DIELSDORF: (CH - ZH) Geläute der Reformierten Kirche
Es läuten die vier Glocken der Reformierten Kirche in Dielsdorf im Kanton Zürich. Stimmung: d' fis' a' d'' Giesser: Jakob Egger, Staad. b. Rorschach Gussjahr: 1893 Aus dem Kirchturm der Reformierten Kirche in Dielsdorf erklingt ein charaktervolles Geläut mit leicht herbem, zugleich charmant knurrigem Klangcharakter, gefertigt von Jakob Egger. Die Glocken prägen mit ihrem markanten und unverwechselbaren Ton seit vielen Jahren das akustische Erscheinungsbild der Kirche und des Dorfes. Im Jahr 2025 wurde das gesamte Geläut einer umfassenden und sorgfältigen Sanierung unterzogen. Dabei wurde der Glockenstuhl vollständig erneuert, um die langfristige Stabilität und Betriebssicherheit der Anlage zu gewährleisten. Die originalen Gussstahljoche konnten dabei erhalten werden; sie wurden fachgerecht revidiert und wiederverwendet, sodass der historische Charakter des Geläuts bewahrt blieb. Im Zuge der Arbeiten wurden zudem sämtliche Klöppel ersetzt sowie die Antriebs- und Steuerungstechnik modernisiert. Neue Motoren und zeitgemässe Steuerungen sorgen seither für einen zuverlässigen, schonenden und präzisen Betrieb der Glockenanlage. Zur Geschichte der Glocken: Das bisherige dreistimmige Geläut der Reformierten Kirche Dielsdorf war von bemerkenswert hohem Alter und geschichtlichem Wert. Die drei Glocken stammten aus den Jahren 1402 – die kleinste und zugleich älteste Glocke –, 1639 sowie 1706. Über Jahrhunderte hinweg begleiteten sie das religiöse und gesellschaftliche Leben des Dorfes. Im Jahr 1893 erhielt die Kirche ein neues, vierstimmiges Geläut in es-Dur. Die grösste Glocke mit einem Gewicht von 1516 Kilogramm trägt das Dielsdorfer Wappen sowie die Inschriften: „Die Himmel erzählen die Ehre Gottes“ (Psalm 19,2) und „Herr im Himmel walte, dieses Dorf erhalte!“ Die sogenannte Sturmglocke wiegt 773 Kilogramm und ist mit den Sprüchen versehen: „Sturm, Wetter, Feuersnot; sei mit uns; o starker Gott!“ sowie „Herr hilf, lass wohlgelingen!“ Die Betglocke mit einem Gewicht von 445 Kilogramm mahnt mit den Worten: „Wachet und betet!“ und „In Arbeit ihr das Glück erbaut, wenn betend ihr nach oben schaut.“ Das kleine Totenglöcklein wiegt lediglich 18 Kilogramm und trägt die Inschriften: „Selig sind die Toten, die im Herren sterben“ sowie „Im Tod und Leben dem Himmel ergeben.“ Die feierliche Turm- und Glockenweihe fand am 5. und 6. November 1893 statt und wurde zu einem bedeutenden Ereignis für die gesamte Gemeinde. Bereits morgens um fünf Uhr wurde die Bevölkerung mit Kanonenschüssen geweckt. Um zehn Uhr erklangen auf dem Friedhof letztmals die drei alten Glocken. Anschliessend zog eine feierliche Prozession vom alten Schulhaus zur Kirche, angeführt von Behörden, Ehrengästen und Kirchgemeinde. Pfarrer, Statthalter und Dekan richteten Ansprachen an die Bevölkerung, während Gesangsvereine mit festlichen Liedern zur würdigen Atmosphäre beitrugen. Danach wurden die neuen Glocken feierlich geweiht. Am Nachmittag fand ein Festbankett für Behörden und geladene Gäste statt. Gegen vier Uhr versammelte sich die Festgemeinde nochmals im Kirchhof bei den alten Glocken, die ein letztes gemeinsames Geläut erklingen liessen. Nach bewegenden Abschiedsworten des Pfarrers ertönte erstmals das neue Geläut über dem Dorf, ehe sich die grosse Zuhörerschaft langsam zerstreute. Am folgenden Montagnachmittag wurde zudem ein Jugendfest veranstaltet. Unter dem Klang der neuen Glocken zogen die Schülerinnen und Schüler vom neuen Schulhaus zur Kirche, wo ihnen der Pfarrer Sinn und Bedeutung des Geläuts erklärte. Ein gemeinsamer „Zabig“ mit Gesang und Unterhaltung im Gasthaus „Krone“ bildete den geselligen Abschluss. Anschliessend wurden die drei alten Glocken auf Wagen zum Bahnhof gebracht, um sie abzutransportieren. In letzter Minute entschied jedoch die Kirchenpflege auf Antrag des ehemaligen Präsidenten Benz, das älteste Glöcklein aus dem Jahr 1402 nicht fortzugeben. Unter grosser Anteilnahme wurde es im Triumphzug zurückgeführt und im Hausflur des Pfarrhauses aufgestellt. Die beiden grösseren Glocken hingegen wurden in der Glockengiesserei Egger in Staad umgegossen. Dennoch trennte sich die Kirchenpflege zwanzig Jahre später, im Jahr 1913, wegen Platzmangels auch von der kleinen mittelalterlichen Glocke. Sie trug die Jahreszahl MCCCCII (1402) sowie die lateinische Inschrift: „O rex gloriae Christe veni nobis cum pace“ („O Ehrenkönig Christus, komm zu uns mit Frieden“). Aus heutiger Sicht muss dieser Verkauf aus denkmalpflegerischer und historischer Perspektive bedauert werden, ging damit doch ein aussergewöhnlich wertvolles Zeugnis mittelalterlicher Glockengeschichte verloren. Ein recht herzliches Dankeschön spreche ich hiermit Kirchenpflegepräsident Romano für das Sondergeläut und die Gastfreundschaft in Dielsdorf aus. Viel Freude mit dem Video!

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