ECT Schneedeckentest mit einigen Überaschungen
Hier das Video eines in mehrfacher Hinsicht interessanten ECTs mit mehreren Lawinenabgängen in unmittelbarer Nähe. Am 17.02.2024 sind wir nach einer Verschütteten-Suchübung erst mittags von der Lindauer Hütte zum Drusentor aufgestiegen. Es herschten folgende Bedingungen: Lawinenwarnstufe 2 ab 1400 m, lt .Lagebericht relevantes Problem: Triebschnee. Sonnseitig im Tagesverlauf kleine Nasschneelawinen möglich. Der betreffende Hangbereich liegt um diese Jahreszeit den ganzen Tag im Schatten. Die Lufttemperatur erreichte am Nachmittag max. 2°. Es war größtenteils neblig mit hoher Luftfeuchtigkeit und nahezu windstill. In der vorigen Nacht hat es ca. 1mm geregnet. An den sonnigen Vortagen betrug die Tageshöchsttemperatur bis zu 7°. In der ganzen vorangegangenen Woche betrug die Windstärke höchstens 10 km/h. (Alles Werte der Messtation Gargellen-Schafberg 2044m) Der letzte Schneefall (insgesamt gut 20 cm) lag schon über 3 Tage zurück. Der Schnee war eher feucht und entsprechend schwer zu fahren. Als wir aufstiegen war die übliche Aufstiegs- und Abfahrtsroute bereits ordentlich verspurt. Es waren nirgends Lawinenabgänge zu sehen. Mehrere Gruppen kamen uns entgegen, teilweise ohne erkennbar Abstände einzuhalten. In ca. 2150m Höhe beobachteten wir dann, wie ein Snowboarder, etwas östlich der Standardroute, in ca. 40° steilem Gelände, eine kleine bis mittelgroße Lawine auslöste (von dieser aber nicht erfasst wurde). Das hatte ich in dem Moment nicht wirklich nicht erwartet. Im gesamten Hangbereich konnten wir weder Windzeichen noch Triebschneeansammlungen erkennen. Deshalb haben wir um 15:10 Uhr in 2200 m Höhe, an einer sicheren Stelle direkt unterhalb der Zollhütte, einen ECT durchgeführt (Exp. Nord, Hangneigung 35°). Während wir gruben, hörten wir wie etwas westlich von uns, von ganz oben größere Schneemengen die Felswand hinabstürzten und ein mittelgroßes Schneebrett auslösten, das neben uns bis über unsere Aufstiegsspur floß. Den folgenden ECT haben wir nicht ganz einwandfrei durchgeführt, was aber recht lehrreich war. Wie man im Video erkennen kann, befand sich nämlich an der rechten vorderen Ecke des Blocks eine steile Eislamelle. Diese hat die Schwachschicht anscheinend so fest verdübelt, dass dort auch nach 30 Schlägen gar nichts passiert ist. Deshalb wechselte ich auf die andere Seite, wo ich schon beim ersten Schlag in gut 20 cm Tiefe einen Schichtbruch mit Fortpflanzung auslöste. Dieser Schlag erfolgte, allerdings etwas unbedacht, schon aus dem Ellenbogen. Nachdem ich zuvor dort keine Schwachschicht erkannt habe, fanden wir nun beim genaueren Betrachten doch eine diffuse weicherere Zone. Zur Vollständigkeit: In 60-70 cm Tiefe fanden wir eine Schmelzharschkruste, ohne erkennbare Schwachschicht. Beim nächsten Schlag aus dem Ellenbogen ging das Paket auf der ganzen Breite ab. Dabei handelte es sich wahrscheinlich exakt um den den Schneefall vom vorigen Wochenende. Zwischenzeitlich ging direkt westlich des Vorigen ein weiteres mittelgroßes Schneebrett ab. Erfreulicherweise auch ohne Personenbeteiligung. Wie dieses ausgelöst wurde wissen wir nicht. Die Mächtigkeit aller drei Lawinenfelder liess darauf schliessen, dass die Mächtigkeit der Schneebretter vermutlich entsprechend der bei unserem ECT war. Die frischen Lawinenfelder bestanden oberflächlich aus lose herumliegenden, volleyballgroßen Bollern, die mit zunehmenderTiefe mehr zusammengebacken waren. Anscheinend lag hier kein Triebschneeproblem, sondern ein Nassschneeproblem vor, wozu die auch nordseitig wirksame diffuse Strahlung und die etrem hohe Luftfeuchtikeit beigetragen haben. wie sich die einzelne, steile Eislammelle, in dem ansonsten homogenen Schnee, gebildet haben könnte.

Stabilitätstests im Schnee – CT & ECT einfach erklärt

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