Nicole Melanie Goll: Fighting a gentlemen’s war? Zur Konstruktion des Bildes des Luftkriegs ...
Nicole Melanie Goll von der Universität Graz referierte am 17. Juni 2015 im Rahmen der Ringvorlesung „Der Erste Weltkrieg in internationaler und regionaler Perspektive - Der italienische Kriegseintritt und seine Folgen“ an der Universität Innsbruck. Der Erste Weltkrieg als „Massenkrieg“ zog in mehrerlei Hinsicht starke Veränderungen in der Kriegführung, der Kriegstechnik aber auch der Auffassung von Krieg nach sich. Mit dem Luftraum entwickelte sich dabei ein neues Schlachtfeld, das – bald von allen kriegführenden Nationen genutzt – zu einem Gegenpol zum Massensterben in den Schützengräben am Boden hochstilisiert wurde. Hier schien ein „sauberer“, „ritterlicher“ Krieg zumindest in den offiziellen Darstellungen noch einmal möglich. Um dieses Bild zu stärken, wurden spezifisch männliche Heldenfiguren geschaffen – Personen, die wie etwa Manfred von Richthofen („Roter Baron“) unglaubliche Popularitätswerte erreichten und noch heute, 100 Jahre nach Ausbruch des Ersten Weltkrieges, jedem Kind bekannt sind. Auch die österreichisch-ungarische Monarchie zog mit Luftfahrtruppen in den „Großen Krieg“, wenngleich diesen lediglich eine untergeordnete Rolle in der Kriegführung zugestanden wurde. Wie verheerend diese Einschätzung sein sollte, zeigte sich spätestens mit dem Kriegseintritt Italiens. An der Südwestfront standen den österreichisch-ungarischen Luftfahrtruppen nicht nur gut ausgebildete und ausgerüstete Fliegerkräfte westlicher Industriestaaten gegenüber, sondern die Kämpfe verlagerten sich mit Erstarren der Fronten zunehmend den Luftraum, der zusehends an Bedeutung gewann und mit ihm auch seine Protagonisten: die Flieger. Auch in Österreich-Ungarn führte dies zur Schaffung von „Fliegerhelden“, deren Konstruktion eng an deutsche Vorbilder angelehnt war. So wurde denn auch an der Isonzo-Front ein „Roter Baron“ installiert. Die Funktionsweisen dieser Heldenfiguren waren jedoch gänzlich andere, da auch die Umfeldbedingungen, Ausrichtungen und Absichten unterschiedlich waren. Der Vortrag zeichnet die unterschiedlichen Entwicklungslinien nach und fragt u.a.: Wie manifestiert sich der Luftkrieg im Ersten Weltkrieg? Welche Bilder des Luftkrieges wurden konstruiert bzw. transportiert? Von wem und zu welchem Zwecke? Waren diese Bilder Veränderungen unterworfen? Was entspricht der Realität, was ist Fiktion? Und welche Funktion hatten gerade Heldenkonstruktionen in der neu aufgebauten Luftkriegsführung?

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