Wie Russlands Geheimdienste die Paten der Unterwelt brachen und die kriminelle Welt übernahmen

Um diesen Plan umzusetzen, erhielt die Strafvollzugsbehörde von Krasnojarsk den Auftrag, eine Spezialeinheit aufzustellen. Neben dem eigenen Personal holte man die besten Offiziere der FSB-Zentrale hinzu. Es heißt, die Qualifikation dieser Spezialisten sei so hoch gewesen, dass mancher von ihnen selbst Anspruch auf die Diebeskrone hätte erheben können, wäre da nicht seine Akte als Staatsdiener gewesen. So tief steckten sie in den ungeschriebenen Regeln und Codes der Diebeswelt, als hätten sie selbst Jahrzehnte hinter Gittern verbracht. Kein Wunder, denn man hatte gezielt Männer rekrutiert, die ihr gesamtes Berufsleben der Bekämpfung der kriminellen Hierarchie des Landes gewidmet hatten und dabei erhebliche Erfolge erzielt hatten. Sie kannten die Feinheiten dieser Welt von innen. Dieser Einheit wurde freie Hand gegeben, die kriminelle Subkultur zu zerschlagen, an deren Spitze die Diebe im Gesetz standen. Mit anderen Worten, der Staat gab grünes Licht für alles, was folgen sollte. Und die Maschinerie des Systems begann, ihre Aufgabe ohne jede Rücksicht zu erfüllen. In der Strafvollzugsbehörde von Krasnojarsk wurden eigene Zellen eingerichtet, ausschließlich für die Anwerbung und gezielte Entzweiung von Dieben im Gesetz. Die Beamten dieser Einheit arbeiteten mit den Werkzeugen des einundzwanzigsten Jahrhunderts. Man holte Spezialisten in die Abteilung, die mit Bildbearbeitungsprogrammen und Videoschnittsoftware umzugehen wussten. Sie fälschten meisterhaft die Stimmen krimineller Autoritäten auf Tonaufnahmen, montierten passende Videobilder, unterschrieben belastende Dokumente im Namen statushoher Diebe, ohne dass diese je davon wussten. Danach begann man, Diebe im Gesetz aus dem ganzen Land in die Stadt Minussinsk und in die Gefängnisse der Region Krasnojarsk zu verlegen. Mit ihnen wurde hart und systematisch gearbeitet, mit einem einzigen Ziel: ihre Unterschrift unter ein Dokument zur Zusammenarbeit mit dem Staat zu bekommen. Wer sich weigerte, dem drohte man, gefilmtes Material seiner Erniedrigung über das Gefängnisfernsehen in den Straflagern und Gefängnissen ganz Russlands auszustrahlen. Schon vorher hatte die Strafvollzugsbehörde in zahlreichen Haftanstalten ein eigenes Kabelfernsehnetz aufgebaut, offiziell für patriotische Filme und Verhaltensregeln für Gefangene. Erst jetzt wurde klar, wofür dieses Netz tatsächlich gedacht war. Über dieses Gefängnisfernsehen ließ sich jede Fälschung ausstrahlen, und niemand würde je für die Unwahrheit des Materials zur Rechenschaft gezogen werden.