"Halt! Stehenbleiben!" ... Die Feldbahn Blankenberg an der Saale
'Halt! Stehenbleiben! - Nun, das wäre wohl noch die "freundlichste" Aufforderung gewesen an jemand, der es a) gewagt und b) überhaupt geschafft hätte, sich diesem Ort auch nur ansatzweise zu nähern.. Denn hier war der "Eiserne Vorhang" in seiner brutalsten Form präsent, hier war die Saale Grenze zwischen zwei Weltsystemen! Das ist nun seit 35 Jahren überwunden - besser war danach Vieles, aber auch längst nicht alles... 1894, in einer noch ganz anderen Zeit, existierten in Blankenberg und dem benachbarten Blankenstein bereits die beiden Papierfabriken, und in diesem Jahr kaufte der Besitzer der Papierfabrik Rosenthal in Blankenstein die Blankenberger Fabrik auf. Er ließ daraufhin eine Feldbahn errichten, um den innerbetrieblichen Transport zwischen beiden Werken sicherzustellen, diese ging 1895 in Betrieb. In den ersten Jahren verkehrte diese als Pferdebahn, das ebene Gelände entlang des Saaleufers ließ das zu. Erst 1922 wurden die ersten beiden Loks beschafft, und nun war die Strecke wirklich 'Eisenbahn'. 1927 kam bereits eine Diesellok hinzu, inwieweit - und wie lange - beide Traktionen noch parallel zum Einsatz kamen, konnte nicht ergründet werden. Die Strecke war etwas über 2 km lang, unterquerte vor Blankenstein die Landstraße und überquerte die Saale kurz vor dem Hauptwerk in Blankenstein. Ab 1949, wie eingangs erwähnt, lag die Feldbahn in der DDR, unmittelbar entlang des Grenzzauns. Anfänglich war da noch keiner, und obwohl verboten, gab es noch ein reges Passieren der Grenze. Damals sprach man ja auch noch von 'Wiedervereinigung'.. Erst ab den 1950er Jahren wurde dem zunehmend ein Riegel vorgeschoben und die Befestigung der Grenze immer mehr ausgebaut. In Zeiten der DDR machten sich natürlich die Grenztruppen die Bahn nutzbar, um Material für Ausbauten und Reparaturen zu transportieren. Der Verkehr zwischen den Papierfabriken lief jedoch unverändert weiter, selbstverständlich "begleitet".. Leben und Arbeiten im '500m-Streifen' - alles war da anders! Nach dem Mauerfall 1989 wurde der Grenzzaun sukzessive abgetragen, nun konnte man die Saale wieder sehen. Langsam normalisierte sich Vieles, und bald gab es auch wieder einen Fußgängersteg über die Saale, über den man ohne Umweg das andere, 40 Jahre lang unerreichbare Ufer betreten konnte. Die Papierfabrik Blankenberg überlebte die Währungsunion noch bis 1993 und wurde dann stillgelegt, während das Hauptwerk in Blankenstein weiter produzierte und im Laufe der folgenden Jahre ausgebaut und modernisiert wurde. Doch die Feldbahn war nun nicht mehr vonnöten und begann ungenutzt vor sich hin zu rosten. Schon bald wurde der Streckenteil vom heutigen Endpunkt 'Ziegelhütte' bis ins Werk Blankenstein abgebrochen. Übrig blieb der heute vorhandene Streckenabschnitt entlang der Saale von 1,6 km Länge. Nachdem die alte Papierfabrik mit historischen Produktionsmitteln, die selbst museal erhaltenswert gewesen wären, von der Treuhand verscherbelt worden war, gelang es der Gemeinde einige Jahre später, die Immobilie zurückzuerwerben. 1997 wurde auf der Feldbahn ein erster zaghafter Touristikverkehr mit einem Pferd und einem Personenwagen aufgenommen - Rückbesinnung auf die Anfänge der Bahn! 2000 startete dann der Touristkbetrieb mit einem Triebwagen Marke "Eigenbau" als 'Einmannunternehmen' und lief so bis 2012, als der Eigentümer und Betreiber aus Altersgründen aufgeben mußte. Wieder lag die Strecke brach. Schon 2009 war ein Teil der alten Papierfabrik abgebrochen, das übrige Gelände jedoch nach und nach saniert und renoviert worden. Mehr und mehr wurde das Umfeld einladend. 2014 gelang die Übernahme der Feldbahn durch den 'Förderverein der Parkeisenbahn Syratal Plauen e.V.' Dieser beschaffte nach und nach das Rollmaterial, welches heute zur Verfügung steht und welches wir im Video sehen. Seitdem verkehrt die Feldbahn an regelmäßigen Terminen im Jahr, die auf der Website des Vereins ersichtlich sind. Die Inanspruchnahme ist sehr erfreulich, auch davon können wir uns im Video überzeugen. Gefahren wird ohne festen Fahrplan, man bezahlt auf Spendenbasis, indem ein Hut die Runde macht. Das Betriebskonzept ist so, daß 2 Züge im Sichtabstand die Strecke befahren, gefolgt von einer einzelnen Lok. Am Endpunkt wird dann die einzelne Lok Zuglok des ersten Zuges, der hinwärts der zweite war, für die Rückfahrt. Die in der Mitte stehende Lok, die mit dem zweiten Zug ankam, setzt sich nun an den angekommenen ersten Zug und beförderet diesen als zweiten Zug zurück. Und die angekommene Zuglok des ersten Zuges fährt beiden 'Fuhren' leer hinterher auf der Rückfahrt. Im Bahnhof Papierfabrik können dann auch Loks ausgetauscht werden, was mit Akribie erfolgt. Viel Spaß nun auf der Feldbahn im Saaletal, einer Touristikbahn, die aus einer Bahn mit "echter" Aufgabe hervorging und die Erinnerung lebendig hält. Datenquelle: https://feldbahn-blankenberg.jimdofre...

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