Bergen/Rügen (VR) - Glocken der Marienkirche

Glocken der ev. Marienkirche zu Bergen auf Rügen Die vorpommersche Stadt Bergen liegt im Zentrum der Ostseeinsel Rügen. Mit der Marienkirche besitzt sie eines der ältesten erhaltenen Bauwerke der Insel. Der Ursprung des Gotteshauses reicht bis in das späte 12. Jahrhundert zurück, als unter Fürst Jaromar I. mit dem Bau einer romanischen Basilika begonnen wurde. Seit 1193 diente die Kirche zunächst einem Benediktinerinnenkloster, später einem Zisterzienserinnenkonvent und seit dem späten 14. Jahrhundert zugleich als Pfarrkirche. Im Laufe des 14. Jahrhunderts erhielt der Bau wesentliche Erweiterungen im Stil der Gotik, die das Erscheinungsbild der Kirche bis heute prägen. Aus dieser Zeit stammt auch das reich verzierte Taufbecken. Große kunsthistorische Bedeutung besitzen zudem die romanischen Wandmalereien. Sie wurden um die Wende zum 20. Jahrhundert restauriert und dabei umfangreich ergänzt. Der barocke Altar von 1730 und die Kanzel aus dem Jahr 1776 prägen den Innenraum bis heute. Die Orgel wurde 1909 von Felix Grüneberg hinter einem historischen Prospekt erbaut. Ebenso bemerkenswert wie der Kirchenraum ist das Geläut der Marienkirche. Alle drei Glocken überstanden beide Weltkriege unbeschadet und bilden heute das einzige vollständig erhaltene historische Bronzegeläut auf Rügen. Die älteste und zugleich größte Glocke wurde 1445 von einem unbekannten Gießer geschaffen; möglicherweise stammt sie von Hans Giese I. aus Stralsund. Aufgrund ihrer besonders schweren Rippe erklingt sie jedoch nicht als tiefste, sondern als mittlere Glocke des Geläuts. Die tontiefste Glocke hängt im südlichen Stuhlfeld und wurde 1849 von Simon Zach in Stralsund gegossen. Sie gilt zugleich als größte erhaltene Glocke dieses Gießers. Entstanden ist sie durch den Umguss einer Glocke aus dem Jahr 1554, die ursprünglich Hans Koler aus Stralsund gefertigt hatte. Die kleinste Glocke entstand zehn Jahre später in der Werkstatt Eduard Zachs, des Sohnes von Simon Zach und zugleich des letzten Glockengießers Stralsunds. Auch sie wurde aus einer älteren Glocke umgegossen, die Hans Thurmann 1594 in Stralsund geschaffen hatte. Damit ist die Marienkirche in Bergen die einzige Kirche, in der Glocken von Vater und Sohn Zach gemeinsam in einem Turm erhalten geblieben sind. Die beiden tonhöheren Glocken dienen zudem dem Uhrschlag. GLOCKE III b'-7 | 846 mm | 1859 | Eduard Zach (Stralsund) GLOCKE II ges'±0 | 1345 mm | 1445 | unbekannt GLOCKE I es'-4 | 1281 mm | 1849 | Simon Zach (Stralsund) 00:19 Glocke III 02:26 Glocke II 05:15 Glocke I 08:02 Uhrschlag und Mittagsgeläut 14:43 Vollgeläut Ich bedanke mich herzlich bei Pastorin Friederike Tauscher für die Ermöglichung der Dokumentation. QUELLEN Eigene Sichtung Dehio, Georg: Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler. Mecklenburg-Vorpommern. 2. Auflage. Berlin, 2016. Haselberg, Ernst von: Die Baudenkmäler des Regierungs-Bezirks Stralsund. Heft IV. Der Kreis Rügen. Stettin, 1897. Möller, Friedrich: Stralsunder Glockenguß. In: Jahrbuch für Glockenkunde. 19. – 20. Band 2007/2008. Wetzlar, 2007. WEITERFÜHRENDE LINKS Instagram-Seite von Glocken im Norden:   / glocken_im_norden   Instagram-Seite von Kirchen im Norden:   / kirchen_im_norden   Instagram-Seite von Orgeln im Norden:   / orgeln_im_norden   YouTube-Kanal von Orgeln im Norden:    / @orgelnimnorden