg | 1273 mm | J. & C. Perrin, FR-Maisoncelles (1821) Gl. 4 | Petrus & Johannes Nepomuk | e'-4 | 931 kg | 1168 mm | J. & C. Perrin, FR-Maisoncelles (1822) Das einstmalige Stift St. Paulin blickt, wie die gesamte Stadt Trier, auf ein großes Stück Geschichte zurück. Eine erste, antike Pfarrkirche an Stelle der heutigen Basilika entstand bereits im 4. Jahrhundert, die Ursprünge des Stiftes liegen hingegen im Dunkeln - erstmals belegbar wird es jedenfalls im 8. Jahrhundert. Vom zweiten Kirchenbau, einer romanischen Basilika aus dem 12. Jahrhundert, hat sich die Krypta bis heute erhalten können - sie birgt den Sarkophag des Hl. Paulinus. Im 18. Jahrhundert sollte schließlich ein völlig neues Gotteshaus ganz im Stil der Zeit entstehen - dem Barock. Finanziert von Erzbischof von Schönborn wurde von 1734 bis 1757 einer der prächtigsten Kirchenbauten an der Mosel errichtet. Seine Architektur geht ungewöhnlicherweise auf Pläne des fränkischen Barockbaumeisters Balthasar Neumann zurück. Besonders bemerkenswert, dass sich die gesamte Innenausstattung von St. Paulin bis heute hat erhalten können. Ein wahres Meisterwerk, über das an dieser Stelle nicht mehr viele Worte verloren werden sollen, da sie hinter dem Anspruch, den Bau ausreichend zu würdigen, wohl zurückbleiben würden. Ablauf der Vorstellung: 00:00 Eindrücke der Basilika, Geläute "von außen" 03:30 Einzelglocken 11:30 Vollgeläut Herzlichen Dank an Pastor Waldorf und Herrn Dietzen für die freundliche Ermöglichung der Aufnahme, sowie Felix für die gelungenen Tage in Trier. Quellen: 1* Heyen, Franz-Josef: Das Stift St. Paulin vor Trier, in: Germania Sacra. Bd. 6. 1972.; 2* Schritt, Sebastian: Trierer Glocken und Geläute, unveröffentliches Manuskript. 2022.; 3* https://bit.ly/trierpaulin, Stand: 15.08.22 Text, Ton & Bild: Ben Schröder. #Glocken