Fundamentaltheologie Plus - Ep 1.4.1.8. Thomas von Aquin - Die Quinque Viae IV - Gradualität
Der 4. Weg, der für moderne Leser vielleicht der schwierigste ist, beruft sich auf Gradualität. Hier ist das Argument: Die erste Prämisse könnte man so formulieren: Dinge in der Welt unterscheiden sich. Die zweite Prämisse ist, dass diese Unterscheidung einer gewissen Gradualität unterliegt. Dinge werden als Gut oder weniger Gut eingeordnet; als vollkommener oder unvollkommener; als wahrer oder weniger wahr, als nobel oder weniger nobel. Prämisse 3: Wir erkennen Qualitäten wie Gut oder weniger Gut im Hinblick auf ein Maximum, So wie man von einem Ding sagt, dass es wärmer oder kälter ist, je nachdem ob es dem Heißesten – Feuer – näher kommt oder nicht. Schlussfolgerung: Es ist daher einleuchtend, dass es etwas gibt, dass das Wahrste, das Beste, das Edelste ist – und ein absolutes, uneingeschränktes, maximales Sein. Denn die Dinge, die in der Wahrheit am größten sind, sind auch im Sein am größten. Das Höchste einer Gattung ist nun die Ursache aller jener Dinge Gattungen; so wie das Feuer, das die größte Hitze besitzt, die Ursache aller heißen Dinge ist. Daher muß es auch etwas geben, das für alle Seienden die Ursache ihres Seins, ihrer Güte und jeder anderen Vollkommenheit ist; und das nennen wir Gott. Der erste Schritt in der Schlussfolgerung wirft eine Frage auf. Ist der vierte Weg am Ende gar kein metaphysischer Beweis, sondern eine probabilistische Behauptung. Denn – wenn auch einleuchtend – logisch zwingend scheint die Existenz eines Maximums ja nicht. Auch die 3. Prämisse ist in Anbetracht des von Thomas verwendeten Beispiels zu hinterfragen. Er illustriert sie mit der Tatsache, dass etwas „mehr oder weniger heiß“ sein kann, und er bezeichnet Feuer das Maximum. Kann dies jedoch von Feuer behauptet werden? Gibt es überhaupt etwas mit einem Temperaturmaximum? Und was ist dann mit anderen Qualitäten. Nicht von ungefähr meint Dawkins spöttisch:“ Ok, Thomas. Leute varieren in vielen Dingen. Sie varieren auch in ihrem Gestank. Gibt es dann also einen maximalen Stinker? Einen Stinker den man wegen des Maximums Gott nennt?“ Das ist absurd. Oder impliziert das Argument gar eine problematische „aktuale Unendlichkeit“? Folgt also aus der Tatsache, dass Leute größer oder kleiner sind, dass es einen unendlich großen Typen geben muss? Doch wie kann es einen real existierenden – sprich: grundsätzlich messbaren - Typen geben, der nicht vom Prinzip her von einem anderen quantitativ übertroffen werden könnte?

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