Enno Poppe: Prozession (score)

Prozession für großes Ensemble 2015/2020 0:00 - Flöte – Violine 3:00 - Horn – Orgel 1 9:55 - Oboe – Viola 12:07 - Posaune – E-Gitarre 16:04 - Altsaxophon – Cello 20:55 - Trompete 1 – Trompete 2 27:48 - Kontrabassklarinette – Kontrabass 33:34 - Violine 1 – andere Streicher 41:10 - Keyboard 1 – Keyboard 2 Ensemble Musikfabrik Enno Poppe !!! Some very fine details might not be visible / missing in this video !!! (sorry for the score quality and the unrendered page) For full score with preface and performance instructions: https://issuu.com/casaricordi/docs/00... Prozessionen, ihre vermeintliche Grenzen- und Endlosigkeit, faszinie- ren Enno Poppe. Auch die dazugehörige Musik, etwa die »irrwitzigen« Märsche während der Karwoche in Sevilla, der »Semana Santa«, der Heiligen Woche. Und als er während des ersten Lockdowns 2020 sehr viel Zeit hatte, nahm er ältere Skizzen und Teilausfertigungen aus dem Jahr 2015 neu zur Hand und brachte sie nun zu Ende. Klar war von Anfang, dass dieses Stück speziell für das Kölner Ensemble Musik- fabrik sein würde und dass es mit 50 Minuten Spieldauer auch eine »große Architektur« haben muss, bestehend aus neun Abschnitten, die jeweils von Duos grundiert werden: Flöte – Violine; Horn – Orgel 1; Oboe – Viola; Posaune – E-Gitarre; Altsaxophon – Cello; Trompete 1 – Trompete 2; Kontrabassklarinette – Kontrabass; Violine 1 – andere Streicher; Keyboard 1 – Keyboard 2. Abgesehen von diesen Zweierbeziehungen, die stets mit Schlag- zeugsounds eröffnet und mit schlagzeuglosen Ensembletutti beschlossen werden, wächst Prozession quasi von Takt zu Takt, von Minute zu Minute. In dem spiralartig voranschreitende Zeremoniell verketten sich melodiöse Lineaturen komplex miteinander oder er erklingen virtuose Soli, ehe der ritualhafte Prozess – wie der Musiko- loge und Poppe-Kenner Michael Zwenzner beobachtet hat – in einer Art »Wind- oder Meeresrauschen« endet, Kultur- und abstrahierte Naturklänge gehen hier einander über. Wichtige Positionen besitzen in Poppes Prozession zwei Korg-BX-3-Synthesizer mit ihren diversen sonoren Möglichkeiten (auch als Orgel) und die E-Gitarre, die quasi als Basso-Continuum-Gruppe ein auch visuelles in der Mitte des Büh- nenraumes platziertes Fundament des Geschehens bilden, sowie die vier um das Ensemble verteilten und rhythmisch wie farblich überaus markant agierenden Schlagzeuger. »Das Schlagzeug«, so Poppe im Gespräch mit Michael Zwenzner, »schiebt das Stück voran, es ist eine Klammer und ein Motor zugleich. Es hat den gesamten dynmaischen Umfang zur Verfügung, kann unendlich leise starten und unfassbar laut werden. Wichtig sind neben schönen Holzinstrumenten vier große Marschtrommeln, die wir extra für dieses Stück gebaut haben: große Trommeln, die mit den Schnarrsaiten von kleinen Trommeln prä- pariert sind. Diese Instrumente erklingen archaisch, aber übertriebn. Es git sie in keiner traditionellen Musik, sie sind eine Erfindung.«