Linda G. Thompson | The Les Humphreys Singers
Eine Augsburger Musikertochter, die den Namen ihrer verstorbenen Schwester trägt, singt sich mit sechzehn aus der Enge der Kleinstadt auf die großen Bühnen Europas – und lernt dabei, dass Freiheit oft einen hohen Preis hat und echtes Zuhause nur in einem selbst liegt. Linda wächst als jüngstes von sieben Kindern in einer musikalischen, aber nicht einfachen Augsburger Familie auf. Mit sieben entdeckt sie am Grabstein, dass sie den Namen ihrer vier Jahre zuvor verstorbenen Schwester Siglinde trägt. Die Mutter sagt: „Darum bist du oft so traurig.“ Musik wird zum Kitt der Familie – Blasmusik, Bandoneon, Hochzeiten, Trauerfeiern. Der Vater singt, die Geschwister spielen. Linda lernt früh: Applaus wärmt, aber er füllt keine Lücke. Mit sechzehn gewinnt sie in einem Amateurwettbewerb einen Plattenvertrag bei CBS. Es geht schnell: Lehre als Musikalienhändlerin, erste Auftritte in Ami-Clubs, Monatsengagements in der Schweiz mit den Cornely Singers. Dann Love Generation, Les Humphries Singers – ein Jahr und acht Monate harte Europatournee mit 16 Sängern, täglich andere Stadt, anderes Bett, viel Adrenalin, wenig Schlaf. Silver Convention katapultiert sie international: „Fly Robin Fly“, Grammy, weltweite Hits. Danach The Hornettes – vierstimmiger Satzgesang, 16 Jahre Galas, Privatpartys bei Gunther Sachs, große Bühnen. Hinter den Kulissen ist es hart. 300 Diskothekenauftritte in eineinhalb Jahren, oft mit Übelkeit vor dem Auftritt, wenig Schlaf, ständiges Unterwegssein. Sie wird aus Silver Convention ausgetauscht, erlebt Gruppendruck, Eifersucht, eine Ohrfeige. Beziehungen scheitern, weil sie sich nicht verbiegen will. Immer wieder sucht sie das Land, die Gummistiefel, den See – den Gegenpol zum Rampenlicht. Heute, kurz vor 80, blickt Linda mit klarer, warmer Stimme zurück. Sie hat nie aufgehört, nach sich selbst zu suchen. Die „trotzige Freiheit“, keine Villa, keinen goldenen Käfig, kein vorgefertigtes Leben zu wollen, zieht sich durch alles. Sie spricht offen über das Trauma der toten Schwester, über Einsamkeit nach dem Applaus, über verpasste Wertschätzung in der eigenen Familie und darüber, dass sie erst spät wirklich bei sich angekommen ist. Keine glatte Erfolgsgeschichte, sondern das ehrliche Porträt einer Frau, die immer gesungen hat – und dabei lernte, ihre eigene Stimme zu finden. Im Hier und Jetzt lebt sie in der Münchner Region, reflektiert das dritte Lebensdrittel und bleibt neugierig. Die Musik war ihr Leben, die Stille danach die größte Lehre.

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