Reichenbach/Oberlausitz (GR): altes Geläut der evang. Stadtkirche St. Johannes

Ich stelle heute das (derzeitige) Geläut der evangelischen Stadtkirche St. Johannes in Reichenbach/Oberlausitz, 10 km westlich von Görlitz gelegen, vor. Mit der Gründung der Stadt Reichenbach im 12. Jahrhundert wurde wahrscheinlich auch die erste Kirche erbaut. 1346 wird Reichenbach schon als Sitz eines erzpriesterlichen Stuhles genannt. Aufgrund eines Husstiteneinfalls 1430/31 wurde sie 1434 teilweise um- & neugebaut. 1629 brennt der Kirchturm ab, konnte aber bis 1646 nicht wiederaufgebaut werden. Infolge eines Stadtbrandes 1670, bei dem auch die Kirche abbrannte, entstand im Rahmen des Wiederaufbaus die heutige Gestalt des Gotteshauses. Spuren der Funktion als Wehrkirche blieben erhalten, so z.B. der mächtige Turm mit den sehr hoch gelegenen Fenstern. Dieser wurde 1756 um einige Ellen erhöht und eine Haube aufgesetzt. 1887-1888 ist der Innenraum umfangreich renoviert worden, so wurden die Wände verputzt und neu gestrichen und das Gestühl durch ein neugotisches ersetzt. Im Zuge des Wiederaufbaues 1674 gelangten die auch heute noch prägenden Ausstattungsstücke in die Kirche. Der barocke Altar ist 1685 entstanden und dreiteilig aufgebaut. Das Zentralbild zeigt die Kreuzigung Jesu. Ebenfalls von 1685 stammt die prächtige Kanzel, auch wenn sie ihre Vergoldung erst 1888 erhielt. Der Kanzelkorb zeigt die vier Evangelisten. Ebenso aus dieser Zeit stammt die Patronatsloge und das Ratsherrengestühl. Die vier Epitaphien an Nord- & Südwand des Chores sind allesamt im 18. Jahrhundert entstanden und erinnern an den Kirchenstifter, seine Gemahlin und an seinen Sohn und deren Gemahlin. Die Orgel ist 1865/66 durch den Orgelbauer Friedrich Ladegast gebaut worden. Es handelt sich um eine Schleifladenorgel mit 2 Manualen, 17 Registern und Pedal. 1935 wurde sie durch Orgelbau Eule umgebaut, konnte aber 1999 durch die Firma Jehmlich aus Dresden wieder in ihren Originalzustand versetzt werden. Die vorhandenen Glocken gingen bei den Bränden 1629 & 1670 zu Grunde. Nach und nach beschaffte die Gemeinde neue Glocken. 1672 wurde eine große Glocke durch Andreas Herold gegossen. 1728 folgte eine kleine. Erst 1755 wurde eine mittlere Glocke angeschafft. Bei den beiden Glocken können die Gießer nicht zweifelsfrei genannt werden. Die mittlere zersprang schon 1800, weshalb 1833 alle drei Glocken eingeschmolzen wurden und ein neues größeres Dreiergeläut von Friedrich Gruhl aus Kleinwelka an dessen Stelle trat. Sie erklangen in einem Des-Durdreiklang und zeigten Reliefs von Christus, Luther & Melanchthon. Im ersten Weltkrieg konnte das Geläut, aufgrund seines schönen Klanges, auf dem Turm verbleiben.1942 allerdings musste das komplette Geläut für die Rüstungsindustrie abgegeben werden (02:49). Nur die mittlere konnte nach Kriegsende zurückgeholt werden. Die anderen sind eingeschmolzen worden. Ergänzt wird sie heute durch zwei 1955/56 erworbene Klangkörper. 1955 erwarb die Gemeinde eine kleine Bronzeglocke aus Weißwasser. 1956 wurde die neue „große“ Christusglocke aus Eisenhartguss in Morgenröthe-Rautenkranz gegossen (06:16). Beide Glocken wurden am 7./.8. Juli 1956 auf den Turm gezogen. Alle Glocken hängen an verkröpften Stahljochen im Holzglockenstuhl von 1674, welche den Klang leider sehr beeinträchtigen. Seit 2022 läuft eine Kampagne zur Erneuerung des Geläuts. Der historische Holzglockenstuhl ist sanierungsbedürftig, zudem muss die Lutherglocke geschont werden. Im Zuge dieser Maßnahmen sollen die Eisenglocke sowie die kleine Bronzeglocke aus Weißwasser ausgetauscht werden. Die Eisenglocke soll auf dem Kirchenvorplatz aufgestellt, die Voß-Glocke an eine Gemeinde in Polen verschenkt werden. An ihre Stelle sollen zwei neue Bronzeglocken treten, welche in des' und as' die Lutherglocke ergänzen. Zusätzlich sollen sie, wie die Lutherglocke, in Untermollsextrippe gegossen werden. Bis zum 350-jährigen Kirchweihjubiläum 2024 soll das neue Geläut in Betrieb sein. Die Glocken: Motiv: f'-g'-b' (Gloria-Motiv) Die Aufzeichnung von Inschriften und Zier befindet sich im angepinnten Kommentar! Glocke 1 / Lutherglocke / Bronze / f' -4 / 1833 / Friedrich Gruhl, Kleinwelka / 656 kg / 1185 mm Glocke 2 / Christusglocke / Eisenhartguss / g' -6 / 1955 / Schilling & Lattermann, Morgenröthe-Rautenkranz / 920 kg / 1275 mm Glocke 3 / Bronze / b' +7,5 / 1921 / C. Voss & Sohn, Stettin / 250 kg / 810 mm Zur Aufnahme: Die Außenaufnahme entstand 22.01.2023 um 10:20 Uhr zum Sonntagsgottesdienst. Die Aufnahme des Uhrenschlags entstand am 06.07.2019. Die Innenaufnahmen entstanden gesondert am 29.12.2022. 0:00 – Bilderstrecke mit Außenaufnahme 2:34 – Uhrschlag 3:01 – Bilder Gl. 3 4:00 – Läuten Gl. 3 5:45 – Bilder Gl. 2 6:29 – Läuten Gl. 2 8:39 – Bilder Gl. 1 9:45 – Läuten Gl. 1 13:18 - Vollgeläut Ein herzlicher Dank geht an die Kirchengemeinde für die Ermöglichung der Aufnahmen. Quellen: eigene Bilder, eigene Sichtung Website der KG: http://www.ev-kirche-reichenbach-meus... Projekttagebuch: https://neueglocken.de/