Heidesheim (D), kath. Kirche St.Philippus und Jakobus - Vollgeläute

Ein farbenreiches und klangschönes Geläut der Nachkriegszeit birgt der Turm von St.Philippus und Jakobus in Heidesheim. Aus der Zeit um 1300 stammt der Unterbau des Kirchturms. Dieser zeugt noch heute von der im Jahr 1389 erstmals urkundlich erwähnten Kirche. Der Turm wurde um 1480 erneut umgebaut und erhielt seine Gestalt für die darauffolgenden 430 Jahre. Zwischen 1791 und 1792 riss man das alte Kirchenschiff aufgrund von Baufälligkeit ab. Von 1804 bis 1811 entstand unter Einbeziehung des alten Turmes eine neue klassizistische Hallenkirche nach Plänen des Mainzer Baudirektors Jakob Joseph Schneider. Ein Blitzeinschlag setzte im Juni des Jahres 1910 den Turm in Brand. Dieser wurde danach nach Plänen des Mainzer Dombaumeisters Ludwig Becker wiederaufgebaut und um ein Stockwerk erhöht. Die letzte große Baumaßnahme war der Bau eines Querschiffs zwischen 1960 und 1961 nach Entwürfen von Jakob A. Hack aus Mainz. Im Inneren der Kirche lässt sich eine reichhaltige, größtenteils sogar noch historische Ausstattung finden. Dazu zählen der um 1700 gefertigte Hochaltar, der ursprünglich in der Mainzer Karmeliterkirche stand, die beiden etwa gleich alten Seitenaltäre sowie eine spätgotische Kreuzigungsgruppe aus Wackernheim. Aus der Barockzeit stammen noch das Chorgestühl, vier Figuren an den Seitenwänden des Hauptschiffes und die Kanzel. Von der 1820 von Heinrich Engers aus Waldlaubersheim gebauten Orgel ist heute nur die Front des alten Gehäuses erhalten geblieben. Das Werk dahinter stammt in großen Teilen noch aus dem Jahr 1925 von Michael Körfer aus Gau-Algesheim. Die Orgelbaufirma Breitmann aus Nieder-Olm erweiterte das Instrument 1968 um ein weiteres, separat stehendes Werk im östlichen Seitenschiff. Die Orgel präsentiert sich seither immer noch als zweimanualiges Instrument mit Pedal. Beim Turmbrand im Jahr 1910 ging auch das bis dahin vorhandene, überregional bedeutende spätmittelalterliche Geläut verloren. Die drei Glocken waren 1482 von Tilmann von Hachenburg und Johann von Andernach im Heidesheimer Fronhof gegossen worden. Aus den verbliebenen Resten wurden schließlich ein Jahr später vier neue Glocken von der Frankenthaler Glockengießerei Hamm gegossen. Dieses Geläut erklang bis 1942 über die Dächer von Heidesheim. Im Zuge des Zweiten Weltkrieges wurden die drei großen Glocken abgeliefert und eingeschmolzen. Die kleine Glocke blieb vor Ort. Nach Kriegsende beschloss man, das Geläut in seiner alten Form wiederherzustellen. 1951 goss Hermann Hamm drei neue Glocken für Heidesheim. Dabei gab man die alte kleine Glocke von 1911 in Zahlung. Die große Glocke sollte, aus finanziellen Gründen, zu einem späteren Zeitpunkt angeschafft werden. Nach zwölf Jahren konnte dann auch die bis dato fehlende große Glocke gegossen werden. Da jedoch die Glockengießerei Hamm nur wenige Jahre zuvor geschlossen wurde, erging der Auftrag für den Guss an den Heidelberger Glockengießer Friedrich Wilhelm Schilling. Dieser lieferte ein für ihn typisches, musikalisch und gusstechnisch makelloses Instrument. So vereinen sich in Heidesheim Glocken unterschiedlichster Klangfarbe zu einem erstaunlich homogenen Geläut, welches durch seine elegische Disposition unter sämtlichen Geläuten im weiten Umkreis ein Alleinstellungsmerkmal besitzt. Dreifaltigkeitsglocke, Schlagton d'-2, Gewicht ca. 1.625 kg, Durchmesser 1341 mm, gegossen im Jahre 1963 von Friedrich Wilhelm Schilling in Heidelberg. Philippus- & Jakobusglocke, Schlagton e'-2, Gewicht ca. 1.130 kg, Durchmesser 1234 mm, gegossen im Jahre 1951 von der Glockengießerei Andreas Hamm & Sohn in Frankenthal. Marienglocke, Schlagton f'+1, Gewicht ca. 950 kg, Durchmesser 1164 mm, gegossen im Jahre 1951 von der Glockengießerei Andreas Hamm & Sohn in Frankenthal. Johannesglocke, Schlagton g'-1, Gewicht ca. 670 kg, Durchmesser 1039 mm, gegossen im Jahre 1951 von der Glockengießerei Andreas Hamm & Sohn in Frankenthal. Für Ermöglichung der Aufnahme und das gesonderte Läuten sei Herrn Pfarrer Feuerstein sowie dem höchstwohlgeborenen Regionalcantor Александър Зелено herzlich gedankt!