Predigt - Wilhelm Busch - Der Weihnachtsweg - Lukas 2,1-6 - 26.12.1958
Siehe auch: Wilhelm Busch beginnt mit dem liturgischen Gruß und einem Gebet, dann nimmt er Lukas 2 als Grundlage und hebt das Wort über die Hirten hervor: „Sie kamen eilend“. Er bittet Gott, dass sein Wort nicht leer zurückkomme. Als Einstieg erzählt er von einem eindrücklichen Weihnachtsgottesdienst in Bethel („Stadt der Epileptischen“): Viele schwer Kranke versammeln sich in der Zionskirche – „ein Strom von Elend“ – und dennoch singen sie die Weihnachtslieder so kraftvoll, dass der Posaunenchor die Orgel „wegfegt“. In diesen Gottesdiensten predigt oft Friedrich von Bodelschwingh. Dessen Predigt hat vier Teile, zusammengefasst in einem Vierzeiler, den er mit den Kranken einübt: „Aus tausend Traurigkeiten. / Wir gehen zur Krippe. / Still. / Das Kind der Ewigkeiten / und alle trösten will.“ Busch übernimmt die Linie, wählt aber drei Teile und nennt das Ganze „Der Weihnachtsweg“. 1) Überraschung: Busch stellt sich vor, man hätte die Hirten vor der Heiligen Nacht gefragt: Ihre Pläne wären schlicht gewesen (Feuer, Wachen, Schlafen in Schichten). Tatsächlich kommt alles anders: Sie laufen durch die Nacht „zur Krippe“ – bzw. zu dem, der dort liegt: „Euch ist heute der Heiland geboren.“ Das sei typisch für Menschen, die zu Jesus finden: Sie wundern sich über sich selbst; sie hatten ihr Leben anders geplant. Busch berichtet autobiografisch vom Ersten Weltkrieg: Ein Kamerad und er hielten Religion für „überholt“. Ein halbes Jahr später wollte er nichts mehr als Jesus kennen und ihm gehören; Orden und Kanonen waren „überholt“, die Botschaft vom Heiland dagegen „am aktuellsten“. Er nennt Gründe, die Menschen vom Gehen abhalten (Pflichten, Abwarten auf Theologenurteile, Skepsis) und sagt: Wenn der „heilige Ruf“ trifft, fallen diese Gründe. Beispiele für diesen Ruf: Paulus (Schrecken über das Gericht), Tersteegen (überwältigende Liebe), er selbst (Angst vor Verderben), andere durch Lebensnot oder Einsicht, dass Jesus die Offenbarung Gottes ist. 2) Zwischen Gewissheit und Erwartung: Busch sieht die Hirten unterwegs mit zwei Regungen: ruhige Gewissheit („Der Heiland ist da – ich darf ruhen“) und gespannte Erwartung („Wie wird es in Bethlehem sein?“). Er nennt die Hirten die erste Gemeinde Jesu und leitet daraus ab, wie Kirche sein soll: Ruhe und Spannung. Er kritisiert Einseitigkeiten: In „Orthodoxie/Fundamentalismus“ gebe es oft zementierte Gewissheit ohne Erwartung; im „Social Gospel“ oder unruhigen Pietismus viel Erwartung ohne Ruhe. Ein Beispiel veranschaulicht beides: Inspektor Zeller (Beuggen) lag mit seiner Anstalt in großer Not. Abends betete er: Christus habe ihn erkauft, also überlasse er ihm die Sorgen. Am Morgen sei er „wunderfitzig“ (neugierig) gewesen, wie der Herr helfen werde. Busch betont: Christen haben heute sogar eine größere Gewissheit als die Hirten (Kreuz, Auferstehung, Versöhnung, Zeugnis des Geistes) – und zugleich tägliche Erwartung von Führung bis hin zur Wiederkunft. 3) Aus der Nacht zum Licht: Der Weg der Hirten ist unbequem: keine Laternen, keine Taschenlampen, keine Adresse – sie müssen suchen, bis sie das Kind finden und seine Herrlichkeit sehen (Joh 1,14 inhaltlich). Das sei das Grundmuster des Christenlebens: Wir gehen „durch die Nacht“, geführt allein vom Wort Gottes („Dein Wort ist meines Fußes Leuchte“, Ps 119,105). Ohne Jesus ist es erschreckend dunkel; mit ihm führt das Wort durch viele Nachtstunden. Wenn die dunkelste Nacht – der Tod – kommt, erwacht der Christ an Jesu Angesicht; jetzt „wandeln wir im Glauben“, dann im Schauen (2Kor 5,7 inhaltlich). Die Hirtengeschichte endet im Lobpreis; das sieht Busch als Vorausbild der himmlischen Anbetung aus der Offenbarung: eine große Schar lobt das Lamm, Gott wischt die Tränen ab. Er zitiert eine Strophe (sinngemäß): Jesu reines Licht leite unsere Schritte, bis wir in „ewiger Weihnachtswonne“ sein Angesicht schauen. Zum Schluss wendet Busch das Gesagte an: Folge dem heiligen Ruf ohne Ausreden („verdammte Pflicht und Schuldigkeit“ dürfe nicht zur Verdammnis werden). Pflege beides: ruhende Heilsgewissheit und lebendige Erwartung seines heutigen Handelns. Bleib am Wort; dort beginnt das Licht. Er beschließt mit einem Gebet, dass Gott unserem Leben dieses Profil schenke: als Menschen auf dem Weihnachtsweg – durch Nacht, hin zum Licht des Schauens.

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