Marlis Bredehorst

Marlis Bredehorst war eine kritische Juristin. Sie wirkte als Staatssekretärin im NRW-Gesundheitsministerium, wurde als erste grüne Beigeordnete Kölns berufen; sie galt als streitbare Feministin in der Queer Szene wie in der Kirchenleitung der Evangelischen Kirche im Rheinland. Am 11. Oktober 2020 ist Marlis Bredehorst verstorben. Noch Ende Juli 2020 gab die engagierte Politikerin und Juristin ihre Einwilligung zu einem Interview für den Kölner Frauengeschichtsverein im Rahmen der Serie „Zeitzeuginnen“. Dies war ein Glücksfall, denn so können wir sie heute noch einmal in diesem Video erleben: als sehr zugewandte, starke Frau, offen und kämpferisch, und als eine Frau, die auf beeindruckende Weise mit sich im Reinen zu sein scheint. In erster Linie war Marlis Bredehorst eine Macherin, die hervorragend ‚Netzwerken‘ konnte und so manches Projekt auf die Beine stellte. Und eine Frau, die als offen lesbische Feministin den Weg durch die Institutionen gewagt hat. „Ich wollte ja was bewegen, mitgestalten.“ Bundesweit bekannt geworden ist sie nicht zuletzt durch ihr öffentliches Coming out als lesbische Mutter. Das Outing war ein bewusster Schritt, von Marlis Bredehorst und ihrer Lebensgefährtin, der Pfarrerin Eli Wolf, um der Boulevardpresse zuvorzukommen. Die beiden Frauen waren seit 2002 verpartnert, seit 2017 verheiratet. 2012 wurde ihr Sohn geboren, 2015 die Tochter. In Frankfurt, wo Eli Wolf damals tätig war, titelte die Bild-Zeitung „Lesbische Pfarrerin kriegt Baby mit Politikerin“, in Köln hieß die Schlagzeile: „Lesbische Politikerin krieg Kind mit Pfarrerin“. Ihr öffentliches Coming out hat beiden Frauen viel Respekt eingetragen, und das nicht nur in der Community der Regenbogenfamilien. Was weniger bekannt ist: Marlis Bredehorst, die mit Leidenschaft Querflöte spielte, hat auch auf dem musikalischen Gebiet viel bewegt, etwa als Mitinitiatorin des Frauenmusikzentrums Hamburg. Außerdem hat die begeisterte Wintersportlerin über viele Jahre Frauen-Ski-Reisen organisiert. Marlis Bredehorst hat lange Zeit mutig und mit viel Zuversicht gegen ihre Krebserkrankung angekämpft. Wie sagt sie am Ende dieses Interviews auf die Frage, ob sie ein Fazit ziehen könne aus ihrem Leben, das in allen Phasen, auch im Privaten, immer politisch war? „Ich bedauere sehr, dass ich unsere Kinder nicht aufwachsen sehen kann. Aber ansonsten bin ich mit meinem Leben total zufrieden. Ich habe viel erreicht.“ Interview: Monika Mengel, Kamera: Claudia Meyer, Schnitt: Richard Hofer Reaktion: Gabriela Schaaf Eine Produktion des Kölner Frauengeschichtsvereins. Aufnahme: 27.07.2020 in Köln