KGS 30+31, Christianisierung der Völker im Norden und Osten Europas + Papst und Kaiser im 12. Jhd.
Abgötter im Feuer und Päpste im Bann – willkommen zu einer neuen Folge unseres Kirchengeschichtsseminars! Heute reisen wir in den wilden Norden und Osten Europas: Erfahre, warum Wikingerkönige plötzlich das Schwert für Christus schwangen und wie das tonnenschwere, vierköpfige Götzenbild von Rügen als Brennholz für dänische Kochfeuer endete. Doch im Herzen des Reiches brennt die Luft erst richtig: Erlebe das dramatische Duell zwischen Kaiser Friedrich Barbarossa und dem Papsttum. Ein einziger Übersetzungsfehler auf einem Reichstag führt fast zum Blutvergießen – und mittendrin ein radikaler Reformer, der ein brutales Ende findet. Wer steht am Ende wirklich über wem? Klick jetzt rein und tauche ein in eine Ära voller Machtkämpfe, Intrigen und radikalem Wandel! Einfach reinhören! Und gerne auch bewerten, abonnieren und weiterempfehlen! Zusammenfassung Kapitel 30 + 31: Die Christianisierung der Völker im Norden und Osten Europas + Papsttum und Kaisertum im 12. Jahrhundert nach Abschluss des Wormser Konkordats: Kapitel 30: Die Christianisierung der Völker im Norden und Osten Europas Die Ausbreitung des Christentums im 10. bis 12. Jahrhundert veränderte das Gesicht Europas fundamental, verlief jedoch in verschiedenen Regionen völlig unterschiedlich. Im Osten nahm der russische Herrscher Wladimir der Große 987 das Christentum an. Die neu gegründete Kirche der Kiewer Rus wurde kirchenrechtlich und personell eng an das Patriarchat von Konstantinopel angebunden. Griechische Metropoliten prägten Recht, Ritus und Architektur. Durch die Einführung des Kirchenslawischen als Liturgiesprache blieb der Rus jedoch eine vollständige „Gräzisierung“ erspart. In Skandinavien dauerte die Christianisierung gut 300 Jahre (ca. 800–1100). Missionare nutzten den „Top-down“-Ansatz: Erst wurde der König bekehrt, dann folgten die Untertanen. Heidnische Bräuche wurden oft christlich umgedeutet. Nach ersten Versuchen Ansgars machte König Harald Blauzahn 965 Dänemark offiziell christlich. In Norwegen setzten die Könige Olaf I. und Olaf II. den neuen Glauben teils auch mit Gewalt durch, während Island sich im Jahr 1000 friedlich per Parlamentsbeschluss taufte. Schweden blieb am längsten ein heidnisches Bollwerk; erst Ende des 11. Jahrhunderts brach der Widerstand im Osten. Im Nordosten Mitteleuropas (Wenden, Pommern, Pruzzen) verlief die Missionierung am gewaltsamsten. Das Christentum wurde meist von außen mit dem Schwert erzwungen. Dem großen Slawenaufstand von 983 folgte 1147 der Wendenkreuzzug. 1168 zerstörten die Dänen mit der Tempelburg Arkona auf Rügen das letzte große Heiligtum der Slawen samt dem vierköpfigen Gott Swantewit, wie der Chronist Saxo Grammaticus detailliert berichtet. Pommern wurde durch Bischof Otto von Bamberg diplomatischer bekehrt. Die Pruzzen und Balten wurden im 13. Jahrhundert durch den Deutschen Orden und den Schwertbrüderorden unterworfen. Litauen trat erst 1387 aus politischem Kalkül freiwillig zum Christentum über. Kapitel 31: Papsttum und Kaisertum im 12. Jahrhundert In jener Zeit war die europäische Gesellschaft von einer tiefen asketischen Frömmigkeit geprägt (z. B. durch die Zisterzienser). Doch der Prunk der Kirche enttäuschte viele. Der Reformer Arnold von Brescia forderte die Rückkehr zur apostolischen Armut, kritisierte den Papst scharf und vertrieb ihn zeitweise aus Rom, wo er die papstfreie „Römische Kommune“ mitbegründete. Als Hadrian IV. – der einzige Engländer auf dem Papstthron – 1154 das Amt übernahm, verbündete er sich mit Kaiser Friedrich I. Barbarossa. Barbarossa lieferte Arnold von Brescia aus, der von der kaisertreuen Justiz hingerichtet wurde. Als Gegenleistung krönte der Papst Friedrich I. im Jahr 1155 zum Kaiser. Das Zweckbündnis zerbrach jedoch schnell an der Kernfrage, wer über wem stehe. Papst Hadrian sah das Kaisertum als päpstliches Lehen und verbündete sich im Vertrag von Benevent (1156) mit den Normannen. Der Konflikt eskalierte 1157 auf dem Reichstag von Besançon. Ein Papstbrief bezeichnete die Kaiserkrönung als „beneficium“, was Kanzler Rainald von Dassel bewusst als „Lehen“ (statt „Wohltat“) übersetzte. Die empörten deutschen Fürsten gingen fast auf die päpstlichen Gesandten los. Hadrian musste zurückrudern. Nach Hadrians Tod (1159) kam es unter Papst Alexander III. zu einem fast 20-jährigen Schisma, in dem Barbarossa mehrere Gegenpäpste einsetzte, in einem Friedensschluss im Jahr 1177 Alexander III. aber anerkennen musste. Auch der englische König Heinrich II. scheiterte am Papsttum und musste nach dem Mord an Thomas Becket die Geißelbuße auf sich nehmen. Alexander III. sicherte die Zukunft der Kirche insofern, als er 1179 eine Zweidrittelmehrheit für die Papstwahl festlegen ließ. Obwohl Barbarossa kurz vor seinem Tod auf dem Dritten Kreuzzug (1190) durch eine strategische Heirat seines Sohnes Heinrich das Papsttum fast eingekreist hatte, verhinderte Heinrichs überraschender Tod im Jahr 1197 die dauerhafte kaiserliche Vorherrschaft.

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