Wolfskofen (Mintraching), die Glocken der kath. Kirche Mariä Himmelfahrt

Präsentiert wird eine Turmaufnahme des Geläutes der katholischen Kirche Mariä Himmelfahrt in Wolfskofen. Wolfskofen ist ein Ortsteil der Gemeinde Mintraching in der südlichen Oberpfalz und zählt ca. 200 Einwohner. Der kleine Ort wurde in der Zeit des Dritten Reiches im Jahr 1936 von der Reichsumsiedlungsgesellschaft erworben und an 25 Familien aus der ehemaligen Ortsgemeinde Pappenberg, welches ca. 70 Kilometer entfernt lag, vergeben. Die ehemalige Ortsgemeinde Pappenberg im Landkreis Neustadt/Waldnaab musste aufgrund der Erweiterung des Truppenübungsplatzes Grafenwörth aufgelöst werden. Der Ort besaß für seine Größe eine recht ansehnliche Wallfahrtskirche in romanischem und gotischen Stil. Der älteste Teil der Kirche war der Chor, welcher vermutlich aus der Zeit um 1200 stammte sowie der im 14. Jahrhundert errichtete Glockenturm. Im 15. Jahrhundert wurde die Kirche nach Osten hin erweitert. Heute sind von der Kirche nur noch Überreste vorhanden. Im Zuge der Bevölkerungsumsiedlung nach Wolfskofen im Jahr 1938 wurden allerdings die meisten Ausstattungsstücke der alten Kirche mit in die neue Heimat gebracht. Nach dem Abschluss der Umsiedlung wurde schließlich in Wolfskofen mit dem Bau einer neuen Pfarrkirche begonnen. Der Bau wurde als schlichte Saalkirche wurde von 1939 bis 1942 von Karl Schmidt Senior errichtet. Die Kirche ist wohl der einzige katholische Kirchenbau, der von der nationalsozialistischen Reichsregierung bezahlt worden ist. So wie die alte Pappenberger Kirche, erhielt auch die neue Kirche in Wolfskofen das Patrozinium Mariä Himmelfahrt und konnte am 29. Mai 1949 durch Michael Buchberger geweiht werden. Die mitgebrachte Ausstattung der alten Pappenberger wie z. B. Hoch- und Seitenaltäre wurden in der neuen Kirche aufgestellt. Ebenso brachte man die fünf Kirchenglocken der alten Kirche mit nach Wolfskofen und hängte diese im neuen Kirchturm wieder auf. Es handelt sich um ein weitestgehend mittelalterliches Glockenensemble aus dem 14. Jahrhundert. Nur die größte Glocke, ursprünglich gegossen im Jahr 1650 von Siegmund Arnold, musste nach starker Beschädigung im Jahr 1816 neu gegossen werden. Diese Glocke entging auch nicht der Abgabe im 2. Weltkrieg, kam aber nach Kriegsende wieder zurück. So hat sich bis heute das komplette alte Pappenberger Geläute in der Wolfskofener Kirche erhalten. Die vier großen Glocken bilden das Hauptgeläute, die kleinste und deutlich tonhöhere Glocke ist erst vor wenigen Jahren läutbar aufgehängt worden und läutet in der Regel nicht mit den anderen Glocken zusammen. Alle Glocken hängen in einem Holzglockenstuhl, die vier großen Glocken an Stahljochen mit Flugklöppeln und die kleinste an einem Holzjoch mit Gegengewichtsklöppel. Klanglich ist das Geläute ein absolutes Unikat. Es fällt schwer eine klare Tonfolge herauszuhören, dennoch ist das Geläute von extrem hohem Wiedererkennungswert. Während die mittelalterlichen Glocken teils etwas trocken klingen, was sicherlich auch den zu hoch anschlagenden Klöppeln geschuldet ist, fundamentiert die große Glocke mit weicher und dumpfer aber dennoch sehr beeindruckender Klangsprache und das, obwohl die Gussqualität mit Abstand die Schlechteste von allen Glocken ist und die Glocke durch die Kriegsabnahme noch zusätzlich in Mitleidenschaft gezogen wurde. Das Wolfskofener Geläute ist definitiv einmalig und zählt sicher zu den campanologisch spannendsten und wertvollsten Geläuten in der Region. GLOCKENDATEN: Glocke 1: g', Johann Ludwig Lösch/Bayreuth 1816, 990 kg, d= 1128 mm Glocke 2: b', unbezeichnet 14. Jahrhundert, ca. 500kg, d= 894 mm Glocke 3: d", unbezeichnet 14. Jahrhundert, ca. 250 kg, d= 712 mm Glocke 4: e", unbezeichnet 14. Jahrhundert, ca. 170 kg, d= 630 mm Glocke 5: e''', unbezeichnet vermutlich um 1400, ca. 28kg, d= 327 mm ABLAUF DES VIDEOS 0:00 Intro 0:15 Bilderpräsentation mit Stundenschlag & mittelalterliche Teilgeläute b' d" e" 3:02 Einzelglocken 3:15 Glocke 5 e''' 4:56 Glocke 4 e" 7:05 Glocke 3 d" 9:09 Glocke 2 b' 11:38 Glocke 1 g' 14:57 Vollgeläute 15:10 Gesamtgeläute g' b' d" e" e" 19:28 Hauptgeläute g' b' d" e" Diese Aufnahme entstand gesondert. Ich bedanke mich ganz herzlich bei Pfarrer Beck für die Genehmigung, tatkräftige Unterstützung und für die Ermöglichung der Aufnahmen sowie ‪@NicoShelly‬ für die Organisation, Unterstützung und das tolle, gemeinsame Wochenende!