Dreißig Jahre Später

Mhm... oh-oh... dreißig Jahre später... Ich hab gedacht, das geht vorbei, wie Regen auf Asphalt. Ein Sommer, eine Nacht, ein Lied, ein Herz wird wieder kalt. Ich hab gelebt, ich hab gelacht, ich hab mich neu erfunden. Hab manches viel zu ernst gemacht und manches überwunden. Doch manchmal steht dein Name noch leise vor der Tür, nicht mehr wie ein Sturm von damals, mehr wie ein Teil von mir. Ich bin nicht mehr der Junge, der alles sofort verliert. Ich hab gelernt, dass Sehnsucht auch leiser funktioniert. Dreißig Jahre später tanz ich immer noch mit dir, nicht mehr in deinen Armen, aber irgendwo in mir. Dreißig Jahre später tut es anders weh, nicht mehr wie ein Feuer, mehr wie Licht auf altem Schnee. Und wenn die Nacht mich fragt, ob ich dich noch vermiss, sag ich nicht mehr: für immer — nur: ich weiß, dass es so ist. Oh-oh... immer noch du... mhm... aber anders als damals... Ich such dich nicht in jeder Frau, das hab ich lang getan. Ich weiß jetzt, was Erinnerung mit einem machen kann. Sie macht aus einem Augenblick ein ganzes Königreich, und manchmal wird die Wahrheit unter Schönheit ziemlich weich. Ich geb dir nicht mehr Schuld daran, ich nehm mir nichts mehr krumm. Wir waren jung und voller Hunger, und vielleicht auch viel zu dumm. Heute kann ich stehen bleiben, wenn mich dein Schatten streift. Nicht jeder alte Schmerz ist auch ein neuer Streit. Dreißig Jahre später tanz ich immer noch mit dir, nicht mehr in deinen Armen, aber irgendwo in mir. Dreißig Jahre später tut es anders weh, nicht mehr wie ein Feuer, mehr wie Licht auf altem Schnee. Und wenn die Nacht mich fragt, ob ich dich noch vermiss, sag ich nicht mehr: für immer — nur: ich weiß, dass es so ist. Vielleicht warst du nicht die Liebe, die ich damals in dir sah. Vielleicht warst du nur der Spiegel, in dem ich einmal schöner war. Vielleicht ist das der Frieden: nicht alles muss zurück. Manchmal bleibt von großer Liebe nur ein sehr genaues Glück. Ich wünsche dir ein gutes Leben, und ich mein es heute wahr. Das hätte ich nicht sagen können vor dreißig langen Jahr’n. Dreißig Jahre später tanz ich immer noch mit dir, nicht mehr in deinen Armen, aber irgendwo in mir. Dreißig Jahre später seh ich klarer als zuvor: Man verliert nicht jede Liebe, manche ändert nur den Chor. Und wenn die Nacht mich fragt, ob ich dich noch vermiss, lächel ich im Dunkeln, weil die Antwort leiser ist. Oh-oh... immer noch du... dreißig Jahre später... nicht mehr verloren... nur noch wahr.