Warum „Haben“ uns unglücklich macht – Erich Fromm | Mein dritter philosophischer Spaziergang
00:00 Intro & Sabrina 02:02 Minimalismus 03:04 Warum wollen wir alles HABEN? 03:35 Warum Kommunismus scheiterte? 04:28 Ich will HABEN HABEN HABEN 04:59 Alternativentwurf von Erich Fromm - Das Sein 05:50 Religion bzw. Heidentum und das Haben 07:31 Post-Ost-Gesellschaft und Aberglaube 09:59 Heidnische Feste übernommen (Lies hier gerne das Originalzitat von Fromm weiter unten) 11:15 Rolle der Philosophie 12:27 Hard Problem of Conciousness und Qualia des Erlebens 14:32 Das Symbolische und die Demut 15:47 Die Donau und die Ruhe 16:04 Naturverbundenheit und Ausbeutung 17:29 Zulassen des Symbolischen 18:37 Was habe ich nun eigentlich in meiner Tasche?? Zitat aus Erich Fromms Nachwort aus "Haben oder Sein" (WICHTIG & INSPIRIEREND): "Schließlich sind die Ideale der neuen Gesellschaft nicht parteigebunden: viele Konservative haben ihre ethischen und religiösen Wertvorstellungen noch nicht aufgegeben (Eppler nennt sie »Wertkonservative«), und das gleiche gilt von vielen Liberalen und Linken. Jede politische Partei beutet die Wähler aus, indem sie sie zu überzeugen sucht, daß sie allein die wahren Werte des Humanismus vertrete. Doch jenseits aller politischen Parteien gibt es nur zwei Lager: die Engagierten und die Gleichgültigen. Wenn sich alle, die dem ersten Lager angehören, von Parteiklischees freimachen und erkennen könnten, daß sie die gleichen Ziele haben, dann wären die Chancen eines Neubeginns um vieles größer; dies um so mehr, als die Menschen in zunehmendem Maß das Interesse an Parteiloyalität und Parteischlagworten verlieren. Wonach sich die Menschen heute sehnen, das sind Persönlichkeiten, die über Weisheit und Überzeugungen verfügen und den Mut haben, ihren Überzeugungen entsprechend zu handeln. Trotz der genannten positiven Faktoren bleiben die Chancen gering, daß es zu den notwendigen menschlichen und gesellschaftlichen Veränderungen kommt. Unsere einzige Hoffnung ist die energiespendende Kraft, die von einer neuen Vision ausgeht. Diese oder jene Reform vorzuschlagen, ohne das System von Grund auf zu erneuern, ist auf lange Sicht gesehen sinnlos, denn solchen Vorschlägen fehlt die mitreißende Kraft einer starken Motivation. Das »utopische« Ziel ist realistischer als der »Realismus« unserer heutigen Politiker. Die neue Gesellschaft und der neue Mensch werden nur Wirklichkeit werden, wenn die alten Motivationen -Profit und Macht - durch neue ersetzt werden: Sein, Teilen, Verstehen; wenn der Marktcharakter durch den produktiven, liebesfähigen Charakter abgelöst wird und an die Stelle der kybernetischen Religion ein neuer radikal-humanistischer Geist tritt. Die entscheidende Frage ist in der Tat, ob eine Konversion zu einer humanistischen »Religiosität« ohne Religion, ohne Dogmen und Institutionen zustande kommt, eine »Religiosität«, deren Wegbereiter die non-theistischen Bewegungen vom Buddhismus bis zum Marxismus waren. Wir stehen nicht vor der Alternative »selbstsüchtiger Materialismus oder christlicher Gottesbegriff«. Im Leben in der Gemeinschaft - in allen seinen Aspekten wie Arbeit, Freizeit und zwischenmenschliche Beziehungen - wird sich dieser »religiöse« Geist verwirklichen, ohne daß wir einer separaten Religion bedürften. Diese Forderung nach einer neuen nichttheistischen, nichtinstitutionalisierten »Religiosität« - ausgenommen für diejenigen Anhänger der traditionellen Religionen, die den humanistischen Kern ihrer Religion authentisch erleben - ist kein Angriff auf die bestehenden Religionen. Es ist jedoch ein Appell an die römischkatholische Kirche, angefangen von der römischen Bürokratie, sich selbst zum Geist des Evangeliums zu bekehren. Es bedeutet nicht, daß die »sozialistischen Länder« »entsozialisiert« werden sollen, sondern daß ihr bürokratischer Scheinsozialismus durch einen echten, humanistischen Sozialismus ersetzt wird. Die spätmittelalterliche Kultur blühte, weil die Vision von der Stadt Gottes die Menschen beflügelte. Die Gesellschaft der Neuzeit blühte, weil die Vision der Irdischen Stadt des Fortschritts die Menschen mit Energie erfüllte. In unserem Jahrhundert hat diese Vision jedoch die Züge des Turms von Babel angenommen, der jetzt einzustürzen beginnt und schließlich alle unter seinen Trümmern begraben wird. Wenn die Stadt Gottes und die Irdische Stadt These und Antithese darstellten, dann ist eine neue Synthese die einzige Alternative zum Chaos: die Synthese zwischen dem »religiösen« Kern der spätmittelalterlichen Welt und der Entwicklung des wissenschaftlichen Denkens und des Individualismus seit der Renaissance. Diese Synthese ist die Stadt des Seins" In meinem dritten philosophischen Spaziergang geht es um eine berühmte Frage von Erich Fromm: Haben oder Sein? Unsere Gesellschaft ist stark auf Besitz, Leistung und Wachstum ausgerichtet. Aber macht uns das wirklich glücklicher? Komm mit auf einen weiteren Denkspaziergang. #philosophie #erichfromm #habenodersein #denken #spaziergang #besitz #kapitalismus #hyperkapitalismus #kommunismus #ichwillhaben #sein

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