Sonnblickkees: DESASTER! :-(
Am 04. September 2024 habe ich meine monatlichen Niederschlagsmessungen in der Granatspitzgruppe (Hohe Tauern) für das Land Salzburg gemacht. Eigentlich gehören zu diesen Messungen – neben dem Ablesen der Totalisatoren – auch die Schneehöhensondierungen am Filleckboden (siehe der flache Gletscherboden im Vordergrund) des Stubacher Sonnblickkeeses. Aber es gibt nichts mehr zu messen. Der gesamte Winterschnee ist weg, bis auf ein paar kleine unbedeutende Reste in geschützten Mulden. Es ist unglaublich, wie das Stubacher Sonnblickkees in den vergangenen 3 Jahren richtiggehend kollabiert ist. Hier geht es gar nicht mehr um Längenverluste, nein, der Gletscher zerfällt auf seiner gesamten Fläche vor unseren Augen. Mit rasender Geschwindigkeit sind Felsrippen "herausgewachsen" – letzteres ist natürlich nur ein Trugschluss, denn die Felsen wachsen nicht heraus, sondern das Eis sinkt ein. So ist der Gletscher aktuell in vier Teile zerfallen: 1) die noch recht große Filleckzunge 2) die kleine Sonnblickzunge 3) der Granatspitzbereich, welcher gerade einen Teil seiner Zunge verliert und eigentlich das kräftigste Nährgebiet des ganzen Gletschers ist. Historische Fotos zeigen, dass der Gletscher vor allem aus dem Granatspitzbereich seine Wucht bezogen hat 4) der Eisfleck direkt im Gipfelaufbau der Granatspitze, der seit einigen Jahren vom Rest des Gletschers abgetrennt ist. Zwischen 2) und 3) hat sich eine lange und mächtige Felsrippe gebildet, sodass man nun erstmals in der Geschichte des Alpinismus den Stubacher Sonnblick trockenen Fußes besteigen kann. Ich gehe davon aus, dass man in den nächsten Jahren die Wegmarkierungen dorthin verlagern wird. Das Stubacher Sonnblickkees gibt es eigentlich gar nicht mehr. Es sind nur noch einzelne Toteisfelder, die – bis auf eine noch hauchdünne Verbindung – bereits vollständig voneinander getrennt sind. Somit wird der Gletscher im wesentlichen bereits in 10 Jahren so gut wie abgeschmolzen sein, einzelne zähe Reste vermutlich aber erst in Jahrzehnten. Wenn sich nicht eine gewaltige Abkühlung der ostalpinen Sommer einstellt, wofür es aktuell leider keinerlei Indizien gibt. Seit heuer gibt es übrigens in Österreich kein Ganzjahresskigebiet mehr. Der Hintertuxer Gletscher musste über den Sommer schließen. Und es sieht so aus, als ob das für immer sein könnte. Wir werden sehr wahrscheinlich in Österreich nie wieder ein Ganzjahresskigebiet haben - bis sich das Klima dreht - wann immer das irgendwann in der Zukunft sein mag. In den Alpen gibt es nur noch ein einziges Ganzjahresskigebiet, das 365 Tage lang Skibetrieb anbietet: Zermatt (Schweiz). Wenn du meine Arbeit finanziell unterstützen willst, wofür ich sehr dankbar wäre: IBAN: AT40 2050 5002 0110 8156. Sparkasse Kitzbühel. BIC SPKIAT2K. Günther Aigner, Dorfstraße 30, 6384 Waidring (Österreich).

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