Hugo Wolf: Das verlassene Mägdlein – Diana Haller (Mezzosopran) & Marcelo Amaral (Klavier), 23.03.17
Lied der Woche 48: Mit dem "Lied der Woche" veröffentlichen wir jede Woche ein neues Lied aus unserer Reihe "Der ganze Hugo Wolf" auf unseren Plattformen (Youtube, Facebook) sowie auf unserer Webseite www.ihwa.de. Ergänzt wird der musikalisch-visuelle Genuss um Informationen rund um dieses Lied von Hugo Wolf, sodass hier nach und nach eine umfassende und informative Mediathek der Lieder unseres Namenspatrons entsteht. Wir wünschen viel Freude damit! https://www.ihwa.de/song-knowledge/be... Das Video entstand im Rahmen der Reihe "Der ganze Hugo Wolf" am 23. März 2017 im Weißen Saal, Neues Schloss Stuttgart (Der ganze Hugo Wolf V). LIEDTEXT Früh, wann die Hähne krähn, Eh’ die Sternlein schwinden, Muss ich am Herde stehn, Muss Feuer zünden. Schön ist der Flamme Schein, Es springen die Funken; Ich schaue so darein, In Leid versunken. Plötzlich, da kommt es mir, Treuloser Knabe, Dass ich die Nacht von dir Geträumet habe. Träne auf Träne dann Stürzet hernieder; So kommt der Tag heran – O ging’ er wieder! TEXTDICHTER: Eduard Mörike (1804–1875) KOMPOSITIONSJAHR: 1888 INFOTEXT von Susan Youens (deutsche Übersetzung: Sharon und Harald Krebs): Das verlassene Mägdlein: Mörike war von barocken Emblembüchern (mit ihren allegorischen Abbildungen samt erklärenden Moralsprüchen oder Gedichten) sehr angetan. In einem solchen Buch aus seinem Besitz finden wir das Bild eines Dienstmädchens, das in den Stunden vor Sonnenaufgang (wieder in der „Mörike-Stunde“!) das Feuer zündet; es war dies vielleicht die Inspiration für das Gedicht, in dem die Funken des Feuers in den Gedanken eines verlassenen Mädchens die nächtlichen Träume von ihrem treulosen Liebhaber neu entfachen. Der Gedanke, dass er sie etwa schwängerte und dann sich selbst überließ, schwebt im Hintergrund. Ihr Grollen über die ihr vorgeschriebenen Verpflichtungen hören wir in den Dissonanzen bei dem wiederholten Verbum „muss [ich]“; ihre innerliche Umwandlung der Helle des Feuers in bleischweren Gram und den erschütternden Augenblick der Erkenntnis („plötzlich“) vernehmen wir bei der Rückung in die Regionen der B-Tonarten. Das verlassene Mägdlein: Mörike was drawn to Baroque “emblem books” containing allegorical illustrations with accompanying explanatory morals or poems. In one such book that he owned, we find the image of a servant girl lighting the fire in the pre-dawn hours (the “Mörike Stunde”); this was perhaps the inspiration for this poem, in which the sparks from the fire ignite in an abandoned girl’s mind her night-long dreams of a faithless lover. That she has perhaps been impregnated and then left to her own devices lurks in the background. We hear her resentment of her compulsory service in the dissonances at the repeated verb “muss’ [ich];” her mental conversion of the brightness of the fire into leaden misery with the momentary tonal slide downwards into flat regions, and the shock of the instant of recognition (“Plötzlich”).

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