Michael Negele über 150 Jahre Streit im Deutschen Schachbund - Interview

Im ChessBase Interview mit André Schulz zeichnet Michael Negele die Geschichte des Deutschen Schachbundes als eine Geschichte großer sportlicher Erfolge, aber auch wiederkehrender Machtkämpfe und föderaler Konflikte nach. Ausgehend von den frühen Schachclubs und der Gründung des DSB 1877 erklärt er, wie Persönlichkeiten wie Max Lange, Siegbert Tarrasch, Rudolf Gebhard und Walter Robinow die Entwicklung des organisierten deutschen Schachs prägten. Besonders deutlich wird, wie regionale Rivalitäten, persönliche Eitelkeiten und politische Strömungen immer wieder zu Spaltungen führten, etwa im Konflikt zwischen Robinow und Erhard Post oder später im Übergang zum Großdeutschen Schachbund unter den Nationalsozialisten. Trotz Krieg, Gleichschaltung, Ausschluss jüdischer Mitglieder und dem völligen Zusammenbruch 1945 zeigt das Gespräch auch, wie schnell sich das Schachleben in Deutschland wieder neu organisierte und wie stark die alten föderalen Strukturen bis heute nachwirken. 0:00 Einführung: Negele & die „föderale Selbstzerfleischung" des DSB 1:28 Erste Schachclubs & der Gründungsboom (1803–1861) 7:45 Gründung des Deutschen Schachbunds 1877 in Leipzig 13:07 Hermann Zwanzig & der Durchbruch von Breslau 1889 17:38 Max Lange & der „Rotstift-Eklat" (Konflikt 1) 25:49 Konsolidierung unter Gebhardt & die goldene Ära bis 1914 31:01 Robinow gegen Post: Internationalismus vs. Nationalismus (Konflikt 2) 39:37 Olympiade Hamburg 1930 & der Großdeutsche Schachbund 43:36 Schach im Nationalsozialismus (1933–1945) 56:01 Neuaufbau nach 1945: alte Nazis & der Brinkmann-Skandal (Konflikt 3) 1:10:56 Horst Metzing, Wiedervereinigung & die Präsidenten 1:15:30 Die DSB-Krisen bis heute & Ausblick: Sonja Graf