LP: Strickwarenfabrik Rabe

Gruppengröße: 1 Person Eine in der Substanz stark durch Verfall beeinträchtigte Strickwarenfabrik, jedoch im Grunde bisher von Vandalismus verschont. Ich traf vor der Aufnahme noch ein Lost Placer Pärchen, denen ein übler Streich mit der von ihnen genutzten Eingangstür gespielt wurde. Jemand hatte versucht sie einzusperren. Daher begleitete mich bei meiner Tour ein mulmiges Gefühl. Historischer Bezug: Das Doppel-Wohnhaus wurde 1913 vom Strumpffabrikanten Franz Träger gebaut, der im 1. Stock wohnte. 1920 gründete Albert Rabe in seiner Wohnung im 2.Stock eine Firma für "Strick- und Wirkwaren" mit 2 Handstrickmaschinen und einem Spulrad. 1922 entstand der erste Fabrikneubau als Flachba8u neben dem Wohnhaus. Durch Beschäftigung vieler Heimarbeiter wuchs die Produktion. Das Bestreben, möglichst viele Arbeiter unter einem Dach zu haben, führte 1923 zur Aufstockung des Flachbaus und zur Entstehung eines Übergangs zum Wohnhaus. Franz Träger verkaufte das Wohnhaus an Albert Rabe, der nun durch einen Mauerdurchbruch den ganzen Mittelstock bewohnte. Im Parterre befanden sie die Büroräume. 1929 erfolgte der dritte Bauabschnitt am Fabrikgebäude durch einen weiteren Flachbau am hinteren Teil. Die Strickwarenfabrik beschäftigte zu dieser Zeit schon 173 Arbeiter. Albert Rabe war ein beliebter Chef, der ein Herz für die arme Bevölkerung und alte Menschen hatte. 1938 wurde die Aufstockung des zweiten Anbaus durchgeführt. Es entstand ein schöner großer Speisesaal. Die Leitung der Küche hatte die Chefin Liddy Rabe. Mitte des Jahres 1939 waren 200 Beschäftigte in der Strickwarenfabrik angestellt. im Juni 1950 verließ Albert Rabe mit seiner Frau Liddy die DDR. Ab 01.01.1953 wurde die Strickwarenfabrik Albert Rabe zum Volkseigenen Betrieb (VEB) erklärt. Dieser nannte sich VEB Strickwarenfabrik "Aktivist" Werk 3. Nach der Wende nannte man den Betrieb 1989 in "Mikado" Strickwarenfabrik GmbH St. Egidien um. Der neue Geschäftsführer war Thomas Rabe, ein Enkel des Betriebs Gründers. 1990 gab es eine Umfirmierung zu "Textilmoden St. Egidien GmbH, St Egidien, Am Berg 4" mit neuem Geschäftsführer ab 14.08.1992. Durch die Verlagerung der Produktion ins Ausland und der Schließung der Strickerei im Juli 1998 waren anschließend nur noch 15 Personen beschäftigt. Am 19.02.1999 wurde die Konfektion geschlossen und am 28.02.1999 die Firma stillgelegt. jetziger Besitzer der Immobilie ist die Gemeinde St. Egidien. Quelle: Das Schild vor dem Gebäude