Axiomatische Entdeckungsreisen- Hilbert und die Göttinger Tradition der Mathematischen Physik

Vortrag von Michael Stöltzner (University of South Carolina) im Rahmen der öffentlichen Vorlesungsreihe "Geschichte der Physik - Revolutionen großer Denker" am 5.6.2012 an der Universität Göttingen. * Aufgrund einer beschädigten Videodatei wird das Referentenvideo (unten rechts im Bild) nur als Screenshot dargestellt. Wir bitten diese Unannehmlichkeit zu entschuldigen.* Abstract: Seit den Zeiten des Dreigestirns Hilbert, Klein, Minkowski gilt Göttingen zurecht als die Wiege der Mathematischen Physik im modernen Sinne. Es war vor allem Hilberts axiomatische Methode, welche die Disziplin vom Lösen physikalischer Gleichungen zur Analyse theoretischer Strukturen fortentwickelte. Nicht zuletzt weil Hilbert die axiomatische Methode eng mit der philosophischen Debatte um die Grundlagen der Mathematik verband, entstand vielerorts der Eindruck, dass es der axiomatischen Methode vor allem um die Rechtfertigung gesicherten physikalischen Wissens zu tun ist. Doch in seinen inzwischen publizierten Vorlesungen machte Hilbert klar, dass die axiomatische Methode nicht nur in kritischer, sondern auch in explorativer Weise verwandt werden kann. Diese Tendenz wurde vor allem in den Arbeiten John von Neumanns deutlich. Sie ist auch geeignet, manche Missverständnisse der gegenwärtigen Mathematischen Physik aufzuklären -- nicht zuletzt solche unter Physikern. Zur Person: Michael Stöltzner ist seit 2008 Associate Professor of Philosophy an der University of South Carolina, USA. Studium der Philosophie und Physik an den Universitäten Tübingen, Wien und Bielefeld. Diplom in Physik mit einer Arbeit zur Mathematischen Physik, Doktor in Philosophie mit einer Arbeit zur Debatte um das Kausalprinzip von der Statistischen Mechanik bis zur Quantenmechanik. Er war Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut Wiener Kreis in Wien, an den Universitäten Salzburg, Bielefeld und Wuppertal, und Gastwissenschaftler an der University of California at Irvine und der University of Notre Dame. Seine Hauptarbeitsgebiete sind die Philosophie und Geschichte der modernen Physik und angewandten Mathematik; die Geschichte der Wissenschaftstheorie, insbesondere des Wiener Kreises; die Epistemologie der angewandten Wissenschaften; Modelle in den Wissenschaften; formale Teleologie und Wirkungsprinzipien; Wissensordnungen und Enzyklopädien. Er ist Herausgeber u.a. von Wiener Kreis (mit Thomas Uebel, Hamburg, 2006), John von Neumann and the Foundations of Quantum Physics (mit Miklós Rédei, Dordrecht 2001), Formale Teleologie and Kausalität (mit Paul Weingartner, Paderborn 2005), und Autor zahlreicher Beiträge in Fachzeitschriften, darunter „Vienna Indeterminism: Mach, Boltzmann, Exner", Synthese 119 (1999), 85-111; "The Least Action Principle as the Logical Empiricist's Shibboleth", Studies in History and Philosophy of Modern Physics 34 (2003), 285-318; "On Optimism and Opportunism in Applied Mathematics", Erkenntnis 60 (2004), 121-145; "Eine Enzyklopädie für das Kaiserreich. Die Kultur der Gegenwart im Kontext der Geschichte philosophischer Enzyklopädien", Berichte zur Wissenschaftsgeschichte 31 (2008),11-28; "Erwin Schrödinger -- Vienna Indeterminist", in: Marcel Weber et al. (eds.): Probabilities, Laws, and Structures, Springer: Dordrecht, 2012, pp. 481-495. Weitere Informationen: http://www.geschichte-der-physik.uni-...