Edelweißpiraten - Heiter bis Wolkig Punk Kabarett

Aus dem neuen HbW-Album Widerstandslieder vom Juli 2021 (Kapitel A. Widerstand im deutschen Land, Track Nr. 1. Edelweißpiraten) Ein Lilienthal-Cover (Original von 1981) www.heiterbiswolkig.org www.facebook.de/hbw.spam Marco und Micha von HbW kennen diese musikalische Ballade der 1976 gegründeten Folkmusikgruppe Lilienthal aus Göttingen vom Friedensbewegungs-Sampler Wir wollen Leben aus dem Jahre 1981(erschienen als Vinyl-Doppel-LP auf dem Label Folk Freak). Der Titel ist offenbar nur auf diesem Sampler und keiner anderen LP der Gruppe erschienen. Damals waren wir als Teenager selbst in der Friedens- und Anti-AKW-Bewegung aktiv, und dieses Engagement führte u.a. auch zur Gründung unseres ersten Musikkabarett-Ensembles im Jahr 1982 (unter einem Namen, der nie wieder genannt werden darf). Die stark kultivierte Protestsongkultur in der damaligen Friedens-und Ökobewegung hat uns durchaus geprägt, und unser erstes Bühnenprogramm, das 1983 Premiere hatte, bestand dann auch gar nicht aus Punkrocksongs, sondern aus einem wilden Haufen friedensbewegter musikalisch-kabarettistischer Nummern und Popmusik-Parodien. Das nun nachgespielte und von Elf von Slime neu arrangierte Lied Edelweißpiraten von Lilienthal idealisiert die Bewegung von subkulturell-unangepassten und offenbar nur teilweise politisch-antifaschistischen Jugendgruppen, die sich während des Dritten Reichs in einigen deutschen Städten gebildet hatten und sich nicht dem Alleinvertretungsanspruch der Hitlerjugend unterordneten. Neben Pfadfindergruppen, den katholischen Sturmscharen, der Naturfreundjugend oder kommunistischen Jugendverbänden entstanden auch freie Verbünde, die sich u.a. Navajos, Fahrtenjungs, Ruhrpiraten oder auch Edelweißpiraten nannten. Das waren lose Zusammenschlüsse von Jugendlichen mit eigener Haltung, betont lässiger Kleidung und auffälligen Frisuren. Sie sangen und hörten "undeutsche" Musik und unternahmen gemeinsame geschlechtergemischte Freizeitfahrten. Im Rheinland und im Ruhrgebiet war eines der Erkennungsmerkmale ein häufig verdeckt getragenes Edelweißabzeichen. Das damalige Reichsjustizministerium ordnete solche Jugendgruppen teilweise der von den Nazis verbotenen, aus der Wandervogel-Bewegung hervorgegangenen Bündischen Jugend zu. Oppositionelle Jugendaktivitäten solcher Art wurden bis in die Weltkriegsjahre hinein kriminalisiert und verfolgt. Unter anderem wurden im Kölner Stadtteil Ehrenfeld mehrere Personen von den Nationalsozialisten gehenkt, darunter auch fünf junge Männer, die den Edelweißpiraten zugerechnet werden. Ein Teil der Inschrift der am 09.11.2003 installierten Gedenktafel an der Bartholomäus-Schink-Straße lautet: „Hier wurden (...) am 10.11.1944 dreizehn Deutsche - unter ihnen jugendliche Edelweißpiraten aus Ehrenfeld, sowie andere Kämpfer gegen Krieg und Terror –ohne Gerichtsurteil öffentlich durch Gestapo und SS gehenkt.“ Unsere hymnische Fassung der Ballade soll auch heute die Erinnerung an die Edelweißpiraten und andere oppositionelle Jugendgruppen im Dritten Reich wachhalten: Gegen das Vergessen!