Wer trug die Schuld am Pazifikkrieg 1941-45?

Eine genauere Beschäftigung des Krieges in Asien und vor allem seiner Rückkopplungen auf Europa und die USA, offenbart nicht nur Erstaunliches mit Blick auf die Bewertung der Schuldfrage an diesem vielschichtigen globalen Konflikt, in dem mindestens 50% aller Opfer in Asien zu verzeichnen waren, sondern sagt auch viel darüber aus, welche durch und durch imperialen Ambitionen die selbsternannten zivilisierten Staaten hegten. So bestand der gesamte asiatische Raum, mit Ausnahme Japans, in den 1930er Jahren aus Kolonien der europäischen Mächte, allen voran Spaniens, Portugals, der Niederlande, Frankreichs und zuerst Großbritanniens, dass zu dieser Zeit mehr als 25% der gesamten Erde in seinen Händen hielt, aber auch der USA, die mit den Philippinen ebenfalls eine eigene Kolonie in Asien besaßen. Neben Japan war lediglich China ein souveräner, nicht kolonialisierter Staat, allerdings nur mit Einschränkungen, da Teile der chinesischen Küste de facto unter die Gewalt imperialer Mächte wie Großbritannien und Portugal gestellt waren, die dort weitgehende Rechte genossen, wie u.a. in Hongkong, Macao oder Shanghai. Japan, das auf Seiten der antideutschen Koalition am Ersten Weltkrieg teilnahm, wurde im Jahre 1919 in Versailles zwar anteilig als Kriegsbeute die deutschen Kolonien in Asien versprochen, doch lösten Frankreich und Großbritannien ihr Versprechen gegen Japan nicht ein, was bei den Japanern fortan den nicht unberechtigten Eindruck hinterließ, eine Siegermacht zweiter Klasse zu sein. Da Japan seit dem späten 19. Jahrhundert einen enormen Wirtschaftsaufstieg hinlegte, aber selbst auf seinem Staatsgebiet kaum über dringend benötigte Ressourcen wie Eisenerze, Kohle oder Erdöl verfügte und die Verbündeten des Ersten Weltkrieges, entgegen der eigenen Zusagen, den Japanern keinen Anteil an der Kriegsbeute zubilligten, griff Japan im Jahre 1931 auf die Mandschurei im Nordosten Chinas über und verleibte sie sich als eigenen Marionettenstaat, gewissermaßen als Ersatzkolonie, ein. Die militärische Expansion Japans nach dem Ersten Weltkrieg, war also durchaus zum Teil auch ein Nebenergebnis des unheilvollen Vertrages zu Versailles. Um an noch mehr Bodenschätze zu gelangen, ging Japan im späteren Verlauf der 1930er Jahre jedoch dazu über, seinen Blick auch auf das übrige China zu werfen und militärisch immer weiter zu expandieren und schließlich zu eskalieren. Das Deutsche Reich, dass in jener Zeit keine Kolonien in Asien besaß, pflegte ab 1933 ein außerordentlich gutes Verhältnis zu China, das sich auf wirtschaftlicher und militärischer Ebene zeigte. So trug das chinesische Heer in jener Zeit deutsche Stahlhelme und war mit deutschen Infanteriegewehren (K98) und dem deutschen Panzer I. ausgerüstet. Das deutsche Reich bemühte sich ebenso um ein gutes Verhältnis zu Japan, das zwar im Ersten Weltkrieg gegen Deutschland kämpfte, mit dem es im Rahmen des verbindenden Antikommunismus während des Verlaufes der 1930er Jahre, aber zu einer immer stärkeren Annäherung kam. Der Ausbruch des japanisch-chinesischen Krieges im Sommer 1937 stürzte das Deutsche Reich in ernsthafte Probleme, da man in Berlin bestrebt war, zu beiden Staaten ein gleichsam gutes Verhältnis zu behalten und auch wirtschaftliche Verbindungen aufrechtzuerhalten. Nach Ausbruch dieses Krieges war es dem Deutschen Reich nicht mehr möglich, gegenüber China, das sich zudem seit fast 20 Jahren in vielen Bürgerkriegen befand, weiterhin Militärhilfe zu leisten und zeitgleich eine Kooperation mit Japan zu gewährleisten. Eine deutsche Friedensvermittlung zwischen Japan und China schlug im Jahre 1937 dann auch fehl, was noch fatale Folgen für alle Beteiligten haben sollte. Auch hier verstrich eine heute weitgehend unterschätzte und vergessene Möglichkeit zur völligen Umgestaltung der gesamten Weltgeschichte, mit massiven Auswirkungen in die Zukunft. Hätten die deutschen Friedensvermittlungen in den Jahren 1937 oder 1938 erfolgt gehabt, hätte sich wahrscheinlich die Position der nationalchinesischen Regierung unter Tschiang Kai-schek gefestigt, was dann wiederum wahrscheinlich dazu geführt hätte, dass die chinesischen Kommunisten unter Mao Zedong niemals in China die Macht ergriffen hätten, also keine Volksrepublik China gegründet worden wäre. Japan hätte sich dann infolge eines Friedens bis zum Jahre 1945 nicht in China ,,zu Tode zu Siegen“ müssen und hätte stattdessen seine Kraft stärker den USA zuwenden können. Auch wäre es im Falle eines Friedens zwischen Japan und China für Präsident Roosevelt weitaus schwieriger geworden, das Narrativ eines japanischen ,,Gangsterstaates“ aufrechtzuerhalten, den man in seine Schranken hätte weisen müssen.