Kunstmuseum Bonn – Menschheitsdämmerung

Kunstmuseum Bonn – Menschheitsdämmerung mit Prof. Dr. Stephan Berg & Dr. Stefanie Kreuzer Kunstpodcast Die Leichtigkeit der Kunst Hinweis: Diese Episode entstand in Zusammenarbeit mit der Stiftung Kunst, Kultur und Soziales der Sparda-Bank West. Umbrüche haben eine eigene Sprache. Man spürt sie in Nachrichten, in Gesprächen, in der Stimmung einer Zeit. Oft sind sie zuerst da – lange bevor sie als „historischer Einschnitt“ benannt werden. Die Ausstellung „Menschheitsdämmerung – Kunst in Umbruchzeiten“ im Kunstmuseum Bonn setzt genau hier an. Sie bringt künstlerische Positionen des 20. Jahrhunderts mit zeitgenössischen Arbeiten in Beziehung – und stellt die Frage, wie Kunst auf Krisen, Brüche und gesellschaftliche Verschiebungen reagiert. Nicht als Kommentar, sondern als Form. Als Bild. Als Setzung. Diese Folge führt in die Räume des Kunstmuseum Bonn – und in ein Gespräch, das sich Zeit nimmt: für historische Linien, für kuratorische Entscheidungen und für die Beobachtung, wie sehr Gegenwart und Vergangenheit einander spiegeln können. Zu Gast sind Prof. Dr. Stephan Berg, Direktor des Kunstmuseum Bonn, und Dr. Stefanie Kreuzer, Kuratorin der Ausstellung sowie Direktorin des Kunstmuseums Mülheim an der Ruhr. Kunstmuseum Bonn: Ein Haus für Gegenwart mit Geschichte Das Kunstmuseum Bonn gehört zu den Institutionen, die Kunst nicht als Ornament verstehen, sondern als Teil gesellschaftlicher Wirklichkeit. Im Gespräch wird deutlich, wie stark sich die Arbeit des Hauses aus einer doppelten Bewegung speist: aus der Verantwortung für Sammlungsbestände – und aus der Aufgabe, Gegenwart sichtbar zu halten. Stephan Berg spricht über die Rolle des Museums als öffentlicher Ort: als Raum, in dem Kunst nicht beruhigt, sondern Wahrnehmung öffnet. Und als Ort, der sich die Frage stellen muss, wie sich historische Werke heute lesen lassen, ohne sie zu musealisieren. Menschheitsdämmerung: Kunst in Umbruchzeiten Der Titel der Ausstellung trägt bereits eine Spannung in sich. „Menschheitsdämmerung“ ist keine neutrale Formulierung. Er verweist auf Endzeitstimmungen, auf politische und gesellschaftliche Erschütterungen – und auf die Erfahrung, dass Umbrüche sich oft zuerst als diffuse Atmosphäre zeigen. Dr. Stefanie Kreuzer beschreibt die Ausstellung als eine kuratorische Konstellation: nicht chronologisch, sondern dialogisch. Arbeiten aus dem frühen 20. Jahrhundert stehen neben zeitgenössischen Positionen. Nicht, um Gleichsetzungen zu erzwingen, sondern um zu zeigen, wie unterschiedlich Kunst auf Krisen reagiert – und wie stark sich bestimmte Fragen durchziehen. Gedichte, Bilder, Zeitdiagnosen In der Ausstellung spielen auch literarische Bezugspunkte eine Rolle. Der expressionistische Ton, die Verdichtung, die Überforderung – all das ist Teil einer Zeit, die sich selbst als brüchig erlebt. Im Gespräch wird deutlich, wie wichtig diese Verbindung zwischen Literatur und bildender Kunst für das Verständnis der Ausstellung ist. Gleichzeitig bleibt der Blick klar: Es geht nicht um Dramatisierung. Es geht um eine Form von Gegenwartsdiagnose, die sich aus Bildern und künstlerischen Strategien heraus entwickelt. Kuratieren in Krisenzeiten: Verantwortung, Auswahl, Haltung Eine der stärksten Linien dieser Folge liegt in der Frage nach kuratorischer Verantwortung. Was wird gezeigt? Welche historischen Werke treten in Beziehung zu welchen zeitgenössischen Arbeiten? Und wie verändert sich eine Ausstellung, wenn sie nicht „über Kunst“ spricht, sondern über gesellschaftliche Zustände – über Angst, Überforderung, Wandel, Hoffnung? Stefanie Kreuzer spricht über Auswahlprozesse und darüber, wie Ausstellungstitel, Raumfolgen und Werkgruppen eine Erzählung erzeugen, ohne eine eindeutige Botschaft zu formulieren. Warum diese Folge weiter wirkt Auch wenn die Ausstellung zeitlich begrenzt war, bleibt das Thema aktuell. Umbruchzeiten sind kein Ausnahmezustand. Sie sind ein Teil der Gegenwart. Kunst wird hier nicht als Trostmittel verstanden, sondern als Möglichkeit, Komplexität auszuhalten – und Wahrnehmung zu schärfen. Diese Episode ist deshalb mehr als ein Ausstellungsbesuch. Sie ist ein Gespräch über die Frage, wie Institutionen heute arbeiten, wie kuratorische Entscheidungen gesellschaftlich wirken – und wie Kunst Geschichte nicht nur abbildet, sondern mitprägt. Stiftung Kunst, Kultur und Soziales der Sparda-Bank West Diese Episode entstand in Zusammenarbeit mit der Stiftung Kunst, Kultur und Soziales der Sparda-Bank West. Die Stiftung unterstützt Kulturprojekte in Nordrhein-Westfalen mit einem Fokus auf Teilhabe, Bildung und langfristige Sichtbarkeit. Gefördert werden Vorhaben, die kulturelle Orte stärken und neue Formate ermöglichen – in Museen, Institutionen und im öffentlichen Raum. Die Unterstützung dieser Folge macht es möglich, dass Ausstellungen und Themen über den Moment hinaus weiterwirken: als Gespräch, als Kontext und als Einladung, Kultur als Teil des eigenen Alltags wahrzunehmen. ...