Die Baubranche hat den Kalk nicht verboten, sie hat ihn nur leise aus den Normen gestrichen

Ein 300 Jahre altes Fachwerkhaus mit Kalkputz an den Wänden — und in all der Zeit nicht ein einziger schwarzer Schimmelfleck. Nicht Zufall, sondern Chemie: frischer Kalkputz hat einen pH-Wert über zwölf, fast so ätzend wie Chlorbleiche, und Schimmel kann sich darauf schlicht nicht ansiedeln. Die Zutat dafür liegt für zwölf Euro im Baumarkt — ein Sack gelöschter Kalk, gemischt mit Sand. Ich zeige dir, warum Gipskarton mit Dampfsperre hinter der Wand die perfekte Feuchtefalle baut, wie du Kalk- oder Lehmputz mit eigenen Händen anrührst und aufträgst, und wo die Grenzen dieser Methode liegen. Hast du bei dir zuhause noch die alte, geweißte Wand erlebt, oder nur Gipskarton? Was ich gelesen habe: Gary O. Rollefson — Ain Ghazal: A Major Neolithic Settlement in Jordan (Field Archaeology / Paléorient, diverse Aufsätze 1983–1998): dokumentiert die 7500 Jahre alten Kalkputzböden von Ain Ghazal, die als einziges Material den Ort überdauerten, während Holz, Textilien und Knochen vollständig zerfielen. World Health Organization — WHO Guidelines for Indoor Air Quality: Dampness and Mould (WHO, 2009): amtliche Studie, die belegt, dass zehn bis fünfzig Prozent der Innenräume in Europa und Nordamerika sichtbare Feuchte- oder Schimmelschäden aufweisen. Historic England — Practical Building Conservation: Mortars, Renders and Plasters (Historic England Publishing / Routledge, 2012): technischer Leitfaden zur Erhaltung von Kalkputz in denkmalgeschützten Gebäuden und seiner Rolle beim Feuchtemanagement. Gernot Minke — Building with Earth: Design and Technology of a Sustainable Architecture (Birkhäuser, 2006): Standardwerk zur hygroskopischen Pufferwirkung von Lehmputz und seiner Fähigkeit, die Raumluftfeuchte in einem schimmelfeindlichen Band zu halten. Society for the Protection of Ancient Buildings (SPAB) — The Need for Old Buildings to Breathe (SPAB Technical Advice Note, laufend aktualisiert): Grundlagentext zur Theorie atmungsaktiver Kalkwände in historischen englischen Gebäuden und zu den Schäden, die dampfdichte moderne Sanierungen dort verursachen. Olaf C. G. Adan & Robert A. Samson (Hrsg.) — Fundamentals of Mold Growth in Indoor Environments and Strategies for Healthy Living (Wageningen Academic Publishers, 2011): fasst die physiologischen Wachstumsbedingungen von Schimmelpilzen zusammen, einschließlich ihrer Empfindlichkeit gegenüber stark alkalischen Oberflächen. #Kalkputz #Schimmel #Lehmputz #DIY #Heimwerken #Selbermachen