Memmingen/Unterallgäu St. Martin - Einsetzungsläuten mit der gotischen Glocke

Evangelische Dekanatskirche Sankt Martin der Stadt Memmingen im Unterallgäu 1. Einsetzungsläuten mit der gotischen F1-Glocke von 1428 zum Abendmahl am Hochfest des Heiligen Geistes 2.Vorstellung der Glocken im Kirchturm 3. Impressionen von Sankt Martin Dieses Video widme ich dem User "TheAngelofNight" Zur Geschichte: Die Kirche liegt an einer Urzelle der Memminger Altstadt, an der sich Siedlungsspuren bis zurück ins 2. Jhdt. finden. Vermutlich unter fränkischer Herrschaft entsteht bereits im 8. Jhdt. eine Martinskapelle. Im 10. Jhdt. wurde die Vorgängerkirche zur Welfenbasilika. Ab dem Jahre 1176 führten Verlängerungen, Ausbauten und Umbauten dazu, dass zwischen 1496 und 1500 die St. Martinskirche als größte Stadtkirche zwischen Bodensee und Lech mit insgesamt 22 Altären vollendet wurde! Von 1524 an entwickelte sich diese Kirche, unter dem Schweizer Prediger Christoph Schappeler, zum Ausgangspunkt der Reformation in Memmingen. 1531 wurde verfügt, sämtliche altkirchlichen Kultgegenstände zu entfernen. St. Martin verliert durch diesen Beschluss alle 22 Altäre mitsamt der historisch bedeutsamen Schwalbennest-Orgel, die sich an der südlichen Hochschiffswand befand und bereits 1453 erwähnt wurde. Die Reformatoren bezeichneten diese Orgel als Teufelswerk... War die Stadt Memmingen zuerst zwinglianisch orientiert, um anschließend das Sonderbekenntnis "Confessio Tetrapolitana" abzulegen, erklärten sich die Memminger im Jahre 1536 durch die Annahme der "Wittenberger Concordia" für die Lehre Martin Luthers. Zum Kirchturm: "D`Mate" (Allgäuerisch) = "Der Martin", so wird von den evangelischen Christen Memmingens der Kirchturm ihrer Dekanatskirche liebevoll genannt! Aus dem nördlichen Chorwinkel steigt der Turm empor, dessen 3 unteren Turmgeschosse 1320/30 erbaut wurden. Erst 1410 wurde das vierte, quadratische Turmgeschoss aufgesetzt und mit einem hohen Spitzhelm bekrönt. Als 1535 ein Blitzschlag den Turmhelm zerschmetterte, wurde auf den tuffsteinernen Viereckbau ein Oktogon aus Ziegeln aufgemauert und mit einer welschen Kupferhaube versehen. Das reizvolle Beiwerk wie Turmknopf, Wetterfahne, Dachreiter, Sonnenuhren, Feuerglocke, Wasserspeier, Wächterstubenkamin und Altanenkranz, verleihen diesem Abschnitt des Martin ein ausgesprochen gemütliches Gepräge! Da das gewölbte Untergeschoss ursprünglich als Sakristei diente, erfolgt der Zugang auf den Martin durch eine im Nordschiff befindliche Wendeltreppe, die in etwa 10 Metern Höhe ins zweite Turmgeschoss mündet. Das Balkenwerk aus dem Jahre 1405/10 - gleichsam ein Holzturm im Steinturm - ist eine selbsttragende Unterkonstruktion für den 600 Jahre alten Glockenstuhl, damit die Schwungkraft der Glocken nicht unmittelbar auf das Tuffsteinmauerwerk übertragen wird. Zu den Glocken: Auf diesem Video ist das Läuten während der Einsetzung des Abendmahles mit der Glocke 2 "Elfuhrglocke" zu sehen! Sie wurde anno 1428 in der Memminger Gießhütte von Conrad Bodenwaltz (auch Bodenmalz geschrieben) gegossen. Ton: F-Dur. Durchmesser: 129 cm. Höhe: 112 cm. Gewicht: 1650 kg. Seit 1572 wird sie täglich um 11 Uhr zur Erinnerung an die Türkengefahr geläutet! Derweil sich außen am Turm noch 4 weitere, kleine Glocken befinden, hängen ebenso insgesamt 4 Gusswerke in der Glockenstube des Martin, wobei die große Glocke ein absolutes Novum darstellt! Sie wurde 1460 von dem aus St. Gallen stammenden, jedoch in Memmingen ansässigen Glockengießermeister Ulrich Snabelburg II. gegossen! Während die Kirchenglocken von Ulrich Snabelburg I. weltberühmt sind; u. a. seine Hosanna im Überlinger Münster mit einem Gewicht von fast 7 Tonnen aus dem Jahre 1444, oder die 1,2 Tonnen schwere große Glocke der Georgskirche auf der Insel Reichenau (1436), dürfte diese Osanna im Martinsturm, von Ulrich Snabelburg dem Zweiten, eher unbekannt sein. Es gibt Hinweise, dass Ulrich Snabelburg II. die Gießerei von Conrad Bodenwaltz übernommen hatte, und die Tatsache, dass er in Memmingen sesshaft wurde, stimmt mich recht zuversichtlich, in meiner Allgäuer Heimat noch so manche Snabelburger Kirchenglocke ausfindig machen zu dürfen! Weitere ausführliche Informationen folgen beim Plenum-Video!