Wie sprechen wir über Zukunft? (Grammatik in der Schule | SoSe 2026)

#TelekollegLinguistik #TUDresden #OER ═ Inhalt ═ In dieser Vorlesung widmen wir uns der Frage, wie im Deutschen sprachlich Zukunft konzeptualisiert wird. Das „Futur“ jedenfalls als reine grammatische Zeitform aus werden + Infinitiv ist weder theoretisch noch analytisch zu halten. Denn neben dieser Form wird Nachzeitigkeit vielmehr auch durch ein komplexes Zusammenspiel aus der unmarkierten Gegenwartsform (Präsens), Temporaladverbialien (morgen, bald) sowie der Aktionsart der verwendeten Verben (telische Verben) hergestellt. Anhand von Beispielen aus traditionellen Schulmaterialien (OER-Plattformen) und Korpusdaten wird aufgezeigt, dass die Struktur werden + Infinitiv primär der Faktizitätsmarkierung dient (Ausdruck von Ungewissheit oder Vermutung). Die Vorlesung plädiert für einen konstruktionsgrammatischen und empirischen Ansatz im Deutschunterricht, der Schülern die tatsächliche Komplexität von Sprache abseits eines starren Tempussystems vermittelt. ═ Gliederung ═ [00:00:02] Begrüßung und Einleitung [00:01:17] Das Futur im Kontext der Vorlesung und in der linguistischen Fachdiskussion Warum Nachzeitigkeit sprachlich schwerer greifbar ist als Gegenwart und Vergangenheit Tempora nach Ulrich Engel (1996): Präsens und Präteritum [04:48] Perspektive der IDS-Grammatik: Konzeption von Nachzeitigkeit als komplexes Phänomen [00:12:41] kritische Analyse von Schulmaterialien (OER-Materialien): Futur vereinfacht als eine von „sechs Zeitformen“ [00:17:40] [00:25:30] Konstruktionsgrammatische Ansätze zur Beschreibung von Mustern, die Nachzeitigkeit bedeuten Analyse eines Korpusbeispiels aus Goethes Faust: Konstruktion von Nachzeitigkeit durch Etablierung mentaler Räume, Darstellung von FIgurenkonstellationen, lokaler wie temporaler Verortung [00:25:30] Aspekt und die Aktionsart von Verben [00:33:07] Forschungsergebnisse zu Futurkonstruktionen: Futurizität und Aktionsart [00:40:21] Analyse von Korpusdaten [00:49:16] Sonderfall: Analyse einer komplexen Textpassage („Wir werden ja sehen...“), bei der der Erzähler im Präsens die "vierte Wand" durchbricht und das Publikum adressiert und mit der Grenze zwischen Modaliät und Futurizität spielt [01:05:22] Zusammenfassung. Oder: Warum es 'die' Futurkonstruktion nicht gibt [01:12:07] [01:18:31] Fazit und didaktische Empfehlungen für die Schule ═ Informationen zum Kurs ═ Information & Material: https://www.gls-dresden.de/2026/03/08... Worksheet zur Vorlesung: https://docs.google.com/document/d/1N... Präsentation (*.pdf): Alexander Lasch. 2026. Grammatik in der Schule. Zenodo. DOI: https://doi.org/10.5281/zenodo.19236685. ═ Social Media ═ https://linktr.ee/alexanderlasch