Glocken des Läutturmes in Büchold

In der Ortsmitte von Büchold steht der sogenannte Läutturm. Er ist das letzte sichtbare Zeugnis der ehemaligen Pfarrkirche St. Johannes der Täufer, die sich einst an dieser Stelle befand. Der Bau dieser Pfarrkirche dürfte in die Zeit nach dem Erwerb des Bücholder Burggutes durch den Johanniterorden im Jahr 1299 fallen. Zwar sind wir über die Gestalt der Kirche nicht genauer unterrichtet, im Verlauf des 18. Jahrhundert wurde sie aber immer wieder als baufällig beschrieben - und die Mittel zu einer Instandsetzung fehlten. Aus diesem Grund wurde ab 1787 die oberhalb des Dorfes gelegene Bruderschaftskirche St. Nikolaus und Mariä Heimsuchung als Pfarrkirche genutzt. Die eigentliche Pfarrkirche im Ortskern hatte man schließlich 1796 bis auf die Grundmauern abgebrochen, ihre Ausstattung verkauft oder eingelagert. Vorübergehend deponiert wurden auch die beiden Glocken der alten Pfarrkirche: Sie wurden beide 1448 von Conrad Gnoczhamer in Nürnberg gegossen. Spätere Pläne im Ortszentrum eine neue Pfarrkirche zu errichten, scheiterten letztlich an den nach wie vor beschränkten finanziellen Möglichkeiten. Mit dem Abriss der Kirche verschwanden auch ihr Turm und damit das Glockenläuten aus dem Ortszentrum. Im Brandfall stellte dies ein erhebliches Problem dar, denn zunächst musste jemand den weiten Weg hinauf zur Nikolauskirche zurücklegen, um Alarm zu schlagen. Im Jahr 1826 beschloss die Gemeinde Büchold den Bau eines Glockenturms über den Grundmauern der alten Pfarrkirche. Der Bau wurde teilweise aus den Steinen der abgebrochenen Pfarrkirche errichtet und mit einem Fachwerkaufsatz zur Aufnahme der Glockenstube versehen. In den neuen Turm wurden zunächst die beiden im Jahr 1448 gegossenen Glocken der ehemaligen Pfarrkirche übernommen - sie sind das letzte Zeugnis der ehemaligen Pfarrkirche in der Ortsmitte. Bereits 1833 hatte man dieses Geläute noch um eine große Glocke ergänzt. Der Erste Weltkrieg bedeutete einen tiefen Einschnitt in die Geschichte des Geläutes. Die große Glocke von 1833 musste für Kriegszwecke abgegeben und eingeschmolzen werden. Im Jahr 1925 wurden die beiden historischen Glocken von 1448 an die Diözese abgegeben und befinden sich heute in der Spitalkirche in Gerolzhofen. Der Läutturm erhielt 1925 ein vollständig neues, dreistimmiges Geläute der Glockengießerei Klaus aus Heidingsfeld. Die Namensgebung der Glocken von 1925 geht auf die beiden Adelsgeschlechter zurück, welche die Geschichte Bücholds über Jahrhunderte maßgeblich prägten – zunächst die Herren von Thüngen, später die Herren von Echter. Doch blieb das Geläute nicht lange beisammen. Die beiden kleineren Glocken mussten 1942 für die Rüstungsindustrie abgeliefert werden. Lediglich die große Glocke verblieb aufgrund ihrer "Alarmfunktion" als Läuteglocke im Turm. Nach Kriegsende kehrte 1947 die kleinste der Klaus-Glocken wieder nach Büchold zurück. Im Jahr 1952 wurde für die verlorene mittlere Glocke und zum Andenken an die Gefallenen der beiden Weltkriege eine neue Glocke gegossen. Noch im frühen 20. Jahrhundert wurden die Glocken neben dem täglichen Geläute zur Benachrichtigung der Einwohner bei Brand oder besonderen wichtigen Ereignissen genutzt. Heute erklingen die Glocken des Läutturms wie folgt: Zu den Gebetszeiten wird drei Mal täglich die mittlere Glocke geläutet, von Montag bis Samstag um 11 Uhr läutet die kleine sowie freitags um 15 Uhr die große Glocke. Am Vortag von Sonn- und Feiertagen um 14 Uhr sowie zu besonderen Anlässen erklingen alle drei Glocken. Zusätzlich verkünden die Glocken bis heute den Todesfall eines Ortsbewohners. Seit 200 Jahren erfüllt der Bücholder Läutturm nun seine Aufgabe als akustisches Wahrzeichen des Dorfes - parallel zum Geläute in der Pfarrkirche    • Büchold (MSP) Glocken der kath. Pfarrkirch...   Musikalische und technische Daten der Glocken Gesamtdisposition: a'-cis''-e'' I. Echter, Schlagton: a'-2 (Zinnbronze) Gewicht: 355 kg, Durchmesser: 913 mm Gießer: Gebr. Klaus, Heidingsfeld, Gußjahr: 1925. II. Gefallenen- und Vermissten, Schlagton: c''+6 (Sonderbronze) Gewicht: 190 kg, Durchmesser: 750 mm Gießer: Albert Junker, Brilon, Gußjahr: 1952. III. Thüngen, Ton: e''+5 (Zinnbronze) Gewicht: 105 kg, Durchmesser: 598 mm Gießer: Gebr. Klaus, Heidingsfeld, Gußjahr: 1925. Der Gemeinde Büchold viel Freude mit dieser kurzen Dokumentation anlässlich des 200-jährigen Jubiläums ihres Läutturmes! Einzelnachweise: [1] Inventarisation der Glocken durch Ben Schröder und Nicolas Kehl am 2. Oktober 2020. [2] Kehl, Nicolas: Die Glocken des Bücholder Läutturmes, unveröffentlichte Notizen. [3] BayHStA Abt. IV Kriegsarchiv, MKr 13212, Bezirksamt Karlstadt. [4] Übersichts-Tabelle über Ton, Grösse und Gewicht der Glocken von Anton Klaus, Glockengiesser in Heidingsfeld a. M. (Privatbesitz Ben Schröder). Text, Ton und Bild: Ben Schröder. #Glocken