Warum brauchen wir Schlaf — Haie aber nie? Der echte Grund

Ein Mensch stirbt nach elf Tagen ohne Schlaf. Ein Weißer Hai schwimmt fünfundsiebzig Jahre lang, ohne je einzuschlafen. Delfine ruhen mit einer Hirnhälfte, während die andere weiteratmet. Fregattvögel schlafen im Flug — zehn Sekunden auf einer Seite, dann die andere. Wenn Schlaf ein Naturgesetz wäre, müsste er überall gleich aussehen. Tut er aber nicht. In dieser Folge zerlegen wir eine der scheinbar selbstverständlichsten Kategorien der Biologie. Vom Rekord Randy Gardners (1964, San Diego) über die Halbhirnschlaf-Entdeckung im russischen Meeresforschungsinstitut Utrish bis zu Niels Rattenborg am Max-Planck-Institut Seewiesen, der 2016 mit Miniatur-EEGs endlich beweisen konnte, was Fregattvögel über dem offenen Pazifik wirklich tun. Der Schlüssel liegt bei Maiken Nedergaard, University of Rochester, 2013: das glymphatische System. Eine nächtliche Müllabfuhr, die nur läuft, wenn das Bewusstsein aus ist. Sechsundachtzig Milliarden Neuronen, mehr Verbindungen als Sterne in der Milchstraße — und ein biologischer Preis, den der Hai nicht zahlt, weil er ihn sich nicht leistet. Am Ende bleibt eine umgedrehte Frage: Nicht "Wie viel Schlaf brauche ich?" Sondern "Warum haben wir uns ein Denken geleistet, das Schlaf erzwingt?"