phoenix persönlich: Literaturwissenschaftler und Autor Dirk Oschmann zu Gast bei Eva Lindenau
In der Sendung „phoenix persönlich“ spricht Eva Lindenau mit dem Literaturwissenschaftler und Bestseller-Autor Dirk Oschmann über den westlichen Blick auf den Osten, die Gefährdungen der Demokratie und über die Bedeutung des Volksaufstands am 17. Juni 1953, der sich zum 70. Mal jährt: „Das ist ein ganz wichtiger Hinweis darauf, dass der Osten eine starke innere Neigung zur Demokratie hatte, einen starken Zug in die Freiheit, der sich ja dann auch 1989 endgültig Bahn hat brechen können“, erklärt Bestseller-Autor Dirk Oschmann die Bedeutung des Volksaufstands in der DDR 1953. Oschmann kritisiert in diesem Zusammenhang, dass, wenn von deutscher Geschichte die Rede sei, oftmals nur die bundesdeutsche Geschichte gemeint sei. „Es ist ganz klar, dass die bundesdeutsche Geschichte immer als die deutsche Normgeschichte erscheint.“ Generell kritisiert Dirk Oschmann, der eine Professur für Neuere deutsche Literatur an der Universität Leipzig innehat, die „Benachteiligungen“ und „Ausschlussmechanismen“ in Wirtschaft, Politik, Wissenschaft und Justiz gegenüber Menschen aus den neuen Bundesländern. Oschmann plädiert für eine Quote, um mehr Ostdeutsche in Führungspositionen zu bringen, denn „ohne so ein hartes politisches Instrument“ würde es nicht gehen. Der Bestseller-Autor warnt davor, dass aus der fehlenden Teilhabe in den verschiedenen gesellschaftlichen Bereichen, ein Problem für die Demokratie erwachsen könnte. Und er sieht eine „Mitverantwortung“ des Westens für die Situation im Osten. „Ich sage nicht, dass der Westen komplett verantwortlich ist, aber er trägt auf jeden Fall eine Mitverantwortung, schon allein deshalb, weil er überall die Führungspositionen besetzt.“ Mit Blick auf das aktuelle Umfrage-Hoch der AfD und diejenigen Wähler, die sie „aus Protest oder aus Frust wählen und nicht aus Überzeugung“, konstatiert Oschmann, dass die anderen Parteien „politisch versagt“ hätten. Sie müssten nun versuchen, diese „Wählerschaften mit einer guten Politik“ zurückzugewinnen. Die AfD-Spitzenpolitiker kämen nahezu alle aus dem Westen, Tino Chrupalla ausgenommen, so Oschmann: „Natürlich kommen die aus dem braunen Boden des Westens und haben dann den braunen Resonanzboden des Ostens aktiviert.“

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