Bibelkritik im Gewand der Bibeltreue: Armin Baums Hermeneutik der kulturellen Kontextualisierung

Dieses Video versteht sich als "Laiengeblök", wie C. S. Lewis seine Intervention gegenüber der historisch-kritischen Theologie im Jahr 1959 bezeichnete (Modern Theology and Biblical Criticism). Ich spüre in diesem Video den Zirkelschlüssen und semantischen Taschenspielertricks der Hermeneutik der „kulturellen Kontextualisierung“ nach. Um es vorweg zu sagen: Bei der Hermeneutik Armin Baums handelt es sich nach meiner Überzeugung um ein trojanisches Pferd, also um Bibelkritik im Gewand der Bibeltreue. Dem Konzept der "kulturellen Kontextualisierung" halte ich (andeutungsweise) das Konzept der "heilsgeschichtlichen Kontextualisierung" entgegen. P. S.: Ich wurde von einem Kenner der englischen Sprache freundlicherweise darauf hingewiesen, dass „since“ temporal oder - wie im diskutierten Text - kausal zu verstehen ist. Meine Bemerkungen schießen daher an dieser Stelle übers Ziel hinaus. Ich bitte das zu entschuldigen. Ungeachtet dessen ist die Darstellung des Dogmas der Irrtumslosigkeit der Heiligen Schrift als exegetisch hinterfragbar höchst problematisch. Ich beziehe mich auf folgende Quellen: Armin D. Baum, Is new testament inerrancy a new testament concept? A traditional and therefore openminded answer https://www.etsjets.org/files/JETS-PD... Armin D. Baum, Jeder Text ist Kind seiner Zeit. Wie die damalige Kultur Bibeltexte beeinflussen konnte http://www.armin-baum.de/wp-content/u... Armin D. Baum, Kontextualisierung. Wie unterscheidet man zwischen kulturbedingten und zeitlos gültigen Anweisungen des Neuen Testaments? (Vortrag) https://www.bibelundbekenntnis.de/all... Für meine persönliche Hermeneutik und Bibliologie prägend sind: Chicago-Erklärung zur Irrtumslosigkeit der Bibel https://bibelbund.de/der-bibelbund/ub... Eta Linnemann, Original oder Fälschung. Historisch-kritische Theologie im Licht der Bibel (Bielefeld: 1994). Eta Linnemann, Die Bibel oder die Bibelkritik - was ist glaubwürdig? (Nürnberg: 2007). Eta Linnemann, Welches Fundament hat die "historisch-kritische" Theologie? (Vortrag); um 01:07:00 herum findet Linnemann sehr deutliche Worte für Baum.    • B: Eta Linnemann - Welches Fundament hat d...   Gerhard Maier, Das Ende der historisch-kritischen Methode (Wuppertal: 1974). Gerhard Maier, Biblische Hermeneutik (Holzgerlingen: 1990). Benedikt Peters, Wie legen wir die Bibel aus? https://bibelbund.de/2015/07/wie-lege... Eckard Schnabel, Inspiration und Offenbarung. Die Lehre vom Ursprung und Wesen der Bibel (Wuppertal: 1986). Was das a priori des Glaubens für die Kanonfrage bedeutet und inwiefern die Autorität des Kanons mit der Apostolizität zusammenhängt und sich weder auf die Anerkennung der frühen Kirche noch die Erfahrung des Gläubigen zurückführen lässt, führt der Autor dieses Buches präzise aus: Herman Ridderbos, Begründung des Glaubens. Heilsgeschichte und Heilige Schrift (Bad Oeynhausen: 2025) (Neuaufl.). Das NT berichtet laut R. historische Tatsachen, aber auch deren Bedeutung, ist Martyria (Zeugenaussage) und Kerygma (Verkündigung). Die Ausführungen zur Zeitbedingheit der Didache überzeugen mich nicht. Ergänzung: Zum „synoptischen Problem“ schreibt Baum in Armin D. Baum/Rob van Houwelingen, Kernthemen neutestamentlicher Theologie, Gießen 2022, S. 72f., Kapitel „Jesus als einzigartiger Gottessohn“: „6.3 Die historische Frage Welche Darstellung kommt dem historischen Auftreten Jesu terminologisch näher, die der Synoptiker oder die des Johannes? Wahrscheinlich haben die Synoptiker den Wortlaut der Predigt Jesu besser bewahrt als Johannes. Jeremias dürfte mit seiner Einschätzung im Recht sein, dass bei den Evangelisten 'eine wachsende Tendenz bestand, die Bezeichnung Gottes als Vater in die Worte Jesu einzufügen'. Es ist plausibler, dass Johannes die Sohn-Gottes-Terminologie vermehrt hat, als dass die Synoptiker sie reduziert haben. … Johannes hat göttlichen Glanz, den die Worte und Taten Jesu bereits in der vorjohanneischen Tradition ausstrahlten, lediglich expliziter hervorgehoben. Damit hat er seine historische Verantwortung zwar freier interpretiert als die Synoptiker, aber er hat dies innerhalb der Grenzen getan, die einem antiken Historiker gesetzt waren.“ Das ließ mir wirklich den Atem stocken! Weder die CE noch die Bibel selbst gehen von einer mechanischen Inspiration aus, sondern davon, dass Gott die Verfasser „benutzt“ hat. Aber was Baum hier behauptet, ist etwas völlig anderes: Er unterscheidet – wie die liberale Theologie – zwischen dem „historischen Jesus“ (der Synoptiker) und dem, was Johannes (andere sagen: die „nachösterliche“ Gemeinde) daraus gemacht hat.