Goliat: Unser "Krieger" verabschiedet sich

Mein geliebter Goliat, Du warst das Tier hier der 1. Stunde! Du begrüßtest am 11.11.2015 im Dunkeln Bella, als sie als 1. Tier vom Tierparadies MUHrielle vor Angst nicht aus dem Anhänger steigen wollte. Wer will das schon – in eine fremde Herde mit Highlandern, in einen fremden Stall, im Dunkeln abgeladen werden? Aber Du, lieber Goliat, warst Bellas kleines Licht an diesem so entscheidenden Abend – ein Abend, der mitentschied, dass noch weitere 111 Rinder und viele mehr in dieser Welt in Frieden alt werden dürfen. Du durftest nicht alt werden, aber wie ein Krieger mit so viel Würde gehen, wie man es sich nur wünschen kann. Es hat mich unheimlich viel Kraft gekostet, Dein Ende zu akzeptieren und Deine Würde zu bewahren, ohne in Trauer zu zerfließen. Was hätte ich gegeben, Dich – meinen geliebten "Rumbuff" – in unserer Familie behalten zu können.. Du lehntest alles ab. Mehrere Tierärzte schlossen sich zusammen, mit der Tierklinik wurde beraten, und Deine Medikamente wurden schließlich alle auf orale Verabreichung umgestellt. Dieser vorwurfsvolle Blick jedes Mal, wenn wir versuchten, sie Dir in die leckersten Sachen einzumischen, war eindeutig: Versuch es nicht wieder… Wir haben wirklich viel versucht, um Dir die Medikamente zu geben – in verschiedensten Varianten, mit Geduld und immer wieder neuen Ansätzen. Aber Du hast uns sehr klar gezeigt, wo Deine Grenze ist. Wenn Besucher Dich kennenlernten, sagte ich immer: Ohne Goliat ist es langweilig bei uns – natürlich mit einem Schmunzeln. Wenn es Dir zu bunt wurde, ranntest Du wie ein Rammbock los und schautest Dich danach immer verwundert um: War ich das? Goliat, Du erster Freund meiner Bella, der letzten Kuh meines Großvaters, bester Freund und „Bruder“ von Herden-Chef Diano, seine rechte Klaue. Ich habe so viele schöne Erinnerungen an Dich – was sind wir zusammen herumgekommen. Letztes Jahr sahst Du mich auf der Weide und kamst im vollen Galopp den Berg heruntergerannt, dass wir dachten, es wächst kein Gras mehr danach. Vorgestern fielen die beiden Schüsse, und still, zischend bohrten sie sich in Deine Haut, die ich in den letzten Wochen so oft gestriegelt hatte. Du kamst sofort zu mir gelaufen, und nachdem man den aufgeregten Alwin erst einmal von uns fernhalten musste, kämpftest Du wie ein Löwe gegen die Müdigkeit. Der Glücksherde wurde es unheimlich – sie reagierten mit Desinteresse oder Verwunderung, wie Muhrielle, die Dich mit ihrer Art von Liebe anzuschubsen versuchte. Sie bekam Dich nicht weg – Dich, Berg von Ochse. Du standest wie ein Krieger da, und selbst der dritte und vierte Betäubungspfeil ließ Dich nicht sofort zu Boden gehen. Du setztest einen Schritt, noch einen, und noch einen – bis Dich die Kraft verließ. Du hattest nicht vor, einfach zu gehen.. Warum musste diese Entscheidung getroffen werden? Glaubt mir: In diesen Momenten wollte ich wegrennen und alles hinwerfen. Ich dachte, ich halte das nicht noch einmal und immer wieder aus. Was für eine Bürde, was für ein Kreuz man trägt. Das ist der Preis, den man zahlt, wenn man sein Herz öffnet und dann rational gezwungen ist, Verantwortung zu übernehmen. Wir ließen Dich auf mein Bitten hin mit Deiner geliebten Glücksherde früher als geplant auf die Weide, sodass Du noch zwei schöne Tage mit Sonnenaufgängen erleben konntest. Goliat hatte einen Strahlenpilz: Für alle, die sich fragen, warum diese Entscheidung getroffen werden musste: Strahlenpilz – medizinisch Aktinomykose – ist keine harmlose Erkrankung, sondern eine bakterielle Infektion, die sich im Kopfbereich festsetzt und weiter ausbreitet. Es handelt sich dabei um die sogenannte zervikofaziale Aktinomykose. Typisch sind zunächst kleine, harte Schwellungen im Mund, im Gesicht, am Nacken oder unterhalb des Kiefers („Lumpy Jaw“), die aufbrechen und Eiter mit kleinen gelblichen Körnchen absondern können. Die Infektion kann sich weiter ausbreiten – über Wangen, Zunge, Rachen, Speicheldrüsen sowie Schädel- und Nackenknochen bis hin zum Gehirn und den Hirnhäuten. Bei Goliat war sie bereits weit fortgeschritten: Sie drückte das Auge sichtbar nach außen, veränderte Gewebe und Schleimhäute und führte zu einseitigem Speicheln. Er rieb und kratzte sich immer wieder an dieser Stelle – ein klares Zeichen für Druck, Reizung und Schmerz. Ja, er hat noch gefressen. Aber Fressen allein ist kein Maßstab dafür, ob ein Tier leidet. Gerade Rinder zeigen Schmerzen oft erst sehr spät deutlich. Wenn eine solche Erkrankung bereits bis in die Augenhöhle drückt, ist sie in der Regel nicht mehr heilbar – was bleibt, ist ein Fortschreiten mit zunehmendem Schmerz und Leid. Diese Entscheidung wurde nicht getroffen, weil wir ihn aufgeben wollten, sondern weil wir ihn geliebt haben. Tierschutz bedeutet für uns nicht nur, Leben zu erhalten – sondern auch, Leiden rechtzeitig zu beenden. Du bist nicht weg mein geliebter Goliat, denn Du bist bei mir und ich trage Dich in Deine Glücksherde mit mir! Deine Conny www.muhrielle.org