Beim Jobcenter gilt Bürgergeld-Wahrheit als Diffamierung
#derschwarzekanal #bürgergeld #kündigung Ein Jobcenter-Veteran spricht offen über Bürgergeld-Missbrauch und verliert seinen Job. Für FOCUS-Kolumnist Jan Fleischhauer ist das kein Zufall. Wer offen ausspricht, was im Bürgergeld-System schiefläuft, riskiert offenbar seinen Job. Der Fall des langjährigen Jobcenter-Mitarbeiters Fred Göcken sorgt bundesweit für Diskussionen. Nachdem er in einer ZDF-Dokumentation schilderte, wie Bürgergeld aus seiner Sicht in der Praxis funktioniert, wurde ihm fristlos gekündigt. Für Jan Fleischhauer ist das ein Beispiel dafür, wie Deutschland gerne die Augen vor der Wahrheit verschließt. „So gehen wir mit der Realität um: Entweder ausblenden oder aber, wenn jemand mal die Wahrheit sagt, ihn rausschmeißen”, sagte der FOCUS-Kolumnist im Podcast „Der schwarze Kanal”. Besonders brisant ist Göckens Schätzung, wonach 30 bis 40 Prozent der arbeitsfähigen Bürgergeldempfänger und Aufstocker falsche Angaben machen würden, um sich Vorteile zu verschaffen. Die Behörde weist das zurück und wertet solche Aussagen als Diffamierung. Für Fleischhauer zeigt die Reaktion vor allem eines: Über die Realität im System werde nur ungern gesprochen. Dabei gehe es laut Göcken oft nicht um die viel diskutierten Totalverweigerer. Die gebe es kaum. Stattdessen würden viele Betroffene scheinbar mitarbeiten, aber dann Wege finden, eine Beschäftigung am Ende doch zu verhindern. „Im Grunde geht es darum, die Menschen im System zu halten.“ Anhand konkreter Beispiele schildert Fleischhauer, wie das nach Göckens Darstellung aussieht. Wer für eine Arbeitsstelle einen Führerschein benötigt, bekomme diesen finanziert. Fehle anschließend ein Fahrzeug, werde auch dafür eine Lösung gefunden. Fleischhauer verweist auf einen Fall, in dem ein Bürgergeldempfänger so in Arbeit gebracht werden sollte. Als das Arbeitsverhältnis kurze Zeit später endet, bleibt der Steuerzahler auf den Kosten sitzen. Im Podcast beschreibt er es so: „Dann hält er zwei Monate durch. Dann war's das mit der Arbeit. Die Kosten für den Führerschein bleiben natürlich beim Amt und das Auto darf er auch noch behalten. Das hat mich dann schon gewundert.“ Für Fleischhauer ist der Fall deshalb mehr als ein Streit um einen einzelnen Mitarbeiter. Statt über die von Göcken beschriebenen Missstände zu sprechen, sei der Überbringer der Botschaft zum Problem erklärt worden. Fleischhauers Fazit fällt entsprechend deutlich aus: „Die Wahrheit nennen ist Diffamierung.“ Diese Haltung ziehe sich durch die ganze Sozialpolitik - „vom Jobcenter Bremen angefangen über die Sozialministerin Claudia Schilling von der SPD bis zu Schalter Nummer eins, Bärbel Bas.“

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