Diese Siedlung sollte Streiks verhindern. Sie wurde ein Denkmal.
Die Gartenstadt Staaken in Berlin-Spandau wurde zwischen 1914 und 1917 als Arbeitersiedlung für Munitionsarbeiter der Königlichen Werkstätten Spandau gebaut — mitten im Ersten Weltkrieg, in weniger als vier Jahren, als überall sonst die Bautätigkeit zum Stillstand kam. Das war kein Zufall. Das Reichsamt des Innern hatte gerechnet: Ein Munitionsarbeiter, der in einem guten Haus mit Garten lebt, produziert zuverlässiger. Er streikt seltener. Er bleibt. Die Gartenstadt Staaken war ein architektonisches Argument — und gleichzeitig ein Instrument. Der Architekt Paul Schmitthenner entwarf 793 Wohneinheiten aus nur fünf Grundrisstypen, die sich trotzdem wie eine gewachsene märkische Kleinstadt anfühlten. Jede Wohnung hatte einen Garten. Jeder Garten hatte einen Obstbaum. Und das Grundstück, auf dem all das stand, gehörte dem Staat. Diese Folge folgt August Lehmann, der am 1. Dezember 1914 als einer der Ersten einzog. Was er bekam, war besser als alles, was er je gehabt hatte. Was im Pachtvertrag stand, las er nicht sofort. Die Gartenstadt Staaken zeigt, was passiert, wenn eine Regierung echte Fürsorge und strategische Kontrolle in dieselbe Architektur packt — und wie lange es dauert, bis die Menschen, die darin leben, den Unterschied bemerken. Wer sich für Arbeitersiedlungen, Industriegeschichte und Stadtplanung in Deutschland zwischen 1900 und 1970 interessiert, findet hier Geschichten, die in keinem Lehrbuch stehen. Weitere Folgen dieser Dokumentationsreihe behandeln Krupp-Siedlungen im Ruhrgebiet, Zechen-Siedlungen in Gelsenkirchen und die Reformsiedlungen der Weimarer Republik.

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