Gaito Gasdanow: «Ein Abend bei Claire»

Kaffeespenden willkommen: https://ko-fi.com/literaturnews Gaito Gasdanow (1903-1971) gehört zu den begnadetsten – und vergessensten – Autoren des russischen Exilantentums, das sich in den 20er Jahren vor allem in Paris tummelte. Dort schlug sich Gasdanow mit Gelegenheitsarbeiten durch, bis ihm mit "Ein Abend bei Claire" in der russischen Exilszene der Durchbruch gelang. Sein Roman– 26jährig geschrieben – handelt von der Liebe des halbwüchsigen Kolja zur drei Jahre älteren Claire, die für ihn zum Sinnbild allen irdischen Begehrens wird. Nachdem er sich in die Kämpfe des russischen Bürgerkriegs verwickelt hat, muss er fliehen. Und steuert Paris an, wo er hofft, die Geliebte seiner Jugendjahre wiederzufinden – mit Erfolg. Gasdanows Romandebüt ist bis heute der beliebteste unter den insgesamt neun Romanen, vor allem bei russischen Lesern; beschwört er doch auch in poetisch-leuchtender Weise eine untergegangene Welt herauf: das präsowjetische Russland. Zugleich ist es das Sehnsüchtigste, Wehmütigste, vielleicht Tiefstempfundene, das Gasdanow je schrieb. Aufgenommen wurde die Rezension im Pötzleinsdorfer Schlosspark in Wien.