Thomas Friz - Ein Traum macht Vorschläge (Erich Kästner)
Am 23. Februar 2024 wäre Erich Kästner (1899 – 1974), einer der bedeutendsten Literaten des 20. Jahrhunderts 125 Jahre geworden. 1971, drei Jahre vor dessen Tode vertonte der Stuttgarter Liedermacher Thomas Friz (1952 – 2023) mehrere Kästner-Gedichte. Eines davon - „Ein Traum macht Vorschläge“ - wird jetzt, anlässlich Kästners 125- jährigen Geburtstages veröffentlicht. Um die Genehmigung des Literaten einzuholen war Thomas Friz eigens nach München gereist und spielte sie Kästner persönlich vor. 2021, anlässlich der Zusammenstellung der CD-Box „Zupfgeigenhansel – 50 Jahre 70 Lieder“ erinnerte sich Thomas Friz im Gespräch mit 7us-CEO Hans Derer an die Begegnung: „Kästner empfing mich freundlich in seinem Hause, und gab mir ohne zu Zögern die Zusage zur Verwertung, was mir sehr viel bedeutete.“ Eine Bearbeitung, die dem Dichter besonders gut gefallen haben soll, war die Vertonung seines Anti-Kriegs-Gedichts „Ein Traum macht Vorschläge“. Thomas Friz nahm den Titel zwar 1971 auf, spielte ihn auch des öfteren bei Live-Auftritten. Veröffentlicht aber wurde er - mangels Interesse des Musikindustrie - jedoch nie. 1972 traf Friz auf Erich Schmeckenbecher, mit dem er 1974 das Duo Zupfgeigenhansel gründete. Doch auch als die beiden 1976 endlich einen Plattenvertrag bekamen und ihr erstes Album „Volkslieder 1“ einspielten, kam Kästners Gedichtsvertonung nicht zum Zuge. Erich Schmeckenbecher und Thomas Froz nahmen „Ich bin Soldat, doch bin ich es nicht gerne“ auf, inzwischen millionenfach gestreamte Pfazifismus-Hymne. Nachdem Thomas am 29. August 2023 verstarb, entdeckte Manuel Friz die Aufnahme im Nachlass seines Vaters und gab sie für eine Veröffentlichung frei. Erich Schmeckenbecher dazu: …Ich kannte das Gedicht von Kästner und das Lied bisher nicht. Das hat Thomas wohl noch kurz vor Beginn unserer gemeinsamen gemacht und mir „verheimlicht“. Aber kein Anderer als Thomas hätte diesen sprachrhythmisch, und als Lied doch recht sperrigen Text, überhaupt singen können. Oder wäre gar auf die Idee gekommen, diese eindrucksvollen Zeilen Kästners jemals zu vertonen. Dazu brauchte es schon eine begnadete Sing-Stimme wie die seine… Posthum: Chapeau alter Freund! „Ein Traum macht Vorschläge“ Ich träume - man kann das ja ruhig gestehen - fast nie. Ich schlafe lieber, sobald ich liege. Aber kürzlich hab ich trotzdem geträumt, wissen Sie. Und zwar vom kommenden Kriege. Aus den Gräbern krochen Millionen Männer hervor (lauter Freiwillige, wie eine Stimme betonte), die hoben ihre Gewehre zur Schulter empor und prüften, wen zu erschießen sich lohnte. Sie kamen einander entgegen, fertig zum Schuss und stumm ... Doch da schrie eine Stimme, als wäre jemand in Not! Da drehten die Männer, wie auf Kommando, die Flinten herum und schossen sich selber tot. Sie fielen um in endlosen Reihn. Ich träume doch eigentlich nie ... Und wer mag das nur gewesen sein, der so schrie? (Erich Kästner [1899-1974], "Herz auf Taille. Gedichte", Deutsche Verlags-Anstalt 1928)

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