Isabelle Graw: Der Wert des Lebendigen - Malerei als indexikalisches Medium i.d. neuen Ökonomie

Isabelle Graw Seit sich die Malerei massiv erweitert hat und „neben sich steht", wie es David Joselit so treffend ausdrückte, fällt ihre Abgrenzung ausgesprochen schwer. Gleichwohl erfreut sich das Format Leinwandbild in all seinen Variationen heute wieder einer großen Beliebtheit und dies nicht zuletzt auch in nicht-malerischen Praktiken. Worin liegt die Spezifik des Leinwandbilds begründet, zumal es anderen Praktiken oft als „impliziter Horizont" (Avigail Moss, Kerstin Stakemeier) dient? Dieser Vortrag optiert für ein semiotisches Verständnis von Malerei, welches ihrer Besonderheit ebenso Rechnung trägt wie dem Prozess ihrer Entspezifizierung seit der Nachkriegszeit. Er geht von einer spezifischen Indexikalität der Malerei aus, die mit ihrer besonderen Wertform in einem unmittelbaren Zusammenhang steht. Es wird als Folge ihrer indexikalischen Zeichen aufgefasst, dass sie die geisterhafte Präsenz ihres abwesenden Schöpfers zu suggerieren vermag. Auch ihre spezifische Wertform lässt sich mit dieser Suggestion von Lebendigkeit erklären. Indem die Malerei nämlich den Eindruck von lebendiger Arbeit (noch in ihren totesten, mechanischen Formen) erzeugt, ist sie prädestiniert dazu, jenes Leben zu produzieren, das in der neuen Ökonomie zu einer Ressource aufgestiegen ist.