Der AfE-Turm in Frankfurt und seine Aufzüge - Blick auf die Antriebe
+++ Ab 30. Januar 2014 wird es auf meinem Kanal ein weiteres Video zum AfE-Turm geben - mit vielen neuen Innen- und Außenaufnahmen aus den letzten Tagen und der Aufzugfahrt im Originalton. +++ Der 116m hohe "AfE-Turm" der Abteilung für Gesellschafts- und Erziehungswissenschaften der Frankfurter Johann Wolfgang Goethe Universität wird derzeit auf seine Sprengung am 2. Februar 2014 vorbereitet. Seit dieser Woche (27. Februar) wird Sprengstoff in das Gebäude verbracht. Die ursprüngliche PLanung sah keine Sprengung des Turms vor - Beschwerden über die andauernde Lärmbelästigung durch den "kontrollierten Rückbau" führten jedoch die Entscheidung für die schnelle und radikale Lösung herbei. Bis zu letzt liefen die 1969 - 1970 gebauten M.A.N.-Aufzüge teilweise im Originalzustand. Trotz zahlreicher über Jahre gesammelter Graffitis blieb die Substanz doch weitgehend von Vandalisums verschont, anders als der erste Eindruck es vermittelt. Keine Knöpfe wurden mit Feuerzeugen angeschmort und auch das graue Wählscheibentelefon funktioniert wie am ersten Tag. Der Grad seiner Vergilbung lässt darauf schließen, dass noch kein Vandale jemals die Hörerschnur durchtrennte oder die Sprech- und Hörkapseln abschraubte. Kaum denkbar in so manchem Wohnblock oder Parkhaus, wo erst Kameraüberwachung und vandalensichere Edelstahl-Ausstattungen die Aufzüge vor stets wiederkehrender Zerstörung schützten. Es gibt nur wenige Aufzüge mit ähnlich hoher Frequentierung und Förderhöhe, die nicht mittlerweile, teils mehrfach, umgebaut oder ersetzt wurden. Der Turm war zudem für jedermann zugänglich. Während der Verkehrsspitzen, etwa zu Beginn der Lehrveranstaltungen als der Turm noch voll belegt war, zeigte sich sehr deutlich, dass die Aufzüge dem Ansturm nicht gewachsen waren. Auch die Stilllegung eines Teils der Haltestellen konnte dieses Problem nicht abstellen. Während der letzten Betriebsmonate konnten einzelne Anlagen nicht mehr repariert werden und wurden stillgelegt. Dennoch genügten die Aufzüge allen Vorschriften und waren bei vorschriftsmäßiger Benutzung nicht unsicher - ein tödlicher Unfall ereignete sich dennoch bei einem Selbstbefreiungsversuch einer eingeschlossenen Person. An dieser Stelle sei darauf verwiesen, dass die Entriegelung von Schachttüren von der Kabine aus immer wieder zu tödlichen Unfällen führt, wenn Personen aus einer über der Haltestelle stehenden Kabine nach unten auf die Etage klettern. Dabei kommt es sehr häufig dazu, dass die Person, um nicht auf die Knie zu fallen, mit dem Rücken Halt am Fahrkorbboden sucht und sich hinabgleiten lässt. Sobald die Person auf dem Etagenboden steht, fehlt ihr der Rückhalt durch den nun zu hoch stehenden Kabinenboden und sie stürzt rückwärts unter der Kabine in den Schacht. (In anderen Fällen landeten Personen sogar direkt mit den Füßen unterhalb des Fahrkorbs.) Auch deswegen wurden bereits vor einigen Jahren längere Fahrkorbschürzen für Neuanlagen vorgeschrieben, die jedoch nicht bei allen Altanlagen nachgerüstet sind. Häufige Störungen an Aufzügen erhöhen das Risiko, da es entsprechend häufiger zu Selbstbefreiungen kommt. Persönlich würde ich Opfer dieser Unfälle keinesfalls als unintelligent bezeichnen, eher als eigenständig und entschlossen. Aus Erfahrung weiß ich, dass diese Gefahr in der Situation oft nicht erahnt wird, da die Angst eingeklemmt zu werden oder nach vorne zu fallen die weiteren Gedanken überwiegt. Aus dem Fahrkorb heraus sieht man den untenliegenden Schacht nicht und die Größe der Öffnung ist nicht erkennbar, rückt daher weniger in das Bewusstsein. Ein klassischer Unfall, der sogar bei Befreiungen Eingeschlossener durch unerfahrene Haustechniker schon vorgekommen sein soll - leider. Lange Fahrkorbschürzen helfen und störungsfreier Betrieb verringert das Risiko.

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