Konventionelles Selbst und Nicht-Selbst (anattā) – die grundlegende Bedeutung #buddha #dhamma
Aus dem Buch Buddhadhamma, Kapitel 3, Abschnitt „Die allgemein erklärte Bedeutung“. Kostenlos abrufbar unter: 🌿 https://tivagaro.de/buddhadhamma-digi... 🌿 Transkript: Wenn verschiedene Komponenten zusammenkommen und als Bedingungen füreinander in Beziehung stehen, sodass ein bestimmtes Gesamtbild erscheint, pflegen die Menschen diesem Gesamtbild einen Namen zu geben – etwa: Mensch, Pferd, Katze, Ameise, Auto, Laden, Haus, Uhr, Stift, Herr A, Frau B und dergleichen. Doch diese Namen sind lediglich konventionelle Bezeichnungen, die man zum Zweck der bequemen Verständigung im menschlichen Alltagsleben geschaffen hat. Sie sind keine Zustände, die wirklich existieren – das heißt, sie haben kein Selbst, das tatsächlich unabhängig von den zusammengekommenen Bestandteilen bestünde. Zerlegte man alle Bestandteile, so blieben nur die einzelnen Einheiten mit ihren je eigenen Bezeichnungen übrig; ein Selbst des benannten Gesamtbildes ließe sich nicht finden – man könnte nirgendwo darauf zeigen. Der Name, der dem Gesamtbild gegeben wurde, ist ein konventionelles Selbst, das über die tatsächlichen Gegebenheiten gelegt wurde. Es schwebt darüber, ohne direkten Bezug, ohne Macht, ohne irgendeine Auswirkung auf den tatsächlich ablaufenden Prozess der Gegebenheiten – es sei denn durch Anhaften (das seinerseits eine Komponente innerhalb des Prozesses der Gegebenheiten ist). Da es sich lediglich um etwas Konventionelles handelt, das frei darüberschwebt, ist es selbstverständlich, dass es keine Macht hat und keine Möglichkeit, den Prozess der Gegebenheiten oder irgendeine Komponente darin in irgendeiner Weise zu lenken. Der Prozess der Gegebenheiten, der Prozess der gestalteten Dinge (sankhāradhamma), verläuft nach seinen Bedingungszusammenhängen, nicht nach Wünschen, nicht abhängig von einem darüberschwebenden Selbst. Dass er nicht nach Wünschen verläuft, liegt daran, dass der Wunsch in Wirklichkeit gar nicht der Wunsch eines Selbst ist, sondern lediglich eine Komponente innerhalb des Prozesses der Gegebenheiten – und zwar eine Komponente, die nicht selbst das Ergebnis hervorbringt. Er kann nur dann Wirkung zeigen, wenn er als treibende Kraft die nächste Bedingungsstufe auslöst, nämlich das Handeln oder die praktische Umsetzung – was eben dem Verlauf des Bedingungszusammenhangs entspricht. Dass es ein darüberschwebendes Selbst als ein wirkliches, davon unabhängig existierendes Selbst geben könnte, ist unmöglich. Denn wäre es möglich, so wäre der Verlauf nach Bedingungszusammenhängen unmöglich, weil dieses beständige Etwas, nicht den Bedingungszusammenhängen folgend, den Strom behindern und alle Komponenten in Unordnung bringen würde, sodass kein Prozess der Gegebenheiten bestünde. Mehr noch: Dieses aufgesetzte Selbst würde zu einem Sonderfaktor, der die Gegebenheiten behindern, in sie eingreifen und sie von ihrem bedingungsgemäßen Verlauf ablenken könnte. Doch die Wirklichkeit ist: Die gestalteten Dinge (sankhāradhamma) verlaufen nach Bedingungszusammenhängen. Daher existiert kein Selbst außerhalb des Prozesses der Gegebenheiten – weder innerhalb noch außerhalb dieses Prozesses. Es kann nur ein konventionelles Selbst geben, das man mit Verständnis zu nutzen wissen sollte. Andernfalls, wenn die Einsicht fehlt, ist es ein Fremdkörper, der die Menschen bedrängt, beherrscht und in die Irre führt, sodass vielfältiges Leid und Unheil entsteht. Wenn die Bestandteile zusammenkommen und eine bestimmte Gestalt annehmen, wird diese mit einem konventionell anerkannten Namen bezeichnet. Solange alle Bestandteile vorhanden sind und die verschiedenen Bedingungen sie tragen, nähren und aufrechterhalten, bleibt die Gestalt bestehen, dem konventionellen Selbst entsprechend. Doch sobald die Bestandteile auseinandertreten oder die umgebenden Bedingungen nicht mehr förderlich sind, verschwindet dieses Selbst. Wie wenn die Temperatur einen bestimmten Punkt erreicht und das Eis schmilzt – das Selbst namens „Eis“ verschwindet, und es bleibt nur flüssiges Wasser. Steigt die Hitze in Verbindung mit dem Luftdruck weiter an, verdampft das flüssige Wasser, und der Zustand des flüssigen Wassers hört auf. Oder wenn Papier verbrannt wird und nur Asche übrig bleibt, lässt sich kein Selbst namens „Papier“ mehr finden. Die Bedeutung von Nicht-Selbst-Natur (anattata), dass nämlich alle Dinge aus verschiedenen Komponenten zusammengesetzt sind, die in Beziehung zueinander stehen und nach Bedingungszusammenhängen verlaufen, leer von einem Selbst als beständigem Kern, frei von einem schöpferisch waltenden Urheber – dies ist die grundlegende Bedeutung, die sich durch zahlreiche Stellen in den Lehrtexten stützen lässt, etwa durch den Pāli-Text: „Gestützt auf Holz, Schlingpflanzen, Lehm und Deckgras, umgeben von leerem Raum, wird es gemeinhin ‚Haus' genannt. Ebenso wird, gestützt auf Knochen, Sehnen, Fleisch und Haut, umgeben von leerem Raum, gemeinhin ‚Körper' (rūpa) gesagt.“ 🌿 https://tivagaro.de/ 🌿 #Buddhismus #Anattā #Buddhadhamma #Theravada

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