Lausanne VD, Kathedrale Notre-Dame, Vollgeläute
Ich präsentiere mein erstes "welsches" Geläute: Lausanne VD Kathedrale Notre-Dame Konfession: evangelisch-reformiert Es erklingen (vorübergehend) alle 7 Glocken: As° c' es' f' as' b' c'' Aufnahme vom Sonntag, 24.07.2016, 09h44, Zusammenläuten zum Gottesdienst. Aus dem Turm der Kathedrale von Lausanne erklingt ein wunderbares und bedeutendes Geläute. Vom siebenstimmigen Ensemble sind fünf Glocken historische Exemplare. Glocke 7 stammt aus dem Mittelalter. Dem späten Mittelalter gehört Glocke 3 an, welche im Jahre 1493 gegossen wurde. 1518 entstand Glocke 2, welche in einem recht schweren Profil gegossen wurde. Die Giesser dieser drei ältesten Glocken sind nicht bekannt. 1583 entstand die grösste Glocke. Ihr Giesser war der bekannte Berner Franz Sermund, von dem im dortigen Münster auch die Mittagsglocke stammt. Im Zuge der „Harmonisierung“ ende des 19. Jhs. sind drei Glocken in die Kathedrale gekommen: Die 1666 entstandene Glocke 5 wurde aus dem Turm der Kirche St. François, ebenfalls Lausanne, hierher übertragen. Gleichzeitig goss Jules Robert aus Nancy zwei neue Glocke. Das Geläute erklingt heute im erweiterten "Wachet auf"-Motiv (bei katholischen Kirchen "Salve Regina" genannt). Etwas schade ist, dass das Geläute am Aufnahmetag etwas unschön geschaltet wurde (Dauer in Wirklichkeit etwas weniger als 16 Minuten): Alle 7 Glocken werden miteinander eingeschaltet. Das Vollgeläute erklingt lediglich für 3 Minuten. Dann werden Glocke 5 und 7 ausgeschaltet. Nach 11 Minuten wird die grosse Glocke ausgeschaltet. Die verbleibenden 4 Glocken werden nach 15 Minuten alle miteinander wieder ausgeschaltet. Ob diese Umstände Gründe haben oder ob es nur eine "Laune" des/der diensthabenden Sigristen/in ist, kann ich nicht sagen. Die Kathedrale von Lausanne darf, ohne zu übertreiben, als eine der bedeutendsten Kirchen der Schweiz bezeichnet werden. Sie reiht sich - obwohl um einiges kleiner - in die Reihe der grossen französischen Kathedrale ein und hat darin eine nicht minder wichtige Stellung. Mit etwa 100 Metern Länge ist sie auch die grösste reformierte Kirche, die mir in der Schweiz bekannt ist. Der heutige Bau entstand in der Zeit um 1170 bis 1275. Begonnen wurde er im spätromanischen Stil, bald schon baute man jedoch in gotischen Formen weiter. Aufgrund der "kurzen" Bauzeit ist die Lausanner "Cathé" - wie sie von einheimischen liebevoll genannt wird - von erstaunlicher Einheitlichkeit. Es handelt sich um eine dreischiffige Basilika mit Querschiff und Chorumgang sowie zwei Fassadentürmen (nur einer vollendet, der heutige Glockenturm "Beffroi"), zwei niedrigen Chorflankentürmen und einem hohen Vierungsturm. Sowohl innen wie aussen sind die Einflüsse der französischen Vorbilder deutlich erkennbar. Der Innenraum strahlt eine wohltuende Ruhe aus. Die Kathedrale besitzt noch einige bedeutende Kunstwerke. So die "Rose de Lausanne", ein Werk des frühen 13. Jhs, dass noch zu ungefähr 2/3 im Originalzustand ist. Ebenfalls sehr sehenswert ist das sog. "Portrail Peint" (Seitenportal am rechten Seitenschiff), das ebenfalls im 13. Jh. entstand. Es befindet sich in einer Vorhalle und weist zahlreiche Figuren auf, die noch die originale Farbfassung tragen. Die Waadt wurde 1536 von Bern erobert. Dieses hat dann gleich die Reformation eingeführt, der wohl viel von der weiteren Ausstattung zum Opfer gefallen ist. Seither wirken an der Lausanner Kathedrale keine Bischöfe mehr, sie dient als reformierte Pfarrkirche. Die Daten der Glocken: Nr. 1 Marie-Madeleine gegossen 1583 Giesser: Franz Sermund, Bern Gewicht: 5‘610 kg Schlagton: As° Nr. 2 Clémence gegossen 1518 Giesser: unbekannt Gewicht: 3‘428 kg Schlagton: c‘ Nr. 3 Lombarde gegossen 1493 Giesser: unbekannt Gewicht: 1‘513 kg Schlagton: es‘ Nr. 4 Grande Centenaire gegossen 1898 Giesser: Jules Robert, Nancy Gewicht: 838 kg Schlagton: f‘ Nr. 5 St-François gegossen 1666 Giesser: Isaac Jaquier, Lausanne Gewicht: 699 kg Schlagton: as‘ Nr. 6 Petite Centenaire gegossen 1898 Giesser: Jules Robert, Nancy Gewicht: 306 kg Schlagton: b‘ Nr. 7 Couvre-Feu gegossen im 13. oder 14. Jh. Giesser: unbekannt Gewicht: 309 kg Schlagton: c‘‘ Bilder, Tonaufnahme und Text: Robin Marti

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