Hotel zur langen Dämmerung // Hannes Wader 2007 Sa. 24. 3. Gasteig, München, Bayern, Deutschland

   • Hannes Wader   A B O ► ► ► 00:06:07 kostet nix !    • Konzert // Hannes Wader 2007 Sa. 24. 3. Ca...   Der Liedermacher HANNES WADER live am 24. März 2007 im Münchner Carl-Orff-Saal im Gasteig. Ein Film von Horst O. W. Krause //.    • Hotel zur langen Dämmerung // Hannes Wader...      • Der hölzerne Brunnen // Hannes Wader 2007 ...      • Min Jehann // Hannes Wader 2007 Sa. 24. 3....      • Familienerbe // Hannes Wader 2007 Sa. 24. ...      • Manche Stadt (One More City) // Hannes Wad...      • Der Weißdornbusch // Hannes Wader 2007 Sa....      • Schwestern, Brüder (What's the Life of a M...      • (Michael Augustin) Seebestattung // Hannes...      • König von Preußen // Hannes Wader 2007 Sa....      • Uns bleibt keine Wahl // Hannes Wader 2007...      • Mamita mia // Hannes Wader 2007 Sa. 24. 3....      • Stellungnahme // Hannes Wader 2007 Sa. 24....      • Trotz alledem (III) // Hannes Wader 2007 S...      • Schon so lang // Hannes Wader 2007 Sa. 24....      • Traumtänzer // Hannes Wader 2007 Sa. 24. 3...      • (Bellman) Darfst nun getrost // Hannes Wad...   H O T E L Z U R L A N G E N D Ä M M E R U N G erschien erstmals im Jahr 1976 auf seinem siebten Studioalbum „Kleines Testament”. Musik und Text: Hannes Wader An tausend Meilen hast du heut schon hinter dich gebracht. Es ist spät, du suchst und findest eine Bleibe für die Nacht. Von all dem, was du schon gesehn und nicht begriffen hast, bist du todmüde, sehnst dich nur nach einer langen Rast. Dies Hotel, die trübe Funzel in dem engen Korridor kommen dir, als du dich umsiehst, schon nicht ganz geheuer vor. Und dann weißt du es genau, als du die Zimmertür aufschließt, dass du vor langer Zeit schon einmal hier gewesen bist. Refrain: Schlaf nicht ein im Hotel zur langen Dämmerung, bleib wach. Denn der Atem toter Seelen staut sich unter diesem Dach und frißt sich, wenn du schläfst, so tief in Hirn und Lungen fest, dass du dieses Haus nur sterbend oder tot wieder verläßt. Und du sitzt und wachst und wartest, doch die Zeit will nicht vergehn. Und dir ist, als könntest du auf einmal durch die Wände sehn. Siehst ein Zimmer, so wie deins, und ein Junge kommt herein. Du erschrickst und meinst, du selber könntest dieser Junge sein: große Füße, große Augen, von zu Hause durchgebrannt, Haar und Hosen viel zu kurz, wie es noch Brauch ist auf dem Land, Ales liebend ohne Furcht, was neu und fremd ist um ihn her. Und du fragst dich, ob du je so jung gewesen bist wie der. (Refrain) In dem Raum gleich nebenan siehst du dich als alten Mann, einsam und verbittert, krank und ohne einen Zahn. Und er wackelt mit dem Schädel, hält die Bibel auf den Knien, seine dürren Spinnenfinger blättern aufgeregt darin. Ganze Sätze streicht er aus mit seinem Rotstift in der Hand und schreibt dafür böse flüsternd wilde Flüche an den Rand. Und schon bluten seine Finger, zucken weiter wie im Krampf, du gibst ihm noch eine Stunde, und dann endet dieser Kampf. Ja, schlaf nicht ein ... Auch der Junge schläft noch nicht, nimmt sein Instrument und spielt. Dazu schreibt er etwas auf, bringt in Reime, was er fühlt. Falsche Töne, schlechte Verse - es ist gleich, wie gut er's macht. Denn nur schreibend, spielend, singend übersteht er diese Nacht. Das macht durstig, und er dreht an dem Wasserhahn, der spritzt etwas aus, was nach dem riecht, das ein Sterbender ausschwitzt. Und du wünschst dir, dass er statt zu trinken in das Becken schifft. Und er tut's und bleibt für diesmal noch verschont von diesem Gift. Doch schlaf nicht ein ... Deine Uhr zeigt erst auf drei, sie blieb schon vor Stunden stehn. Sie schläft den langen Schlaf und wird nie mehr wieder gehn. Es wird Morgen. Junge, nimm jetzt deine Brocken, du musst fort. Da ist ein Park mit einem Brunnen, trink und wasch dich dort. Du wirst doch noch andre finden, die sind auch so jung wie du. Die erklären dir die Welt, höre ihnen ruhig zu. Dann wirst du weiterziehn, viel sehn, doch das wenigste verstehn, und nach Jahren vielleicht nochmal über diese Schwelle gehn. Dann schlaf nicht ein ...